Intime Fragen, explizite Aufforderungen WG-Suche in München: Studentin (23) soll sich ausziehen

Der Münchner Wohnungsmarkt ist überhitzt - das nutzt manch einer aus. (Symbolbild) Foto: imago/ Ralph Peters

Die Münchnerin Marie B. sucht ein WG-Zimmer. Beim Skype-Gespräch mit ihrem potentiellen Vermieter fordert der sie auf, sich auszuziehen. Es ist kein Einzelfall.

 

München - Als die Aufforderung kam, wusste Marie B. erst gar nicht, ob sie sich vielleicht verhört hatte. Hatte sie nicht. "Zeig mir deinen Bauchnabel", schrieb der Mann am anderen Ende der Skype-Videoschalte. Zuvor wollte er, dass Marie "detailliert" von einem Besuch beim Frauenarzt erzählt.

Es sind Aufforderungen wie diese, die besonders junge Frauen in München immer öfter zu hören bekommen. Oftmals sogar noch explizierter. Der Wohnungsmarkt ist überhitzt, bezahlbare Appartements oder Zimmer sind rar. Das versucht manch einer auszunutzen – und überschreitet dabei Grenzen.

Im Fall von Marie klang es allerdings erstmal harmlos. Die Anzeige für die Wohnung in der Maxvorstadt war abends auf dem Portal "WG-gesucht" eingestellt worden. Da die 23-jährige Studentin einen Alarmierungsfilter aktiv hatte, ploppte die Anzeige auf dem Handy auf. "Ich lag eigentlich schon im Bett, aber das Angebot klang so gut. Also habe ich direkt eine Mail an die angegebene Adresse geschrieben", erzählt sie der AZ. Angebliche Vermieter: Vier Medizin-Studentinnen, die eine neue Mitbewohnerin suchten. Unter 400 Euro warm für 15 Quadratmeter – es klang perfekt.

"WGs lassen sich die verrücktesten Dinge einfallen"

"Ich sollte dann ein Foto schicken, weil sie angeblich schon drei Maries hatten. Das fand ich jetzt noch nicht so seltsam", so die 23-Jährige. Die vermeintlichen Vermieterinnen schrieben ihr prompt zurück. Sie solle sie via Skype kontaktieren, dann könne man gleich noch sprechen. "Ich suche schon länger und auf einmal war dieses Angebot da. Und da mir gesagt wurde, es gäbe viele Anfragen, wollte ich schnell sein", erklärt Marie die Situation. Sie willigte ein.

Dann aber wurde es seltsam. Das Gespräch war ein "blind call": Marie konnte ihr Gegenüber nicht sehen, der andere Gesprächspartner Marie aber sehr wohl. "Ich wollte gut dastehen und hatte schon von derlei Gesprächen gelesen", sagt Marie. "Aber natürlich ist es im Nachhinein verrückt." Ihr wurden die Fragen außerdem schriftlich im Skype-Chat gestellt.

Das Gespräch verlief anfangs einigermaßen normal. Bis zur Frauenarzt-Frage. Marie zierte sich. "Sie haben mir dann gesagt, dass eine von ihnen das studiere und man eine Mitbewohnerin suche, der man vertraue. Daher die komische Frage", schildert Marie.

"Vermieter und WGs lassen sich ja oft verrückte Dinge einfallen, um den besten Bewerber zu bekommen, also habe ich noch versucht, die Frage zu beantworten", so die 23-Jährige. Dann kam die Aufforderung, ihr T-Shirt hochzuziehen. "Ab diesem Punkt wusste ich, dass am anderen Ende ein Perverser sitzt".

Marie brach das Gespräch sofort ab und meldete das Angebot der Plattform. Die Seitenbetreiber nahmen es offline. Wer genau hinter "ihrer" Fake-Anzeige steckte, ist im Nachhinein nicht mehr zu ermitteln. Klar ist nur: Studentinnen waren es nicht.

Die 23-Jährige fühlte sich nach dem Vorfall ertappt und schuldig. "Man macht sich selber die größte Vorwürfe, fühlt sich schuldig." Sie will mit ihrem Fall andere junge Frauen warnen, auf derlei Angebote einzugehen.

Mieterverein warnt vor Lockangeboten

Auch der Mieterverein München mahnt zur Achtsamkeit. Geschäftsführer Volker Raststätter sagt: "Wir hören immer wieder von Fällen, bei denen verzweifelte Wohnungssuchende ausgenutzt werden. Wir verurteilen ein solches Verhalten. Wichtig ist es immer zu überprüfen, ob eine Person, die eine Wohnung anbietet, auch tatsächlich der Vermieter dieser Wohnung ist beziehungsweise ob bei einer Untervermietung das Einverständnis des Vermieters vorliegt. Grundsätzlich ist es ratsam, bei Angeboten im Internet wie auch im Leben außerhalb des Netzes eine gesunde Vorsicht walten zu lassen: Ist ein Angebot etwa extrem günstig, sollten Wohnungssuchende die Gründe dafür hinterfragen."

Ein WG-Zimmer hat Marie noch nicht gefunden. "Ich achte aber jetzt sehr darauf, wem ich schreibe", so die 23-Jährige. Dass die Wohnungsnot in München derartig ausgenutzt wird, ist für die 23-Jährige schlicht "widerlich".

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