Interview mit Mike Rutherford Schönheit zulassen

Bandgründer Mike Rutherford (Mitte) ist mit den Mechanics unterwegs und hat dazu Andrew Roachford (li.) und Tim Howar gewonnen. Foto: Paddy Ball /ho

Mike & the Mechanics waren ein Gegenprojekt zu Genesis. Die Band brach nach dem Tod von Paul Young auseinander. Jetzt geht sie zurück zu den Wurzeln – auf „Road”-Tour mit Andrew Roachford

 

Im Jahre 1985 begann Mike Rutherford, Bassist, Gitarrist und Songschreiber von Genesis, musikalisch zweigleisig zu fahren. Er gründete die Band „Mike & The Mechanics”, die mehrere erfolgreiche Alben veröffentlichte. Nach dem Tod des Sängers Paul Young und dem Weggang von Paul Carrack ließ Rutherford sein Projekt länger ruhen. Nun geht er mit neuer Besetzung und dem Album „The Road” auf Tour. Morgen sind sie in München.



AZ: Mr. Rutherford, verstanden Sie Ihre Band Mike & The Mechanics damals als Ausgleich zur mitunter sehr komplizierten Genesis-Musik?

MIKE RUTHERFORD: Ich wurde gefragt, ob ich mir ein anderes Projekt neben meiner Hauptband vorstellen könnte. Ich fand, dass es an der Zeit war, meine Karriere musikalisch etwas breiter anzulegen und nicht immer mit demselben Schlagzeuger zu spielen. Und mir war es wichtig, mit einer anderen Band nicht die gleiche Musik wie mit Genesis zu machen.

Wie sind Sie eigentlich auf den Namen gekommen?

Die Idee dahinter war, dass er ganz und gar nicht dem Image einer Progressive Rock-Band wie Genesis entsprechen sollte. Der Name sollte etwas Bodenständiges vermitteln. Einige dachten allerdings zunächst, wir seien so eine Garagenband.

Auch die neue Ausgabe der Mechanics schmückt sich wieder mit zwei Leadsängern, Andrew Roachford und Tim Howar. Warum?

Ich fand, dass die Mechanics sowohl eine R&B- als auch eine Rockstimme brauchten. Das ist unsere Geheimwaffe. Damals hatten wir schon zwei Leadsänger und als einer der beiden, Paul Young, dann 2000 starb, änderte sich die Chemie in der Band. Dann stieg Paul Carrack aus. Es war irgendwie sinnlos, weiter zu machen. Ein paar Produzentenfreunde schlugen mir vor einiger Zeit vor, ich solle mich doch einfach am ersten Mechanics-Album orientieren, ein paar neue Songs komponieren und dann sehen, wozu das führt.

Ist es nicht schwierig, einen Sänger wie Andrew Roachford, der solo sehr erfolgreich ist, für ein solches Projekt zu gewinnen?

Ich habe ja kein Casting abgehalten. Wir beide trafen uns vor eineinhalb Jahren und gleich am ersten Tag schrieben wir den Song „Try To Save Me”, der auch auf unserem neuen Album landete. Unsere Zusammenarbeit fühlte sich einfach gut an. Aber es stimmt schon: Er war besorgt, dass das Mechanics-Projekt mit seiner eigenen Band kollidieren könnte. Aber er kann ja weiter an seiner Solo-Karriere arbeiten. Ich mag Menschen, die verschiedene Sachen tun.

„The Road”, den Titelsong Ihres Albums, kann man ganz unterschiedlich auffassen: geht es in dem Text um die Geschichte einer Band, einer Partnerschaft, um die Vorzüge des Älterwerdens – Sie sind mittlerweile 60 – oder um das Leben ganz allgemein?

Der Song sollte einfach eine positive, ganz simple, aufmunternde Botschaft verbreiten: das Leben kann so schön sein. Wir sollten uns als Menschen gegenseitig unterstützen.

Wie schwierig ist es, einen Song zu schreiben, der kommerziell funktionieren könnte und gleichzeitig musikalisch einen gewissen Anspruch anmeldet?

Kommerzielle Ansinnen habe und hatte ich nie welche. Man kann Erfolg auch nicht planen. Ich schreibe jeden Song zunächst für mich selbst. Ich mache mir keine Gedanken über die Verkäuflichkeit, nicht einmal darüber, ob die Leute die Musik, die ich schreibe, mögen. Mich muss sie inspirieren und begeistern.

Einer der Songs ist einer Neda gewidmet. Ist das die junge Frau, die während der Unruhen im Iran letztes Jahr vor laufender Kamera erschossen wurde?

Ja. Als ich den Video-Clip sah, war das ein fürchterlich trauriger Moment für mich. Da starb jemand quasi in Echtzeit vor meinen Augen. Und ich konnte nichts machen. Was aber gerade etwa in Nordafrika passiert, zeigt, dass unsere Welt in den Zeiten des Internets und der globalen Kommunikation anders funktioniert. Und dass sich mit den Neuen Medien etwas verändern wird und nichts mehr verheimlichen lässt.

Ssirus W. Pakzad
Mike & The Mechanics:

Donnerstag, 20 Uhr, Tonhalle, Grafinger Straße 6
, Karten zu 54 Euro an der Abendkasse

 

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