Interview mit Alba-Boss Marco Baldi zum FC Bayern "Scouting mit dem Geldbeutel"

Alba-Boss Baldi über das Verhältnis zu den Bayern – und was ihn mit Pesic verbindet.

 

MÜNCHEN AZ: Herr Baldi, die Berliner Cheerleader gehören zu den besten Europas. Haben Sie Angst, der FC Bayern könnte sie abwerben?

MARCO BALDI: (Lacht) Nee, da wird’s dann ernst! Bei Spielern tolerieren wir das, aber bei Cheerleadern ist Schluss mit lustig. Nein, ich sehe das viel entspannter als viele glauben.

Möglicherweise verlieren Sie aber vier ihrer letztjährigen Leistungsträger an den FC Bayern. Nihad Djedovic und Yassin Idbihi sind schon fix. Sie haben über die Bayern mal gesagt, sie seien ein Geschenk für die Liga. Wie sehen Sie das heute?

Habe ich das wirklich gesagt? (lacht) Ich sehe das mit ein paar Einschränkungen nach wie vor so. Man kann natürlich das Scouting von Bayern kritisieren, das nicht unbedingt durch großen Einfallsreichtum gekennzeichnet zu sein scheint, sondern eher durch den Geldbeutel. Aber die Bayern machen das, was sie für das Beste für ihren Klub halten. Und wir das, was bei unseren Voraussetzungen das Beste für Alba ist. Wenn ein Spieler seinen Marktwert testen will, dann ist das völlig legitim. Und dann geht er eben dahin, wo er als gut und auch bezahlbar erachtet wird. Wenn das dann in der Häufung Bayern ist, ist das sicherlich außergewöhnlich, aber dann ist das eben so. Übrigens: Um uns muss sich keiner Sorgen machen, schon gar nicht in München.

Das klingt, als wären Idbihis und Djedovic’ Entscheidungen – deren Wechsel bestätigt sind – für Sie durchaus nachvollziehbar?

Wir haben Yassin ein deutlich verbessertes Angebot gemacht, er hat uns dennoch gesagt, er möchte sehen, wo es noch lukrative Möglichkeiten gibt. Und das ist völlig legitim! Das ist Profisport.

Heiko Schaffartzik hat Ihnen schon im März mitgeteilt, dass er sich einen neuen Arbeitgeber suchen möchte…

Es gibt ja unterschiedliche Spielercharaktere. Manche Spieler ziehen Motivation und Kraft daraus, dass sie möglichst lange bei einem Verein im gewohnten Umfeld sind. Bei anderen ist es genau andersherum: Sie brauchen öfter einen Wechsel, damit sie immer den Kick haben und immer auf dem höchsten Niveau agieren können. Heiko war jetzt zweieinhalb Jahre bei uns und er hat uns gesagt, er brauche diesen Tapetenwechsel, er brauche diese Herausforderung. Dann hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man pocht auf den Vertrag. Oder man lässt den Spieler unter bestimmten Bedingungen ziehen.

Sie haben lange in Berlin mit Svetislav Pesic und seinem Sohn Marko zusammengearbeitet. Wie ist Ihr Verhältnis heute zu den beiden, wo sie in München das Sagen haben? Reden Sie noch miteinander?

Klar. Es ist nicht so, dass wir täglich oder wöchentlich miteinander telefonieren, aber es gibt ein Grundgefühl. Ich habe gerade mit Svetislav eine sehr, sehr intensive Zeit verbracht. Da entwickelt man natürlich ein persönliches Gefühl füreinander. Jeder wird für seine Farben kämpfen bis zum Umfallen, aber an unserem Gefühl füreinander wird sich dadurch nichts ändern, glaube ich. Wir haben so viele Stürme gemeinsam durchgestanden und auch schon für verschiedene Fraktionen gearbeitet – da gibt es einfach eine Basis, die immer erhalten bleibt. Ganz unabhängig davon, wer jetzt für wen in die Bütt steigt.

 

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