Interview mit dem Skischu-Papst Skischuhe kaufen - aber richtig!

Felix Neureuther (r.) zu seiner Zeit als Skirennläufer Foto: sampics, Rauchensteiner/beide Augenklick; Montage: Norbert Koza

Skischuhe sind unbequem? Von wegen! Hier erklärt der Experte, was beim Kauf eines neuen Modells zu beachten ist – und warum es Unsinn ist, eine viel zu kleine Größe am Fuß zu tragen.

 

AZ: Slalom-Ass Felix Neureuther hat Normalschuhgröße 44, jedoch Skistiefel in Größe 41,5. Zwei Nummern kleiner. Ist das auch für Normalskifahrer zu empfehlen?

JÖRG SPIELMANN: Nein! Die Stars nehmen die Skischuhe deshalb zu kurz, weil sie glauben, dass sie dadurch mehr Druck auf den Ski bringen – der biegt sich dadurch besser durch. Aber es ist orthopädisch nicht vertretbar.

Warum nicht?

Weil es 28 verschiedene Knochen im Fuß gibt. Und wenn die Gelenke zusammengepresst werden, verliere ich das Gefühl. Es setzen die Tastsinne aus, da kommt nichts zurück. Das Sprunggelenk ist außer Funktion. Somit ist das Nonsens, was die machen!

Betrifft das auch Kinder?

Natürlich. Auch die meisten Skistiefel im Kinder-Rennsport sind zu klein und zu hart – haarsträubend! Wir sehen solche Fälle fast täglich, wo Aussagen und Empfehlungen für die Kinder in Richtung Körperverletzung gehen. Klar – Kraftübertragung ist wichtig. Aber bitte ohne den Körper des Kindes zu schädigen.

Sie gehörten auch zu jenen, welche die ersten Carver-Ski mitentwickelten. Letztere bedeuteten eine Revolution. Gab es die bei Stiefeln auch?

Nein. Der heutige Weltcup-Rennschuh ist vom Prinzip her 30 Jahre alt. Auch für den Normalskifahrer gab es keine Revolution im Skischuhbau – aber immerhin ausgezeichnete Evolutionen: Die Materialien der Schalen sind besser geworden. Die Leistenform und die Vorfußweite sowie die Risthöhe sind korrigiert worden.

Trotzdem besitzen die Menschen eine Scheu, neue Skischuhe zu kaufen. Warum?

Wegen der Erinnerung an die alten Zeiten, als sie Schmerzen im Skischuh hatten. Dabei ist es – seit zehn Jahren etwa – dank der Anpassungsmöglichkeiten keine Gefahr mehr, sich ein neues Modell zuzulegen.

Gilt immer noch: Die Schuhe abends einkaufen, weil da die Füße gut geweitet sind?

Alles verkehrt! Weil man heute eine Fußanalyse machen kann. Da ist es egal, ob man um 3 Uhr nachts oder 18 Uhr abends den Schuh kauft. Diese Analyse ist wichtig. Denn der Fuß besteht ja immer, der ist eine feste Größe. Nach der Fußanalyse wird ein Schuh in seiner Breite, Form, Schalenform, Fahrkönnen etc. ausgesucht, der dazu passt.

Was ist mit dem Innenschuh?

Der muss thermoverformbar sein. Denn mit Wärme, damit kann man super anpassen. Das Grundelement der Anpassung ist die Einlege-Sohle. Jeder Skischuh braucht ein gutes Fundament.

Und was ist mit dem berühmten Schaum?

Wird in ganz extremen orthopädischen Fällen noch verwendet. Aber auch da hat sich viel getan: Der Schaum ist nicht mehr so hart wie früher.

Wie lange dauert das?

Zwei Stunden. Wenn man fräsen muss, dann ist der Schuh am nächsten Tag fertig.

Was kostet das?

Die Einlegesohle etwa 100 bis 130 Euro, das Schalen-Fitting mit Innenschuh 60 bis 90 Euro. Und dazu natürlich noch der normale Preis des ausgewählten Skischuh-Modells.

Was ist der größte Fehler beim Skischuhkauf?

Man tendiert aus Bequemlichkeit dazu – aber ein zu großer Schuh ist ein Fehlkauf. Denn dann überzieht man die Schnalle, um Halt zu bekommen. Und dadurch beginnen die Verkrampfungen am Fuß.


Weitere Informationen:

www.boot-performance.de

 

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