Interview: Schavan kann nicht Ministerin bleiben Nida-Rümelin: "Das ist keine Lappalie!"

Der Münchner Philosophie-Professor und Ex-Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin. Foto: dpa

AZ: Herr Professor Nida-Rümelin, kann Annette Schavan Ministerin bleiben?

JULIAN NIDA-RÜMELIN: Nach dem Urteil ihrer Fakultät ist sie als Wissenschaftsministerin nicht mehr haltbar. Sie hat in diesem Amt ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Schavans Verteidiger sagen, das Urteil sei politisch motiviert.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die ganze Kommission politisch instrumentalisieren lässt. Es ist höchst irritierend, dass sich Wissenschaftsorganisationen zur Verteidigung von Frau Schavan aufgeschwungen haben.

Ist die Sache nicht verjährt?

Juristisch kann ich das nicht beurteilen, die wissenschaftlichen Regeln sind eindeutig.

Frau Schavan will weiter gegen den Spruch kämpfen. Welches Signal sendet ihr Widerstand in die Gesellschaft aus?

Denken Sie zurück an die Guttenberg-Affäre. Da haben die Verteidiger gesagt: Alles nicht so schlimm! Die Kanzlerin meinte, sie habe ja keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt. Da gab es einen wütenden Aufschrei in der akademischen Szene. Da wurde das wissenschaftliche Ethos beschädigt. Das ist keine Lappalie! Ihr Widerstand wirft uns auf den Stand von damals zurück.

Ist Schavans Fall mit dem von Guttenberg vergleichbar?


Sie hat offenbar wissentlich und vielfältig getäuscht - wenn auch nicht in dem Umfang wie Guttenberg. Guttenberg kann wegen des Widerstands der Studierenden nicht mehr an US Universitäten auftreten. Eine Wissenschaftsministerin, die nicht mehr an Universitäten auftreten kann - das ist völlig undenkbar.

 

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