Interview zum TSV 1860 Verwaltungsrat Markus Drees: Hasan Ismaik "darf sich nicht einmischen"

, aktualisiert am 23.07.2018 - 23:58 Uhr
Verwaltungsräte der Löwen: Sebastian Seeböck, Dr. Markus Drees und Robert von Bennigsen (v.li.). Foto: sampics/Augenklick

Die Initiative "Pro1860" wird in den kommenden drei Jahren im Verwaltungsrat den Kurs der Löwen wesentlich mitbestimmen. Im Gespräch mit der AZ erklärt Dr. Markus Drees, wie er und seine Mitstreiter das machen wollen – und zu welcher Gangart mit Investor Hasan Ismaik sie dem Präsidium raten.

 

München - Nach der Mitgliederversammlung des TSV 1860 ist klar: Der Verwaltungsrat wird durch die Initiative "Pro1860" bestimmt und somit das Präsidium von Robert Reisinger unterstützen -, der zuletzt von Ex-Oberlöwe Peter Cassalette scharf angegangen wurde.

Pro Reisinger, contra Investor Hasan Ismaik – ist es so einfach? Die AZ hat mit Verwaltungsrat Dr. Markus Drees gesprochen – über Pläne für das Grünwalder Stadion, den Kurs von Reisinger und über das Miteinander mit Ismaik.

AZ: Herr Drees, Ihr Lager stellt künftig geschlossen den Verwaltungsrat der Löwen. Waren Sie besser organisiert?
MARKUS DREES: Der Ausschlag war wohl, dass die Leute draußen (Außerhalb von München, d. Red.) weniger motiviert worden sind. Dass die Münchner traditionsgemäß eher unseren Kurs unterstützen, war ja schon letztes Jahr zu sehen.

Welchen Kurs wird dieser Verwaltungsrat fortan verfolgen?
Dem Präsidium den Rücken freihalten und kontrollieren. Mit der KGaA das tun, was man tun müsste: zum Beispiel einen Geschäftsführer zu bestellen, falls dies nötig ist. Hoffentlich nicht so bald, denn wir wollen natürlich, dass Herr Scharold noch eine Weile im Amt bleibt und auch der Aufsichtsrat so bestehen bleibt, wie er aktuell ist. Sie arbeiten ja gut zusammen.

Drees: "Weiß, wie Reisinger tickt"

Mit Herrn Scharold sind Sie demnach vollauf zufrieden?
Mit dem, was er als Geschäftsführer leistet, ja. Vielleicht sollte er ein bisschen mehr in die Öffentlichkeit gehen, dann kämen weniger Rufe, dass der Präsident mehr in die Öffentlichkeit muss. Aber das müssen sie unter sich ausmachen.

Ansonsten stehen Sie für den Kurs von Präsident Reisinger?
Genau.

Den Sie wie definieren würden?
Wir haben lange im Verwaltungsrat zusammengearbeitet. Ich weiß, wie er tickt. Man sieht: Er wächst mit den Aufgaben. Er hat auch auf der Mitgliederversammlung einige Probleme elegant gelöst, indem er gesagt hat, wir machen das so oder so.

Drees verneint "Nadelstichpolitik" nicht

Es gab im Vorfeld Kritik an Ihrer Person, Stichwort "Nadelstichpolitik". Spüren Sie jetzt Genugtuung?
Ich wusste als Urheber der Mails immer, wie diese Nadelstichpolitik gemeint war und auch im "Kicker" stand nichts Falsches. Sicher haben diese Kirmaier-Leaks auch dafür gesorgt, dass man weiß, wo es wirklich herkommt. Das Problem ist, wenn man irgendwann mal gebrandmarkt ist durch irgendwelche Blogger oder sonstige Leute, bleibt das bei den Leuten draußen, die sonst keine Quellen haben, im Gedachtnis.

Aber wie stehen Sie dann zu Investor Hasan Ismaik? Raten Sie dem Präsidium, hart zu bleiben?
Hart bleiben werden sie von selbst. Das hat man bei der Genussscheindebatte gesehen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, dass der e.V. und die HAM-Seite einfach nur Gesellschafter sind und nicht das tagtägliche Geschäft machen. Wenn er (Ismaik, d. Red.) irgendwie unterstützen will, kann er das gerne tun: Sei es durch Sponsporing oder durch Genussscheine. Er darf sich halt nicht einmischen oder die Gegenseite runterbuttern.

Und das große langfristige Ziel ist eine Zukunft ohne Ismaik?
Mei, es liegt ja nur an ihm. Wenn es um die Verkäufe der Anteile geht, dürfen wir laut Kooperationsvertrag nicht mal Konkurrenten ansprechen. Das liegt ja nur auf seiner Seite. Wünschenswert wäre es, mehr Besitzer zu bekommen, dass wir eine größere Pluralität im Aufsichtsrat hätten.

Drees spricht von Löwen-Aufstieg

Ihrem Verwaltungsrat wird derweil vorgeworfen, er würde nicht mit aller Macht in den Profifußball zurückstreben.
Unser Einfluss ist begrenzt, wir spielen ja selber nicht (lacht). Wenn wir aufsteigen, steigen wir auf. Wir müssen nur schauen, wie wir das mit dem Ausbau des Stadions machen, sollten wir diese Saison den Aufstieg schaffen. Sollten wir nicht aufsteigen, müssen wir es nächstes Mal probieren. Jan Mauersberger hat ja schon gesagt, dass wir demütig sein sollen. Wenn es nicht läuft, dürfen wir auch nicht die Nerven verlieren.

Bleiben wir beim Grünwalder Stadion. Das "Team Profifußball" hatte erklärt, verbindliche Aussagen von der Stadt zu verlangen. Wie wird ihr Vorgehen aussehen?
Wir haben mit Verena Dietl und Gerhard Mayer zwei Verwaltungsräte, die beide in der SPD-Fraktion sind. Wir stehen ja schon mit Dieter Reiter in Kontakt, und auch mit Beatrix Zurek (Leiterin des Referats für Bildung und Sport, d. Red.), die auch bei der Mitgliederversammlung war. Sie ist ja die Hausherrin.

Damit letztlich die Kapazität im Grünwalder irgendwann hochgefahren wird, oder?
Irgendwann wird man nicht drumherum kommen, dass man Stück für Stück umbaut.

Weil dieser Verwaltungsrat für die Heimat Giesing steht?
Genau. Genau.

Lesen Sie hier: Ismaik kommentiert Pleite des "Team Profifußball"

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