Interview mit Alexander Schmidt Löwen-Trainer Schmidt verschärft die Regeln

Absolviert seine erste Vorbereitung als Cheftrainer bei den Löwen: Alexander Schmidt. Foto: Philippe Ruiz

Löwen-Trainer Schmidt zieht die Zügel an – einen neuen Strafenkatalog gibt es schon. „Wir sind nicht beim Militär, aber einige Gepflogenheiten setze ich voraus.“ Er selbst zahlt bei Vergehen das Doppelte.

 

München - Als Alexander Schmidt die Geschäftsstelle verlässt, um sich mit der AZ zum Interviewtermin zu treffen, ist die Auslosung des Zweitligaspielplans gerade gelaufen. Das Rahmenprogramm steht, die Löwen können für die kommende Spielzeit planen.

AZ: Herr Schmidt, Sie müssen erst nach St. Pauli reisen, dann kommt der FSV Frankfurt nach München, ehe es zum Bundesligaabsteiger Fortuna Düsseldorf geht. Es gibt deutlich leichtere Aufgaben zu Beginn einer Saison.

ALEXANDER SCHMIDT: Es ist ein wirklich hartes Auftaktprogramm. Aber wir nehmen das so an. Ab jetzt steckt nur noch St. Pauli in unseren Köpfen, darauf fokussieren wir alles.

Sie persönlich absolvieren derzeit Ihre erste Saisonvorbereitung als Cheftrainer. Gibt es schon Stressfalten? Sie selbst haben ja die Messlatte sehr hoch gelegt.

Druck ist immer da, alles schaut auf dich. Aber genau das macht ja den Reiz aus. Was außer dem Aufstieg hätte ich auch sonst als Ziel ausgeben sollen? Alles, was ich sage, kann irgendwie negativ ausgelegt werden. Nun kann man sagen, ich hätte eine große Klappe. Wenn ich Alibi-Sätze sage, heißt es, ich hätte keine Ziele. Aber ich finde es ungerecht den Fans gegenüber, wenn ich herumeiere.

Sie selbst meinten kürzlich, dass die Stimmung in der Mannschaft schlecht sei. Wie steuern Sie dagegen an?

Wir müssen uns auch auf diesen Bereich konzentrieren, das wurde außer Acht gelassen. Wir brauchen eine Mentalität, die sich durch nichts erschüttern lässt. Daran arbeiten wir.

Wie machen Sie das genau? Wurde Ihre Gangart härter?

Es kommt auf die Mischung an. Ich bin ein emotionaler Trainer, der Fehler sehr deutlich anspricht. Aber ich bin auch ein Trainer mit einer Kumpelmentalität, die ich nach Bauchgefühl anwende. Dafür gibt es kein Rezept.

Dürfen die Spieler Sie duzen?

Natürlich. Die jüngeren Spieler, die ich schon seit dem 16. Lebensjahr kenne, haben das „Sie“ noch drin. Etwa Bobby Wood oder Stefan Wannenwetsch. Die anderen sagen „Trainer“. Ich hätte aber auch kein Problem damit, wenn sie „Alex“ sagen würden.

Und die strengere Seite? Wie sieht die aus?

Ich habe etwa den Strafenkatalog ein wenig erweitert, was die Kleiderordnung angeht. Wir haben nun einheitliche Sporttaschen, die jeder auch zu tragen hat. Grundsätzlich gilt: Wir sind nicht beim Militär, aber einige Gepflogenheiten setze ich einfach voraus. Etwa, dass der Rest eines Apfels in den Mülleimer gehört und nicht in die Kabine.

Wurden Sie denn selbst schon von Kassenwart Kai Bülow zur Kasse gebeten?

Ja, letztens habe ich meine Regenjacke auf dem Platz vergessen. Die Mannschaft freut sich dann immer. Ich muss das Doppelte zahlen.

Wie sehr hat Sie Ihre Zeit in Italien geprägt?

Dort geht es noch härter zu. Sowohl auf als auch neben dem Platz. Sie sind noch emotionaler, da muss man aufpassen, was man sagt. Ansonsten höre ich aber auch viel auf meine Familie. Da ist Fußball immer ein Thema.

Ihr Sohn ist Fan von Juventus Turin…

…spielt aber schon in der Jugendmannschaft vom TSV 1860. Er wurde ja in Italien geboren, ganz in der Nähe vom Stadion. Daher hat er es. Aber er ist hundert Prozent Löwe!

Apropos Nachwuchs. Sie haben das Konzept überarbeitet – durch junge Neuzugänge.

Das ist mein Stil. Ich setze auf junge, deutsche Spieler, die entwicklungsfähig sind. Wir waren in der letzten Saison das laufstärkste Team, daran müssen sich die Neuen erst gewöhnen. Meiner Meinung nach ist das der beste Weg.
 

 

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