Interview mit Datenschutz-Expertin „Alles, was kostenlos ist, bezahlen wir mit Daten“

Die 48-jährige Juristin Barbara Schmitz arbeitet in der Datenschutzabteilung eines Telekommunikationsunternehmens und ist u. a. Beiratsmitglied der Stiftung Datenschutz. Foto: Lisa Marie Albrecht

Jeden zweiten Mittwoch im Monat erklärt Barbara Schmitz Eltern und Jugendlichen, wie sie ihre Internet- und Handy-Daten schützen können. Im Interview erzählt sie, was jeder einzelne tun kann, um möglichst wenig preiszugeben.

 

AZ: Frau Schmitz, Sie haben selbst drei Kinder. Wie sicher sind die im Internet unterwegs?

BARBARA SCHMITZ: Ich nerve sie natürlich schon immer sehr mit Datenschutzthemen und habe mit allen dreien einen sogenannten Mediennutzungsvertrag geschlossen. Den gibt es auf der Website „Internet ABC“ und er wurde gemeinsam mit der Stiftung Datenschutz entwickelt. Meine Kinder fragen mich auch, bevor sie irgendwo ihre Daten angeben und wissen, wie man Selbstdatenschutz betreibt.

Wie gut schützen wir unsere Daten denn selbst?

Große Datenfallen sind Internet-Gewinnspiele, bei denen dann kleinst auf klein geschrieben steht, dass man sich damit einverstanden erklärt, dass die Daten weiterverwendet werden. Die größten Fehler liegen aber nach wie vor im Bereich Social Media, dass man einfach öffentlich etwas auf Facebook postet, oder irgendwelche Fotos reingestellt werden, obwohl man das nicht will.

Datenschleuder Facebook?

Das sagen viele. Ich stimme nicht in dieses Gejammer ein. Facebook hat ein sehr gutes Selbstdatenschutzsystem, in den Privatsphäreeinstellungen kann man für jeden Post genau bestimmen, ob er öffentlich oder nur für meine Freunde erscheinen soll, und sogar sagen, von wem und ob man überhaupt Werbung erhalten will. Jeder kann auch verbieten, dass er auf Fotos markiert wird.

Wie sollte das Profil denn datensicher aussehen?

Wenn man unbedingt ein Bild einstellen will, sollte es eins sein, mit dem man sich am nächsten Tag noch im Spiegel anschauen kann. Außerdem sollte man versuchen, seinen Namen zu verfälschen und niemals Angaben zum Geburtsdatum, Standort, Wohnsitz oder dem genauen Aufenthaltsort machen. Zumindest nicht, wenn es öffentlich sichtbar ist.

Wie sieht es mit Smartphone-Apps aus?

Grundsätzlich sollte man sich bewusst sein, dass man alle Apps, die kostenlos sind, mit seinen Daten bezahlt. Besonders Angry Birds greift auf Kontakte etc. stark zu. Auch WhatsApp schickt alle Daten in die USA, deshalb sollte man einstellen, dass keiner sehen kann, wann man zuletzt online war. Wichtige Daten sollte man lieber per SMS verschicken oder anrufen.

Sind E-Mails eine Alternative?

E-Mails sind im Grunde wie eine Postkarte. Unternehmen sind etwa verpflichtet, Vetragsanhänge zu verschlüsseln, als Privatmann macht man das in der Regel nicht – und die Informationen können möglicherweise gehackt werden. Für Internetseiten gibt es ein gutes Erkennungszeichen, ob die Übertragung verschlüsselt ist: statt „http“ steht dann „https“ am Anfang der Internetadresse.

Auch Google nutzt Suchdaten. Gibt es eine Suchmaschine, die vergleichbar ist und ohne Datenauswertung funktioniert?

Nein. Es gibt zwar Alternativen, aber die sind nicht gut. Die , mit denen man wirklich was anfangen kann, sitzen alle in den USA.bieten, dass er auf Fotos markiert wird. Man muss sich nur die Zeit nehmen, das alles einmal durchzugehen und einzustellen.

Sprechstunde Datenschutz mit Barbara Schmitz, jeden 2. Mittwoch im Monat, 16 – 18 Uhr, Jugendinformationszentrum München (JIZ), Sendlinger Str. 7, kostenlos und ohne Anmeldung.

 

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