Inzestfall von Willmersbach Vergewaltigung in 500 Fällen - 69-Jähriger angeklagt

Die Nachbarn in Willmersbach hegten schon länger Verdacht. Foto: dpa

Der Inzestfall von Willmersbach kommt am Montag vor Gericht – Der 69-jährige Adolf B. ist wegen Vergewaltigung seiner Tochter in fast 500 Fällen angeklagt.

 

Nürnberg - Mehr als 34 Jahre lang soll Adolf B. aus dem mittelfränkischen Willmersbach seine Tochter sexuell missbraucht und drei Söhne mit ihr gezeugt haben. Vom kommenden Montag (28. November) an muss sich der 69-Jährige wegen Vergewaltigung in fast 500 Fällen vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Für den Prozess hat die Zweite Strafkammer sechs Verhandlungstage angesetzt, an denen 24 Zeugen und drei Sachverständige gehört werden sollen.

Ein Urteil wird für den 19. Dezember erwartet. Das inzwischen 46 Jahre alte mutmaßliche Missbrauchsopfer wird als Nebenklägerin an dem Verfahren teilnehmen. Wegen des großen Medieninteresses wird der Fall im Schwurgerichtssaal 600 verhandelt.

Nachbarn vermuteten Inzest

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte seine Tochter in deren 12. oder 13. Lebensjahr erstmals mit Schlägen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Es folgte ein jahrzehntelanges Martyrium mit mehrmaligen Übergriffen pro Woche, das die Frau stillschweigend über sich ergehen ließ, obwohl die Bewohner von Willmersbach den Missbrauch durchaus vermutet hatten.

Denn anders als im Fall des Österreichers Fritzl, der seine Tochter in einem Kellerverlies gefangen gehalten hatte, konnte sich die junge Frau in der Öffentlichkeit frei bewegen – wenngleich ausschließlich in Begleitung ihres Vaters, wie Nachbarn schilderten. Sie gaben zu, sich über die häufigen Schwangerschaften der Frau zwar gewundert zu haben, da sie gar keinen Mann gehabt habe.

Und auch die Ähnlichkeit der Söhne mit dem Opa sei ihnen aufgefallen. Unternommen habe aber niemand aus dem Ort etwas – keiner wollte sich mit dem als aggressiv und herrisch geltenden Mann anlegen.

Ein viertes Kind vom Onkel?

Drei Söhne soll Adolf B. mit seiner Tochter gezeugt haben, alle drei kamen behindert zur Welt, zwei davon starben früh. Einen weiteren, noch lebenden Sohn soll die Frau von ihrem Onkel bekommen haben – dem Bruder ihres Vaters. Gegen ihn ermittelte die Staatsanwaltschaft allerdings nicht, und sie bestätigte auch nicht, dass er der Vater des vierten Kindes ist. Ans Licht kam der jahrzehntelange Missbrauch, als die Frau nach dem Tod eines ihrer Söhne versucht hatte, die Ehefrau eines Arztes zu erpressen, den sie dafür verantwortlich machte.

Sie wurde deswegen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und vertraute sich - wenige Wochen vor der Inhaftierung ihres Vaters im September – ihrer Bewährungshelferin an. Im Laufe der Ermittlungen gab der 69-Jährige die sexuellen Kontakte zu seiner Tochter unumwunden zu, behauptete aber, es habe sich immer um einvernehmlichen Sex gehandelt. Ob er vor Gericht bei dieser Aussage bleiben oder sich zur Sache gar nicht äußern wird, ist unklar. Sein Verteidiger Karl Herzog aus Neustadt an der Aisch lehnte im Vorfeld jede Stellungnahme ab.

 

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