Interview mit Bryce Taylor "Meine Rolle in Bamberg ist größer als bei Bayern"

Mit seinem neuen Klub Brose Bamberg trifft Bryce Taylor im Spitzenspiel auf den FC Bayern. Foto: imago

BryceTaylor trifft am Sonntag auf seinen Ex: Mit Brose Bamberg tritt er gegen den FC Bayern Basketball an, wo er vier Jahre lang spielte und Kapitän war.

In der AZ spricht der 31-Jährige über seinen Wechsel zum Rivalen, die Emotionen vor seiner ersten Rückkehr und seine Einbürgerung. 

AZ: Herr Taylor, Sie kehren zum ersten Mal mit Ihrem neuen Klub Bamberg zum FC Bayern zurück. Speziell, oder?
BRYCE TAYLOR: Ich muss auf den Basketball fokussiert bleiben und darf meine Emotionen nicht zu sehr zulassen. München war vier Jahre lang mein Zuhause. Das waren sehr wichtige Jahre für mich – als Mensch und als Spieler. Deshalb freue ich mich sehr auf das Spiel. Es ist ein sehr wichtiges für uns, weil wir zu Saisonbeginn ein paar Probleme hatten und uns in der Bundesliga jetzt eigentlich keine Niederlage mehr erlauben dürfen.

Verraten Sie uns ein wenig von den Emotionen, die Sie unterdrücken müssen?
Die sind da. Aber da ist auch der Wettkämpfer in mir, der unbedingt gewinnen möchte. Es ist auch nicht das erste Mal für mich, dass ich als Gast im Audi Dome spiele (u.a. schon mit Berlin; d. Red.). Es wird aber definitiv ein komisches Gefühl, jetzt wieder auf der anderen Bank zu sitzen.

Was für einen Empfang erwarten Sie in München?
Ich habe immer alles für Bayern gegeben, versucht, ein guter Anführer zu sein. Von daher: einen positiven! Aber man weiß nie. Ich bin ja zu dem großen Rivalen gewechselt, der Bayern immer wieder besiegt hat. Ich verbinde jedenfalls ausschließlich positive Erinnerungen mit dem FC Bayern.

Trotzdem haben Sie bis 2020 in Bamberg unterschrieben.
Es war eine schwierige Entscheidung. Aber wenn du über 30 bist, musst du kalkulierte Entscheidungen treffen. Ich wollte meine Karriere gerne in München beenden, das hat nicht funktioniert. Ich habe mich für den Wechsel entschieden, weil ich das jetzt für den besten Schritt hielt, vor allem aufgrund der Vertragslänge, die mir Bamberg angeboten hat und der Möglichkeit, noch einmal in einer neuen Umgebung und einer erfolgreichen Gewinner-Organisation zu spielen.

Glauben Sie, auf die Gewinner-Seite gewechselt zu sein?
Die Finalserie 2015 wurde mit den letzten vier Punkten entschieden. Vor zwei Jahren waren wir mit Bayern in den Playoffs körperlich erschöpft, und auch letztes Jahr ist uns am Ende der Sprit ausgegangen. Es hätte teilweise auch anders ausgehen können. Aber ich erkenne hier schon einen klaren Plan, es wird großartig gearbeitet, auf jedes Detail geachtet.

Es herrscht eine familiäre Atmosphäre. Jetzt, wo ich Teil der Organisation bin, kann ich schon fühlen und verstehen, warum Bamberg in den vergangenen zehn Jahren so erfolgreich war.

Welchen Eindruck haben Sie bisher von Bayern?
Bayern ist ein starkes und tief besetztes Team, in dem viele Spieler gehalten werden konnten, mit einem Coach, der ein klares Konzept hat. Im Eurocup haben sie sehr gute Chancen auf den Titel. Auch in der Bundesliga werden sie ganz oben dabei sein und wohl unser härtester Konkurrent.

Bamberg hat viele neue Spieler verpflichtet und einen schwachen Saisonstart hinter sich.
Wir haben viel Talent im Kader, müssen unsere Rollen aber noch finden. Es ist besser jetzt ein paar Ups und Downs zu haben, als am Ende der Saison. Bayern war uns am Anfang der Saison vielleicht ein wenig voraus, besser eingespielt und hat uns auch beim Test (58:71) in der Pre-Season in den Hintern getreten. Jetzt sind wir definitiv eine bessere Mannschaft.

Es ist also noch zu früh zu sagen, wer der Titelfavorit ist?
Ja. Die Bayern haben schon gezeigt, was sie können und bis zu diesem Zeitpunkt den bisher besten Basketball gespielt und werden noch besser werden. Das werden wir aber auch.

Könnte das Duell am Sonntag zum Wendepunkt werden?
Es ist eine Möglichkeit, einen Schritt nach vorne zu machen. Wir werden vielleicht insgesamt acht Mal auf Bayern treffen. Es ist also nur das erste von vielen Duellen.

Wie sieht Ihre Rolle in Bamberg jetzt aus? Anders?
Meine Rolle ist größer als im vergangenen Jahr bei Bayern – aber grundsätzlich ähnlich. Ich bin nicht mehr Kapitän, aber immer noch einer der Anführer der Mannschaft. In der Defensive bin ich definitiv der Leader und offensiv wird von mir erwartet, meine Würfe zu nehmen. Ich habe eine schöne Rolle mit viel Verantwortung und Einfluss auf unser Spiel.

Was machen Ihre Bemühungen um den deutschen Pass?
Ich musste zwei Dinge dafür tun: Einen Sprachtest und den Einbürgerungstest bestehen. Das habe ich beides geschafft. Jetzt geht es nur noch darum, wie lange der Bewerbungsprozess dauern wird. Als US-Amerikaner ist das etwas länger. Ich rechne aber auf jeden Fall noch im Laufe der Saison damit.

Dann würden Sie keinen Ausländerplatz mehr belegen, wären noch wertvoller für Bamberg. Ging es in erster Linie darum, oder auch um Ihre Verbundenheit zu Deutschland?
Es ist eine Kombination von beiden Faktoren. Unser Team würde sicher davon profitieren. Ich spüre aber schon eine besondere Verbindung zu dem Land, in dem ich lebe, seit ich 22 Jahre alt bin.

Ich fühle mich wirklich sehr wohl und glücklich hier, die Lebensqualität ist sehr hoch. Ich könnte mir auch vorstellen, nach meiner Karriere in Deutschland zu bleiben und hier im Basketballumfeld zu arbeiten. Von daher ist es für mich eine lebensverändernde Sache, den deutschen Pass zu bekommen.

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