Interview mit Lothar Leder "Triathlon ist nicht extrem"

Lothar Leder ist einer der profiliertesten Athleten Deutschlands. Hier erklärt er die Faszination des Sports – und gibt Tipps

 

MÜNCHEN AZ: Herr Leder, warum tun Sie sich das immer wieder an?

LOTHAR LEDER: Was?

3,86 Kilometer Schwimmen, danach 180,2 Kilometer Radfahren und schließlich 42,195 Kilometer Laufen. Ist das nicht mörderisch?

Viele Leute fürchten sich vor der Ironman-Distanz beim Triathlon. Da kriegen sie allein schon von der Vorstellung Angst, diese drei Disziplinen bewältigen zu müssen. Aber die Langdistanz ist gar nicht so extrem. Entscheidend ist, dass man einen guten Einstieg in den Triathlon-Sport findet, nichts übertreibt und einfach Spaß hat.

Wie sieht ein guter Einstieg aus?

Triathlon ist kein Extremsport mehr, bei dem nur Freaks starten. Das war früher so. Heute steht eine breite Masse hinter dem Sport – mit Vereinen, Verbänden und zahlreichen Veranstaltungen. Da hat sich in den vergangenen zehn Jahren viel getan und bewegt. Und so ist der Einstieg mittlerweile sehr leicht. Ich kam vom Schwimmen und war 16 Jahre alt, als ich mit Triathlon angefangen habe. Doch 1987 gab es keine Trainer, keine Strukturen. Da musste ich mir viel selbst beibringen und herumexperimentieren.

Mit 23 Jahren sind Sie erstmals als Profi gestartet.

Stimmt. Im Fußball oder Tennis wäre das undenkbar, da werden ja schon die kleinen Kinder zu Profis getrimmt. Das läuft im Triathlon anders. Da sollte man nicht, bevor man 15 oder 16 Jahre alt ist, an Wettkämpfen teilnehmen. Wie dem Jedermann-Triathlon – mit 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radeln und fünf Kilometer Laufen - ein super Einstieg. Aber auch dort ist nur ein langsames Herantasten gesund.

Und halten sich die Leute daran?

Viele nicht. Die Leute machen Fehler, denken, dass es beim Triathlon um höher, schneller und weiter geht. Aber genau das sollte einen nicht motivieren und antreiben, das macht den Körper schnell kaputt. Kinder und Jugendliche müssen, bevor sie mit Triathlon beginnen, erst einmal ihren Körper kennenlernen, ihn richtig fühlen und spüren. Ballsportarten wie Fußball, Handball oder Tennis sind da gut. Dazu natürlich Schwimmen.

Sie reden gar nicht vom Laufen, Ihrer Paradedisziplin?

Kinder laufen den ganzen Tag, toben und springen herum, die brauchen kein spezielles Lauftraining. Das kommt dann schon mit der Zeit. Und Kinder brauchen auch keine High-Tech-Ausrüstung beim Triathlon. Das gilt insbesondere für die Erwachsenen, die sich gerne das neueste, tollste und teuerste Zeug kaufen - wie Pulsmesser, GPS-Triathlon-Uhren, extra leichte Laufschuhe oder Räder für über 8000 Euro. Das ist alles ein Schmarrn.

Was braucht man dann?

Ein gutes Körpergefühl, eine gute Fitness und eben Spaß. Und die Ausrüstung muss nicht super innovativ sein, sondern qualitativ hochwertig, gut und funktional. Gerade bei den Laufschuhen lassen sich Freizeitsportler gerne blenden und geben viel zu viel Geld aus. Ein stabiler, handfester Schuh für 100 Euro reicht völlig aus.

Sie haben den Ironman in Roth fünf Mal gewonnen, landeten auf Hawaii zwei Mal auf Platz drei und durchbrachen 1996 als erster Triathlet die Acht-Stunden-Marke über die Langdistanz. Was steht als nächstes auf Ihrer Erfolgsliste?

Um große Titel geht es mir nicht mehr so. Ich möchte vor allem meine Erfahrungen weitergeben. Niemand wird als Ironman geboren – und so arbeite ich sehr gerne als Coach.

Zusammen mit Nicole Leder, Ihrer Frau.

Ja. Meine Nicole ist eine echte Eisenlady, aber nur sportlich. Wir geben Coaching-Seminare und bieten individuelles Training an. Ab und zu finden Kurse statt, bei denen wir innerhalb eines Tages die Faszination des Triathlons live und direkt vermitteln. Ein Schnupperkurs, über zehn Stunden– ein kleiner Ironman.

 

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