Interview zu "Ein Mordsteam" Omar Sy, der Star aus "Ziemlich beste Freunde": "Im Swingerclub geniere ich mich"

Omar Sy aus „Ziemlich beste Freunde” über seinen neuen Film, Klischees, Hollywood

 

Er verbreitet gute Laune, ist charmant, lässig und bescheiden und seit „Ziemlich beste Freunde” Frankreichs Superstar. Omar Sy, aufgewachsen in der Pariser Banlieue, Mutter aus Mauretanien, Vater aus dem Senegal, hat trotz Erfolg die Bodenhaftung nicht verloren. Als Vorstadtpolizist mit großer Klappe sorgt er in „Ein Mordsteam” für Action und Gefühl.


AZ: Monsieur Sy, Sie spielen einen Cop, der auf der anderen Seite der Pariser Ringautobahn ermittelt. Ist die eine Art Grenze?


OMAR SY: Paris ist nah und doch sehr weit, wie ein anderes Land, eine andere Welt. Die Ringautobahn grenzt ab und grenzt aus. Die Menschen beäugen sich gegenseitig skeptisch, kennen nur Klischees, empfinden Angst vor dem Unbekannten. Wenn man sich trifft und aufeinander einlässt, kann man ein „MordsTeam” sein.

Was war das größte Klischee im Film?


Laurent Lafitte als Kollege wirkt in Anzug und Krawatte wie ein Klemmi, im Swingerclub ist er aber total cool, während ich bei den Nackten gehemmt bin und mich geniere. Das Gegenteil hätte man wahrscheinlich erwartet.

Ist diese Freundschaft zwischen Männern aus verschiedenen Gesellschaftsschichten überhaupt realistisch?

Das ist kein Traum, sondern eine Option. Wir dürfen nicht resigniert aufgeben, sondern müssen nur den Weg gehen wollen. Im Moment herrschen noch viele Vorurteile, aber mir ist der Sprung gelungen. Das ist zwar noch keine Normalität, sollte aber auch für andere möglich sein.

Was hat Sie stark gemacht?

Die alltäglichen Hindernisse, die Türen, die sich vor mir verschlossen haben, das hat meinen Kampfgeist motiviert, mir Kraft und Mut gegeben. Bei diesen manchmal abschätzenden Blicken habe ich mir gesagt, eines Tages werdet ihr mich akzeptieren. Um nicht verletzt zu werden, muss man Distanz aufbauen. Hass oder Rachegelüste sind jedoch keine Lösung, die kosten nur Energie und Zeit. Meine Waffe ist der Humor, das Lachen. Ich gucke nach vorne und schaue nicht zurück.

Beim „César”, dem französischen Oscar, für Ihre Rolle in „Ziemlich beste Freunde”, hieß es ständig, „der erste Schwarze, der diesen Preis bekommt”. Nervt Sie das?

Ich mache mir da keinen Kopf, bin stolz auf die Auszeichnung. Allerdings finde ich diese Wiederholung rätselhaft. Hat man irgendwann mal erwähnt, dies ist der erste Schnurrbartträger, der den „César” erhält?

Manche sehen Sie als Sprecher für die Armen aus der Vorstadt.

Ich hasse Schubladendenken und Erwartungshaltungen, lasse mir nicht vorschreiben, was ich zu tun habe. Wenn ich mal helfen kann, ist es gut, ich sage aber auch mal nein. Ich bin weder Fürsprecher noch Stellvertreter noch Hoffnungsträger, sondern ganz einfach ein Schwarzer aus der Vorstadt, der gerne Komödien macht. Und schon mal gar nicht Superman!

Sie leben in Los Angeles. Ihre Landsleute befürchten, Sie würden Ihre Seele an Hollywood verkaufen.

Großer Quatsch. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Mit meiner Familie habe ich mir in Kalifornien eine Auszeit genommen, fast wie Urlaub. Das lange Vorausplanen liegt mir nicht, ich will in Frankreich und USA Kino machen. Dass ich im nächstem „X-Men” mitspiele, ist kein Beweis für nationale Untreue.

Kino: CinemaxX, Gloria, Mathäser (auch OmU)
R: David Charhon (Fr, 96 Min.)

 

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