Irre Falschmeldung bei Facebook Gratis Bordell-Besuch für Flüchtlinge? - Quatsch!

Eine der vielen falschen Flüchtlingsmeldungen im Netz: Der Puff-Gutschein. Foto: dpa/mimikama.at

Für Menschen, die eine ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit in sich tragen, gibt es derzeit nichts Schöneres, als Falschmeldung über Flüchtlinge in Umlauf zu bringen. Aktuelles Beispiel: Asylbewerber sollen vom Staat Freikarten für den Puff bekommen.

 

München - Flüchtlinge wohnen in luxuriösen Hotelzimmern, Taxi fahren tun sie kostenlos und bei der Ankunft in Deutschland gibt's erst Mal ein paar Hundert Euro bar auf die Kralle: Um ihre perfide Hetze gegen Flüchtlinge voranzutreiben, denken sich Fremdenhasser immer abstrusere Falschmeldungen aus, die sie dann vor allem in den sozialen Netzwerken verbreiten.

In dem Potpourri Tausender Unwahrheiten über Flüchtlinge macht eine momentan besonders auf sich aufmerksam: Ein Gutschein für einen Bordellbesuch – und zwar gratis und natürlich nur für Flüchtlinge.

Laut dem Verbreiter der Nachricht auf Facebook soll es sich bei dem Gutschein um eine Bordell-Freikarte für Asylbewerber handeln. Der User schreibt: "Schaut mal, für die armen Asylbewerber, die ihre Triebe nicht im Griff haben! Unglaublich!"

Die Internetseite mimikama.at, eine internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch, machte als erstes auf die Fälschung der Bordell-Freikarte aufmerksam – wobei jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch sofort erkennt, dass dieser Zettel nicht echt sein kann.

Erstens wurde der abgebildete Gutschein vom „Sozialamt des Freistaates Bayern“ ausgestellt. Dabei gibt es so ein Amt überhaupt nicht. Zweitens steht auf der Karte "Kontrollabbiß" und nicht "Kontrollabriß", wie es eigentlich heißen müsste.

Außerdem soll der Gutschein nur an Wochentagen und an evangelischen Feiertagen gültig sein – eine klare Anspielung auf das katholisch geprägte Bundesland Bayern. Schon gar nicht handelt es sich um den bayerischen Löwen, der dort als Wappen zu sehen sein soll.

Obwohl die Puff-Freikarte jetzt gerade die Runde in den sozialen Netzwerken macht, ist sie keine Neuerscheinung. Laut mimikama.at soll die Karte schon lange vor dem Flüchtlingsstrom das erste Mal viral gegangen sein. Bereits 2011 tauchten Bilder dieser Bodellkarten im Internet auf. In gut sortierten Scherzartikelläden sind die Abrißkarten für den Puff wohl schon seit den 80er-Jahren erhältlich.

AZ-Kommentar: Idioten gibt es überall

Noch viel schlimmer, als die Tatsache, dass es Menschen gibt, die solche Gerüchte ruhigen Gewissens in die Welt setzen, ist der Umstand, dass es auf der anderen Seite noch mehr Menschen gibt, die darauf hereinfallen.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob eine im Internet verbreitete Meldung über Flüchtlinge der Wahrheit entspricht oder ein Fake ist, empfehlen wir Ihnen die Seite mimikama.at. Mimikama ist eine internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch und zentrale Anlaufstelle für Internetuser, die verdächtige Internetinhalte melden möchten.

 

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