Interview zum Isarmord Chefermittler: "Ich denke, die Familie versteht das"

Isarmord: Chef-Ermittler Markus Kraus im AZ-Interview. Foto: John Schneider

Ein Jahr ist es her, dass Domenico L. an der Isar ermordet wurde. Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission spricht mit der AZ über den Fall ohne Ergebnis.

 

AZ: Ein Jahr intensive Ermittlungen, aber kein konkretes Fahndungsergebnis. Sind Sie frustriert, Herr Kraus?

MARKUS KRAUS: Zufrieden kann man in der Situation nicht sein. Wir haben alles Sinnvolle probiert. Aber hexen können auch wir nicht, und wir wissen, dass es in manchen Fällen länger dauern kann.

Sind die Ermittlungen damit am Ende? Nein, wir machen weiter. Mit der DNA-Spur haben wir einen sehr guten Ansatz, der auch eine Klärung nach vielen Jahren möglich macht. Der Abgleich mit den gespeicherten Daten beim BKA brachte keinen Treffer.

Das heißt, Sie müssen warten, bis der Täter erneut zuschlägt? Im Prinzip ja, aber hoffentlich nicht mit einem Tötungsdelikt. Der Mann könnte im Zusammenhang mit einer weiteren Straftat erfasst werden. Sollte er dabei eine Speichelprobe abgeben müssen, wäre er überführt.

Was macht die Ermittlungen im Isarmord so kompliziert? Es gibt offenbar keine Beziehung zwischen Opfer und Täter so wie bei einer Vielzahl anderer Mordfälle. Daher können wir auch nur schwer vom Motiv aus ansetzen. Der Täter hat möglicherweise nicht einmal einen Bezug zum Tatort oder ins nähere Umfeld oder sogar München insgesamt. Auch das ist ungewöhnlich.

Für Familie und Freunde des Opfers muss das eine Enttäuschung sein. Wie gehen die damit um? Wir haben noch immer Kontakt zur Familie. Anfangs hatten einige Verwandte das Gefühl, in der Tatnacht sei nicht genug unternommen worden, um den Täter zu fassen. Doch wir hatten nur eine vage Personenbeschreibung. Wir haben das der Familie erklärt, und ich denke, sie versteht das. Wir können nicht einfach die Innenstadt abriegeln und jeden Mann festnehmen.

Es gab einen Brief vom Bürgermeister der Heimatgemeinde von Domenico L.: Er sah mangelnden Ermittlungseinsatz. Das war, kurz nachdem die Soko „Cornelius“ zurückgefahren worden war. In Italien hat man das als Einstellung der Ermittlungen aufgefasst. Doch das stimmt nicht. Es sind weiter acht Kollegen aus dem Kernteam der Soko an dem Fall dran, die auch in der Spurenabarbeitung von allen Münchner Kriminaldienststellen unterstützt werden.

Glauben Sie, dass der Täter je gefasst wird? Ich glaube und hoffe es. Wir hatten schon Fälle, die wurden erst nach vielen Jahren geklärt. Manchmal kommt uns Kommissar Zufall zur Hilfe. Oder wie jüngst im Fall Karaffa, als ein Zeuge die Tote im Wald fand und damit den wichtigsten Beweis lieferte, dass die Frau tatsächlich tot ist.

 

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