Interview mit Dan Rothman London Grammar: Es begann auf Facebook

London Grammar sind Dot Major, Hannah Reid und Dan Rothman (v.l.) Foto: Universal Music

Erst vergangenen Dezember veröffentlichten sie ihren Debütsong auf Soundcloud - jetzt, elf Monate später, sind London Grammer die Band der Stunde. Was das Internet mit ihrem Erfolg zu tun hat, wie die Arctic Monkeys ihnen im Weg standen und was der Bandname bedeutet, verrät London Grammer-Gitarrist Dan Rothman spot on news.

 

Ungefähr zwei bis drei Mal pro Jahr schreckt die Musikindustrie auf, die Presse überschlägt sich, Kritiker sind voll des Lobes: Alle paar Monate tauchen Newcomerbands aus dem Nichts auf, beherrschen kurzzeitig das Terrain von Bloggern und Experten und werden dann entweder nach einem kurzen, aber strahlenden Intermezzo unter dem Stichwort "Hype" abgelegt - oder schaffen es tatsächlich, sich dauerhaft im Business zu etablieren. Zu diesen vielbeachteten Erscheinungen unter den Newcomerbands gehören im Jahr 2013 auch London Grammar. Und das Trio schickt sich an, länger am Musikfirmament zu verweilen.

In Großbritannien erschien das erste Album von Sängerin Hannah Reid, Schlagzeug- und Keyboardspieler Dot Major und Gitarrist Dan Rothman namens "If You Wait" am 9. September und schoss dort auf Platz zwei der Charts. Dabei wäre auch mehr drin gewesen. "Wir hätten es wahrscheinlich auch auf Platz eins geschafft - wenn wir nicht zusammen mit den Arctic Monkeys veröffentlicht hätten", sagt Rothman im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Entdeckt wurde die Band jedoch nicht in Radio oder TV, sondern - dem Zeitgeist entsprechend - im Internet, genauer gesagt bei Soundcloud. Dort stellten sie im Dezember 2012 ihren ersten Song ein. "Das Internet ist unglaublich wichtig für uns, denn es hat eine riesige Kraft und legte den Grundstein für unseren Erfolg", erklärt Dan und stellt sachlich fest: "So funktionieren die Dinge für eine Band im Jahr 2013."

Drei Jahre zuvor hatten sich Hannah Reid und Dan Rothman an der Uni von Nottingham kennengelernt. Dann sah Dan irgendwann auf Facebook ein Foto von Hannah mit einer Gitarre. "So habe ich realisiert, dass Hannah Musik mag." Kurz darauf stieß Dot zum Duo dazu und London Grammar waren geboren.

Als sie knapp drei Jahre später den Song "Hey Now" veröffentlichten, wurde dieser zunächst zum Geheimtipp, dann zum Hit - kein Wunder, dass dieser Dan aktuell am meisten bedeutet: "Das ist einer dieser Songs, den ich immer wieder hören und genießen kann, und auf den ich noch immer sehr stolz bin." Auf Youtube hat "Hey Now" mittlerweile über zwei Millionen Klicks erhalten.

18 Monate arbeitete das Trio insgesamt an den Songs für das Album - stets alle drei gemeinsam. Ein spezielles Rezept für ihre kontrastreichen und teils zurückhaltenden und doch starken Songs, die vor allem an die britischen Kollegen von The xx erinnern, haben sie nicht. "Wir versuchen natürlich, Songs zu schreiben, die sich gut anhören. Aber das passiert auf die unterschiedlichsten Arten und lässt sich nicht planen", erklärt Rothman - mehr oder weniger -, wie die Perlen von London Grammar das Licht der Welt erblicken.

Natürlich weiß auch Rothman, dass die außergewöhnliche Stimme seiner Frontfrau das Markanteste ist, was die Briten zu bieten haben. Vergleiche mit Künstlern wie Florence Welch von Florence and the Machine werden herangezogen. Dabei liegen Hannahs Einflüsse ganz woanders. "Sänger und Sängerinnen, die Hannah inspirieren, sind viel weniger die Künstler, mit denen sie verglichen wird. Bessere Beispiele sind Michael Jackson oder Tina Turner, die eher aus dem Soul kommen", sagt Rothman.

Die hübsche Blondine rückt natürlich nicht nur durch ihre Stimme, sondern auch durch ihr Aussehen ins Rampenlicht - keine einfache Situation: "Auf ihr liegt mehr Aufmerksamkeit. Man achtet mehr darauf, wie sie aussieht, ob sie immer freundlich ist. Das empfindet sie manchmal als Druck."

Von Druck ist allerdings nichts zu spüren, wenn London Grammar die Bühne betreten - dann scheint sämtliche Schwere von den Dreien abzufallen. Auch das deutsche Publikum hatte bereits mehrfach die Chance, die Band live zu erleben. Zuletzt Anfang November im Atomic Café in München und im Grünen Salon der Volksbühne in Berlin. "Für uns war es großartig in Deutschland zu spielen. Gerade in Berlin spielten wir in einer sehr coolen Location. Berlin ist sowieso eine beeindruckende und einmalige Stadt, ich liebe es, da zu sein. Und ich glaube, dem Publikum hat es auch gefallen", sagt Rothman.

Bühnenerprobt sind London Grammar ohnehin längst, sie spielten während des langen Toursommers nicht nur auf dem deutschen Melt!-, sondern auch beim britischen Glastonbury-Festival. "Das war unser verrücktester Gig, einfach ein abgefahrener und unwirklicher Moment. Etwas passierte da und änderte daraufhin alles." In der Heimat ist es eben am schönsten.

Was natürlich noch einmal die Frage aufwirft, warum sich Reid, Rothman und Major den Namen London Grammar ausgesucht haben - zumal der Ursprung des Trios in Nottingham liegt. Erwartet den Zuhörer eine besondere Lyrik mit britischer Hauptstadtprägung? Weit gefehlt, denn Dan verrät: "Dahinter steht eigentlich keine große Bedeutung. Wir mochten einfach den Namen. Wie er klingt und wie er auf Papier geschrieben aussieht, das hat uns gefallen." Eine schlichte Antwort, die aber passt - sowohl zum Auftreten als auch dem Erfolgsrezept der Band. Die aktuell schließlich sogar mehr als gefällt.

 

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