Ismaiks Feldzug Wie der Sechzig-Investor gegen 50+1 kämpft

Investor beim TSV 1860: Hasan Ismaik. Foto: imago/Sven Simon

Der Investor kämpft weiter gegen die 50+1-Regel und wirft dem Kartellamt in der AZ eine Missachtung des europäischen Rechts vor. Hannover-Boss Kind unterstützt ihn: "Seine Argumente sind begründet."

 

München - Hasan Ismaik ist ein hartnäckiger Mann. "50+1 ist ein veraltetes Instrument im deutschen Sport, in der deutschen Politik. Es ist eine Schande, dass meine Beschwerde beim Bundeskartellamt seit langer Zeit auf Eis liegt", erklärte der Investor des TSV 1860 kürzlich im AZ-Interview. Es ist die vorerst letzte der unzähligen Episoden seines Kampfes gegen die 50+1-Regel. Jetzt legt Ismaik in der AZ nach.

Ismaik hat Botschaft an Gesetzesvertreter

"Ich habe eine Botschaft an die Gesetzesvertreter", erklärt Ismaik über jene Regel, die dem Verein die Entscheidungshoheit sichert und seine Machtbefugnisse begrenzt. Seine Ansage: "Wenn ich gerichtlich gegen die 50+1-Regel und den e.V. wegen Monopolstellung vorgehen möchte: Wie kann es sein, dass das Kartellamt selbst die europäischen Gesetze in diesem Punkt nicht erfüllt?"

Der Geldgeber spielt damit auf die Einschätzung einiger Experten an, 50+1 würde gegen bestehendes Europa-Recht verstoßen und daher rechtlich kaum haltbar sein – und fordert, "mit allem gebührenden Respekt" von den Autoritäten: "Sagen Sie mir, an wen ich mich wenden soll, da Sie meine Klage nicht zulassen möchten?" Ismaiks Feldzug gegen seinen Intimfeind Fünfzigpluseins, er geht in die nächste Runde.

Ismaik: In den letzten Jahren ist nicht alles optimal gelaufen

Sechzigs Geldgeber muss sich aber den Vorwurf gefallen lassen, bei seinem Einstieg im Jahre 2011 über die Bedeutung der Regelung nicht im Bilde gewesen zu sein. Seitdem streitet er sich mit Präsidenten und Geschäftsführern um die Entscheidungsgewalt. In der Ära Robert Reisinger zog 1860 drei Mal 50+1, um sich über die anderslautenden Forderungen des Millionärs hinwegzusetzen. "Ich gebe zu, dass in den letzten Jahren nicht immer alles optimal gelaufen ist. Aber dazu gehören immer zwei Seiten", sagt Ismaik nun. Nachvollziehen kann er das Handeln der Kluboberen, die er längst ausgetauscht sehen will, nicht.

Der Streit zwischen Ismaik und den Vertretern des TSV 1860 hat den Verein gespalten und aufgewühlt. Dem wollen die Löwen nun mit der Kampagne "VEREINenStattSpalten" entgegenwirken.

Alle Gremien des TSV 1860 hätten die öffentliche Kampagne gemeinsam entwickelt, teilte der Verein gestern mit. Es gehe "um ein deutliches wie gemeinsames Zeichen bezüglich der zunehmend angeheizten Diskussionskultur", heißt es: "Der Aufruf soll der gesamten Löwenfamilie die gelebten Werte des Vereins wie Respekt, Fairness, Ehrlichkeit und Kameradschaft noch einmal deutlich in Erinnerung bringen."

Spaltung der Fanlandschaft duldet Ismaik nicht

Ausdrücklich wurde auch Ismaiks HAM Unlimited aufgefordert, sich dem Projekt anzuschließen. "Die Polarisierung und Spaltung der Fanlandschaft wollen wir nicht weiter akzeptieren."

Doch bei allem guten Willen: Den Streit um die 50+1-Regel wird auch diese Aktion erstmal nicht lösen. 50+1-Befürworter und Löwenboss Reisinger dürfte keinen Millimeter davon abgerückt sein, erst recht nicht nach Ismaiks Rassismus-Vorwürfen. Trotz seiner öffentlich coolen Reaktion war Reisinger nach AZ-Informationen über die Anschuldigungen sehr erzürnt.

Einen Unterstützer findet Ismaik in Martin Kind, Klub-Boss von Hannover 96. Kind ist dort zwar als Präsident zurückgetreten, kämpft aber nach wie vor für den Fall von 50+1. Kind zur AZ: "Ismaiks Argumente sind begründet: Der deutsche Fußball verliert seine Wettbewerbsfähigkeit. Klar ist aber, dass er bei 1860 von traditionellen Kräften bekämpft wird." Durch "taktisch ungeschicktes Handeln" habe Ismaik sich als machthungriger Investor "einen Ruf erarbeitet, den er schwer wieder los wird". Kind rechne "im Spätsommer" mit einer Entscheidung des Kartellamts, das zwar Ismaik zappeln lässt, im Auftrag des deutschen Fußballs aber eine Aufweichung von 50+1 beschließen könnte. Ismaik würde sie begrüßen – im Gegensatz zu den Klubbossen.

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