Interview nach CSU-Debakel Peter Gauweiler: "Ich hab's wenigstens versucht"

Für die Verluste der Europawahl machen sie in der CSU den Chef verantwortlich, aber auch Peter Gauweiler. Die AZ sprach mit Horst Seehofers angezähltem Stellvertreter.

 

MÜNCHEN Nach der CSU-Pleite wird vor allem der Spagat der Partei zu Europa verantwortlich gemacht. Keiner präsentierte die Anti-EU-Stimmung mehr als Partei-Vize Peter Gauweiler.

AZ: Herr Gauweiler, können Sie noch ruhig schlafen?

GAUWEILER: Warum sollte ich nicht? Ich hab’ die letzten beiden Nächte gut geschlafen. Ist auch das jetzt verboten?

Haben Sie kein schlechtes Gewissen?

Wieso?

In der CSU gibt man doch Ihnen als Euroskeptiker die Mitschuld am Wahldesaster.

Wenn die Kritik an der EU Ursache für das schlechte Ergebnis sein sollte, bin ich am meisten „schuld“.

Ich bin schuld, das klingt nach dem Satz, den Politiker in letzter Zeit überstrapazieren: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ Und das war’s dann auch?

Quatsch, die Kritik an der EU war doch völlig berechtigt. Das weiß doch jeder. Und lassen Sie doch die Kirche im Dorf: Das Ergebnis der CSU ist bescheiden, aber doch besser als das Ergebnis von allen anderen. Das sagt doch schon einiges.

War’s ein Fehler, sich als Euroskeptiker zum CSU-Vize befördern zu lassen?

Warum?

Weil Sie jetzt neben Seehofer der Mitschuldige an dem Desaster sind.

Da kann man nichts machen. Der Kurs des „Ja, aber“ und für ein besseres Europa – also gegen den Brüsseler Status quo – ist richtig. Gerade für die CSU. Unser Europaplan – unter anderem mit der Halbierung der Kommission, den Austrittsmöglichkeiten aus dem Euro für überschuldete Staaten, ein „So nicht“ zum Handelsabkommen mit den USA – ist unabdingbar.

Haben es dann die Wähler bloß nicht kapiert?

Der überwiegende Teil der Bevölkerung hat sich der Europawahl verweigert. Das waren mit Sicherheit keine EU-Enthusiasten. Und manche Wähler werden sich gesagt haben: Bei allen großen Erfolgen, die ihr in den letzten Monaten hattet, sollen eure Bäume auch nicht in den Himmel wachsen.

Aha, die wollten Seehofer also einen Dämpfer verpassen?

Nein. Da schließe ich mich mit ein.

Und was ist die Konsequenz?

Sich nicht verrückt machen lassen. Die erste Frage ist doch: Ist die Kritik an der EU richtig? Und dann: Haben wir diese Kritik glaubwürdig vermittelt? Die einen sagen: Ihr habt das Ja zu wenig betont. Die andern sagen: Das Aber habt ihr nur vor der Wahl betont und macht dann doch immer alles mit. Beide Positionen sind ja nicht nur falsch. Damit müssen wir uns auseinander setzen.

Sie haben es also nicht richtig vermittelt?

Ich möchte nicht wissen, wie das Wahlergebnis in Bayern aussähe, wenn wir in Sachen Kritik an der EU verstummt wären. Mir wurde im Gegenteil bei vielen Veranstaltungen gesagt: Es ist schon in Ordnung, was du tust. Aber stehst du nicht alleine?

Ist das nicht nur eine beschränkte Wahrnehmung? Es kommen doch nur die, die Sie hören wollen.

Nicht nur. Aber richtig ist, dass es sehr viel Zustimmung gab.

Was hätte es gebraucht, um mehr als 40 Prozent für die CSU zu holen?

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es getan. Es gab wirklich große Auftritte mit unserer sehr guten Mannschaft. Probleme mit der Solidarität gab es natürlich auch. Manche Feindseligkeiten haben es mir nicht leichter gemacht.

Also waren die anderen schuld? Am Montag im Parteivorstand haben aber viele an Ihnen Kritik geübt, ohne Ihren Namen zu nennen.

Sie waren doch gar nicht dabei.

Aber ich habe meine vertraulichen Informationen.

Ja, ja, die ganz Mutigen. Man schlägt irgendeinen Sack und meint einen anderen. Mich hat jedenfalls keiner zu schlagen versucht.

Wollen Sie sich 2015 überhaupt nochmal für das Amt des Partei-Vize bewerben?

Das ist jetzt kein Thema. Mir ist das Ganze sehr arg. Am Ende will ich sagen können: Ich habe es immerhin versucht.

 

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