Irreparabler Motorschaden Fehlende Kulanz: "VW ist herzlos"

Haben jetzt nur noch ein Schrottauto: Karen Stahl mit ihren drei Töchtern. Foto: privat

Motorschaden am Touran: Eine Gymnasial-Lehrerin soll auf über 12.000 Euro Reparaturkosten sitzenbleiben.

 

 

München - Die Familie und die Freunde hatten sie überzeugt: Weil ein VW als "zuverlässig" und "langlebig" gilt, kauft sich Gymnasiallehrerin Karen Stahl als Familienkutsche einen fünf Jahre alten VW Touran. Das war im Juni 2015 – noch vor dem Abgasskandal, der das Image des Konzerns vorerst ruiniert hat.

 

Nur wenige Monate später aber ist der schöne blaue Touran der 45-Jährigen – kaputt: An einem Dezembermorgen, beim Starten auf dem Weg zum Unterricht, blubbert der Touran ein wenig seltsam und geht nach fünf Minuten aus. Für immer "irreparabler Motorschaden", diagnostiziert die Werkstatt.

 

 

Doch VW lehnt es jetzt ab, der Bio- und Chemie-Lehrerin finanziell in irgendeiner Weise entgegenzukommen: Karen Stahl ist wütend über die fehlende Kulanz: "Ich fühle mich vom Hersteller absolut alleingelassen. Der Auto-Ärger hat mir meine Weihnachtsferien verdorben." Der Schummel-Konzern ist für sie jetzt auch: "Konzern Herzlos".

 

Die alleinerziehende Mutter hat drei Töchter im Alter von sechs, neun und elf Jahren. Für die Familie ist es wichtig, dass in den Touran auch mal ein Fahrrad und die Rodel-Schlitten hineinpassen. "Mit dem Sieben-Sitzer kann ich auch die Freundinnen meiner Mädels zum Schwimmen mitnehmen", freute sich die Mutter. 14.000 Euro hatte sie für den fünf Jahre alten VW Touran gezahlt – hochzufrieden war sie damit an ihren Heimatort Bruckmühl am Irschenberg zwischen Kindergarten, Grundschule, ihrem Gymnasium und dem Supermarkt herumgekurvt.

 

Der Defekt ist eine Touran-typische Schwachstelle

 

Doch das Glück mit der praktischen Familienkutsche währte nur sechs Monate: Auf über 12.000 Euro hat ihre VW-Vertragswerkstätte jetzt die Reparaturkosten für den kaputten Motor beziffert – inklusive nötiger Zusatzarbeiten an der Benzinpumpe und an der Lichtmaschine: "Ich habe doch gerade erst 14.000 Euro für den Wagen bezahlt. So eine Reparatur kann ich mir als Alleinerziehende nicht leisten!", schimpft Karen Stahl.

 

Verzweifelt fordert sie, dass sich VW bitte an den immens hohen Reparaturkosten beteiligt. Denn: Ihr Auto hat ein Problem, für das der "Touran" hinlänglich bekannt ist: Die Steuerkette ist übergesprungen – eine Touran-typische Schwachstelle – und hat auch diesen den Motor zerstört.

 

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Dabei hatte die Lehrerin beim Autokauf auf Nummer sicher gehen wollen: "Scheckheftgeprüft" hatte sie den VW von einer anderen Lehrerin gekauft: Also mit der Gewissheit, dass der Wagen alle Inspektionen durchlaufen hat. Das bringt zwei Jahre Garantie. Danach geht es bei VW – je nach Art des Schadens – nur nach Kulanz. Und mit der sieht es in diesem Fall mau aus.

 

Karen Stahls persönliches Pech: Wie sich jetzt herausstellt, hat es zwischen den Touran-Vorbesitzern und deren Werkstatt ein Missverständnis geben. Die Vorbesitzer hatten einen Ölwechsel fälschlicherweise als Inspektion interpretiert – weil danach die Leucht-Anzeige "Inspektion" am Auto-Cockpit erloschen war. Aufgrund dieser einen, vor zwei Jahren versemmelten Inspektion, weist nun die VW-Kundenbetreuung Karen Stahls Kulanz-Antrag schon am Telefon strikt zurück: "Ich fühle mich von VW abgewimmelt, unfreundlich und schlecht behandelt. Meine Freunde und die Bekannten können auch kaum glauben, wie VW mich hier im Stich lässt."

 

VW-Sprecher Nicolai Laude bedauert den Ärger. Er sagt aber ganz klar: "Es gibt für unsere Kunden kein Recht auf Kulanz. Doch kein Fall ist wie der andere. Wir prüfen hier individuell."

 

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