Interview mit Maria Riesch "Modepuppe? Fremdgesteuert? Alles Unsinn!"

Edel-Fan Maria Höfl-Riesch twitterte live das 1:0 durch Bastian Schweinsteiger aus der Allianz Arena: @Maria: "Toooooor @FCBayern #wiesn #unschlagbar #fcbvfl Foto: dapd

Hier erklärt die Olympiasiegerin, warum sie mit 27 eine Biografie geschrieben hat, wie sie sich gegen die Missgunst wehrt und warum sie schon ans Aufhören dachte

 

AZ: Maria Höfl-Riesch, Sie haben gerade Ihre Biografie veröffentlicht, Sie sind Deutschlands erfolgreichste Skirennfahrerin. Und schreiben, dass Sie vergangene Saison tatsächlich an ein Karriereende dachten.

MARIA HÖFL-RIESCH: Das war schon in meinem Kopf. Nach der Saison war ich ein bisschen fertig, mir hat's gereicht. Irgendwie war total die Luft raus. Ich konnte die Spannung nicht mehr halten, das Finale in Schladming war ein ziemliches Desaster. Aber das war mir dann auch schon egal. Eben auch aufgrund gewisser anderer Dinge. Dann habe ich mir gedacht: Die Zeit nach der Karriere ist lang und ich werde das Ganze, wenn ich irgendwann aufhöre, wahnsinnig vermissen. Deswegen werde ich mich jetzt von den Unstimmigkeiten, die es gibt, nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich werde kämpfen.

Ist das mit dem Buch jetzt alles verarbeitet, vorbei und vergessen?

Das wirkt schon nach, wir stehen jetzt vor einer neuen Saison, man weiß nicht, was wieder alles passiert. Es waren drei große Punkte, die immer wieder aufgetaucht sind und mir zum Vorwurf gemacht wurden. Die mich geärgert und genervt haben, weil sie einfach nicht gestimmt haben: Einmal hieß es, ich konzentriere mich nicht mehr aufs Skifahren, mache einen auf Modepuppe - und Foto-shootings seien mir wichtiger als Skifahren. Das stimmt nicht. Ich habe hart trainiert wie nie zuvor. Der zweite Vorwurf: die angebliche Abspaltung vom Verband und der, dass ich ein eigenes Team gründen wolle. Das war nie ein Thema, das ist einfach geschrieben und rumerzählt worden, frei erfunden. Und das Dritte: Ich sei fremdbestimmt und dürfe nicht mehr selber entscheiden, wem ich Interviews gebe. Das ist doch alles totaler Unsinn.

Sie haben sich dazu entschieden, das offensiv aufzuarbeiten. Auch in Bezug auf Ihren Ehemann Marcus Höfl verraten Sie private Dinge. Wie Ihren ersten Kuss in der Münchner Disco „Paradiso”.

Sonst braucht man doch so ein Buch gar nicht schreiben. Ich habe mir schon genau überlegt, welche Sachen ich schreiben und preisgebe, weil man sich damit auch wohlfühlen muss. Allerdings muss man sich immer bewusst sein, dass man es nie jedem recht machen kann und dass sich irgendwer immer über irgendetwas aufregen wird. Aber deswegen heißt das Buch ja auch „Geradeaus". Weil ich so bin, weil ich sage, was ich denke. Und zu dem, was ich sage und tue, auch stehe.

Hatten Sie auch das Gefühl, dass Sie und Marcus im Verband und dem Umfeld vielleicht anders wahrgenommen werden, als Sie das selber sehen?

Es war sicher ein Thema, dass es mit Marcus eine Veränderung gab. Es war für den Verband schon eine Umstellung, dass Marcus nun immer dabei ist und frischen Wind reingebracht hat. Im Skizirkus ist das Meiste doch seit 25 Jahren gleich und jeder, der von außen dazukommt und für eine Veränderung sorgt, wird dann schnell mal mit negativen Adleraugen begutachtet.

Gab es denn auch Missgunst von Seiten der Kolleginnen im Team?

Es wird sicher auch mal der ein oder andere blöde Spruch gefallen sein. Aber direkt zu mir hat niemand etwas gesagt. Zumal das vergangene Saison auch gar kein Problem war. Sondern nur ganz am Anfang, als der Marcus neu dazukam. Viele hatten vielleicht Bedenken, dass er mich zu sehr ablenken und alles andere wichtiger sein könnte. Das, was mir auch später vorgeworfen wurde, aber gar nicht stimmt. Alle meine Trainer können bestätigen, dass ich weniger Termine neben dem Sport als früher gemacht und hart trainiert habe. Das ist aber trotzdem keine Garantie, dass es beim Skifahren noch besser läuft. Es muss alles zusammenpassen.

 

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