Interview mit Jens Härtel vom Berliner AK "Mit 1860 habe ich noch eine Rechnung offen"

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Hier erklärt der Trainer des Berliner AK, wie seine Amateure nach Hoffenheim nun die Löwen aus dem Pokal werfen wollen – gerade weil’s bei 1860 kriselt.

 

AZ: Hallo Herr Härtel, Sie haben die Löwen zweimal beobachtet, beim 0:3 bei Hertha und dem 0:1 in Cottbus. Sagen wir's mal so: Angst hat Ihr Berliner AK, Sensationssieger in der ersten Pokalrunde gegen die TSG Hoffenheim, nach diesen Spielen keine vor 1860, oder?

JENS HÄRTEL (Trainer Berliner AK): Nein, ganz bestimmt nicht. Aber das hätten wir auch sonst nicht. Ich habe auch das 1:1 von 1860 gegen Aue im Fernsehen gesehen, das war auch nicht so, wie sich die Löwen das vorgestellt haben. Trotzdem müssen wir die Sache realistisch sehen, ein guter Zweitligist spielt bei einem mittelmäßigen Regionalligisten. Wenn es nicht außergewöhnlich läuft, haben wir gegen 1860 keine Chance.

Moment mal, Ihr Manager Erdogan Dogan tönte doch mit Blick auf das Spiel am Dienstag schon, die Chancen stünden 51 zu 49 für den BAK.

Und damit hat er mir keinen Gefallen getan. Da sind die Gäule mit ihm durchgegangen. Seine Aussage entspricht nicht den Tatsachen und sie baut auf einmal für uns einen Druck auf, der nicht natürlich ist.

Dennoch, 1860 kommt angeschlagen nach Berlin. Wie lautet Ihr Plan gegen die Löwen?

Dass sie angeschlagen sind, gefällt mir nicht. So werden sie uns ganz bestimmt nicht unterschätzen. Wären sie super drauf, könnten gegen einen Viertligisten vielleicht ein paar Prozent fehlen. Trotzdem müssen wir ihnen wehtun. Wir dürfen sie nicht spielen lassen, müssen ihr Kurzpassspiel verhindern. Die Bälle müssen fliegen, dann haben wir eine Chance. Sonst nicht.

Bei den Löwen wird im Umfeld meist hektisch reagiert, wenn's mal nicht so läuft. Sie könnten den Zustand verschärfen.

Ich weiß ja. Unser Ziel ist es, dass wir richtig Alarm bei den Löwen auslösen. Wenn wir im Berlin-Pokal gegen einen Sechstligisten verlieren, wäre das auch eine Schmach. Und wenn 1860 gegen uns verliert, ist bei denen der Teufel los. Fest steht: Die müssen hier richtig was bieten, sonst sind wir da. Es soll eisig werden, Regen, Schnee, Minusgrade, gemütlich wird es bestimmt nicht für die Löwen in Berlin.

Zumal Ihre Mannschaft ja nach dem wahnsinnigen 4:0 gegen Hoffenheim schon als Pokal-Schreck gilt.

Das mag sein, an dem Tag hat halt alles für uns gepasst. Wir diskutieren das Spiel ja auch nicht weg, und ja, wir genießen jetzt das Interesse an uns. Normalerweise berichtet nur die Berliner „Fußballwoche“ und ab und an der „Kicker“ über uns. Jetzt gibt es zig Anfragen. Unsere Spieler dürfen wieder ein paar Tage den großen Fußball schmecken – das ist wieder ein Highlight, aber das ist nicht Alltag.

Als damals die Auslosung erfolgte, war eine der ersten Reaktionen des BAK: „Mist, falsches München...".

Klar haben hier einige von den Bayern geträumt. Auch ein Berliner Derby wäre ein Traum gewesen. Dann wäre die Bude voll gewesen. So kommen vielleicht nur 2500 Zuschauer, was trotzdem eine super Zahl für uns ist. Aber 1860 dürfte das ja gewohnt sein, bei denen sind in der Allianz Arena ja auch immer ziemlich viele Plätze leer.

Sie waren selbst mal Profi. Welche Erfahrungen haben Sie mit Sechzig gemacht?

Als Profi gar keine. Aber später, als ich meine Karriere bei Germania Schöneiche ausklingen ließ, da gab es schon mal ein Pokalduell. Das war vor acht Jahren. Seitdem habe ich noch eine Rechnung mit 1860 offen, denn wir standen als Verbandsligist kurz vor der Verlängerung, dann hat sie ein Australier gerettet.

Sie meinen Paul Agostino.

Stimmt, der war's. Kioyo hatte das 1:1 gemacht, am Ende hat 1860 knapp 2:1 gewonnen. Die waren erleichtert, dass sie sich nicht blamiert haben. Damals war mir klar, die sind nicht unschlagbar. Das wollen wir jetzt beweisen.

 

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