Ismaik zahlt nicht Amateure! Löwen spielen nächste Saison nicht 3. Liga

, aktualisiert am 02.06.2017 - 21:58 Uhr
Es hat nicht sein sollen. Offenbar konnten oder wollten die Anteilseigner sich nicht auf einen Deal für eine Drittliga-Lizenz einigen. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Hasan Ismaik zahlt die geforderte Summe für die 3. Liga nicht, die Löwen müssen im Amateurbereich neu anfangen. Der Investor schreibt dem Klub die Schuld zu, 1860-Vizepräsident Schmidt widerspricht.

 

München - Warten. Banges Warten. Alle waren sie auf Giesings Höhen gekommen. Fans. Schaulustige. Ein Großaufgebot an Medienvertretern. Ordner und Polizei. Und die Entscheidungsträger. Alle waren sie Akteure am Tag der Deadline für die Drittliga-Lizenz zur klassischen Anstoßzeit um 15.30 Uhr: Alle fragten sie sich: Verbleibt der TSV 1860 im Profifußball? Während die übriggebliebenen Bosse Hans Sitzberger und Heinz Schmidt sowie der Verwaltungsrats-Vorsitzende Markus Drees noch tagten, trudelte bereits die Antwort ein: Nein!

"Leider ist es Herrn Ismaik derzeit nicht möglich, den erheblichen Betrag, der für die 3. Liga benötigt wird, bereitzustellen", ließ Hasan Ismaik, Hauptgesellschafter der ausgegliederten Profifußball-Abteilung dieses Vereins, am Freitagnachmittag kurz nach Ablauf der Frist per Pressemitteilung seines Unternehmens HAM Limited United verlauten. In anderen Worten: Der milliardenschwere Investor, durch sein Investment bei 1860 bereits um zirka 70 Millionen Euro erleichtert, will die erforderlichen gut elf Millionen Euro nicht aufbringen.

Neubeginn im Grünwalder Stadion?

Der Aussage folgte die Begründung, dass sich der eingetragene Verein TSV 1860 weigere, "notwendige Änderungen vorzunehmen, um die vielen Themen, mit denen der Verein konfrontiert ist, zu lösen". Heißt: Weil die Löwen nicht auf die Forderungen des machthungrigen Geldgebers eingegangen sind, stürzt der den Klub in den Amateurfußball und wird voraussichtlich im Grünwalder Stadion in der vierten oder fünften Liga antreten. Kein einziger Spieler aus dem einstigen Profiteam hat damit mehr einen gültigen Vertrag.

Kurze Zeit später folgte die prägnante wie folgenschwere Pressemitteilung des anderen Gesellschafters, des Vereins: "Der für die Lizenz notwendige Betrag für die 3. Liga ist bis zum Fristende am Freitag, 2. Juni 2017, 15.30 Uhr, nicht eingegangen. Die beiden Gesellschafter der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA konnten bis zu diesem Zeitpunkt keine Einigung erzielen", schrieben die Löwen.

Wie groß die Konfusion bei den Sechzgern zu diesem Zeitpunkt war, schilderten Sitzberger und Schmidt am frühen Abend auf einer Pressekonferenz des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) in der Maxvorstadt. "Heute waren Ian Ayre (kommissarischer Geschäftsführer, d. Red.), die ganze Mannschaft der KGaA, Anwälte, ein Wirtschaftsprüfer, Vertreter des Verwaltungsrates, alle an der Geschäftsstelle, damit wir die Bedingungen erfüllen können", sagte Schmidt um kurz vor 19 Uhr. Um 14.15 Uhr sei demnach ein Schreiben eingetroffen, indem sechs Forderungen von Mehrheitseigner Ismaik an den e.V. wiederholt worden seien, "mit vorgefertigten Unterschriften von uns drauf", erzählte der Löwen-Vize. Die ursprünglichen Forderungen, zum Beispiel, dass der Verein sein Weisungsrecht an den Geschäftsführer abgeben sollte und die Jugendmannschaften in die KGaA eingegliedert werden, seien nicht mit der 50+1-Regel zu vereinen gewesen, schilderte Schmidt weiter. Die neuen Forderungen seien zwar abgeschwächt, aber Punkte dabei gewesen, "die unserer Satzung widersprochen hätten". Reihenweise sei nun mit den Anwälten Ismaiks telefoniert worden, einem in Hamburg, einem weiteren in Abu Dhabi, erzählte er. Schließlich hätten sich beide Seiten angenähert, um doch noch einen Antrag auf eine Drittligalizenz stellen zu können. Demnach hätten die Vereinsvertreter im Flur der Geschäftsstelle auf ein weiteres modifiziertes Schreiben mit Forderungen Ismaiks gewartet, das für 15.25 Uhr angekündigt war – einzig, es kam nicht.

"Was fehlte, war der Vertrag", erklärte Schmidt. "Wir waren sehr überrascht, als um 15.39 Uhr die Pressemitteilung des Mitgesellschafters kam, dass man sich nicht einigen konnte." Vereinfacht gesprochen, hatte Ismaik den Verein eigenwillig umgangen.

"Wir haben es bis zur letzten Sekunde versucht"

Noch an der Grünwalder Straße war Schmidt um 15.45 Uhr vor die zahlreich wartenden Fans getreten. Er verkündete: "Wir können aus rechtlicher Sicht nicht sagen, wie es weitergeht. Wir können aber sagen, dass wir bis zur letzten Sekunde versucht haben, Lösungen mitzutragen, sofern es rechtlich möglich ist.“ Unterbrochen wurde er dabei von einigen Ultras, die ihren neuesten Hit anstimmten: "Scheiß auf den Scheich, scheiß auf sein Geld…"

Der Investor kündigte entgegen dem Wunsch von Teilen der Anhänger jedoch an, 1860 treu zu bleiben: "Diese Entscheidung berührt in keinem Fall das Engagement von Hasan Ismaik für 1860", hieß es in seinem Schreiben weiter. Er werde den Klub "auch in der 4. oder 5. Liga unterstützen und notwendige Veränderungen vorantreiben. Seine emotionalen Bindungen zu 1860 und seine Loyalität gegenüber den Fans bleiben stark."

Viele Beobachter sehen das anders.

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