Internet-Vergleichsportal Die Checker aus München

"Man sieht uns so gut von Europas vielbefahrenster Brücke": Check24-Geschäftsführer Henrich Blase (45) ist "sehr zufrieden" mit dem Standort. Foto: Katharina Alt

Das größte Vergleichsportal im Internet sitzt ganz real an der Donnersbergerbrücke, macht Millionen-Umsätze und hat 440 Mitarbeiter. Die AZ war auf Hausbesuch bei Chef Henrich Blase.

München - Wer auf der Donnersbergerbrücke rumsteht (und dazu besteht angesichts der Baustellen gerade viel Gelegenheit), sieht das Logo an dem Gebäude neben Mercedes prangen: „Check24“. Und bei manchen gibt es den Aha- Effekt: Ach, die sitzen in München?

Man kennt die Firma aus dem Internet: Deutschlands größtes Vergleichsportal. Aber irgendwo müssen sich auch ganz handfest die Menschen befinden, die die Webseite managen – in diesem Fall mitten in der bayerischen Landeshauptstadt. „Wir sind ganz definitiv eine Münchner Firma“, sagt ihr Chef Henrich Blase. Hier gegründet, hier gewachsen, hier will sie noch größer werden. Begonnen hat Blase 1999 mit ein paar Mitstreitern als kleine Start-Up-Klitsche. Erst in der Bahnhofsgegend, „20 Menschen auf 80 Quadratmeter, Mann, war das heiß im Sommer“, sagt er. Nächste Station Augustenstraße, der chinesische Bringservice nebenan wusste bald, welcher junge T-Shirt-Träger welches Gericht bestellt. „einsurance“ hieß die Firma damals, rein auf den Vergleich von Versicherungstarifen spezialisiert, im Deutschen kein dankbarer Name zum Aussprechen.

Jetzt sind es 440-Check24-Mitarbeiter

Heute, 13 Jahre später, sitzt Blase (45) im sechsten Stock seiner Firma. Unter ihm der Arnulfpark, die Innenstadt, im Süden die Alpen. 440 Mitarbeiter arbeiten jetzt hier. Die Firma heißt nun Check24, und hat sich beharrlich erweitert: 2004 lag der Umsatz bei zwei Millionen Euro, 2011 waren es 115. Nach den Versicherungen kamen Strom und Gas dazu, dann Handytarife, zuletzt Reisen, in Planung ist noch viel. In den nächsten zwei Jahren soll die Mitarbeiterzahl um 50 Prozent steigen. „Amazon hat auch mit Büchern angefangen“, vergleicht Blase ohne Scheu vor Großen.

Seit 2008 sitzt die Firma an der Donnersbergerbrücke. Ganz bewusst. In traditionellen Vierteln wie Schwabing müsste man erstmal was finden für hunderte Mitarbeiter – und für Luft für mehr. Da kommt der neue Arnulfpark der jungen Firma grad recht. „Als wir hier eingezogen sind, stand hier kaum was“, sagt Blase. „Wir wachsen mit der Umgebung.“ Kurz: „Wir sind hier sehr zufrieden.“ Der englische Investor, der zehn Prozent am Unternehmen hält (rund 80 Prozent sind im Besitz von Blase und einem der Mitgründer, Eckard Juls), ist nicht ganz so zufrieden. „Die haben nicht viel Verständnis dafür, wenn man nicht steueroptimiert denkt“, erklärt Blase mit feinem Lächeln.

Die Zufriedenheit des Kunden steht über allem

Steueroptimiert wäre es, wenn wenigstens die gut 200 Mitarbeiter im Callcenter, sagen wir, nach Unterföhring ziehen, wo die Gewerbesteuersätze fünf Punkte niedriger sind. Aber Check24 besteht auf der Münchner Innenstadt. „Auch, weil es hier so qualitativ gute Arbeitskräfte gibt.“ Und weil sich die Mitarbeiter wohlfühlen sollen. Das heißt auch: gute Erreichbarkeit. „Unser Grundsatz ist: Erst kommt die Zufriedenheit des Kunden. Zweitens die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Drittens der Profit“, sagt der Firmenchef.

Natürlich macht er die Firma nicht als Ehrenamt. Aber sein Ansatz ist, dass es langfristig am profitabelsten ist, wenn die Kunden und die Mitarbeiter guter Dinge sind. „Wir wollen, dass die Kunden immer wieder kommen.“ Gerne in vielen Lebensbereichen: Wer einen Stromanbieter sucht, gibt ein, wie groß sein Haushalt ist, wie grün der Strom sein soll, etc. – und Check24 präsentiert ihm eine Tabelle, welcher Anbieter für ihn der günstigste ist.

User spart sich den Besuch des Versicherungsvertreters

Gleiches gilt für Versicherungen und die anderen Produkte. Und wie verdient man Geld damit, den Kunden kostenlos auszurechnen, wo er wie viel sparen könnte? „Zu über 50 Prozent mit der Provision“, erklärt Blase. Wer sich bei Check24 die Tabelle hat ausrechnen lassen, kann direkt auf die gewünschte Zeile klicken und beim Anbieter den Vertrag abschließen. Pro Abschluss fließt Geld an das Portal. „Das fängt bei fünf Euro an, etwa für einen Billigflug, und geht bis rund 100 Euro.“

Vorteil für den Anbieter, etwa Versicherungen: Sie sparen beim Vertrieb. Vorteil auch für viele Kunden: Er spart sich den Besuch des Versicherungsvertreters, „das ist ja für einige unangenehm“. Die Internet-Tabelle schwatzt einem nichts auf. „Bei uns muss man nicht kommunizieren. Aber man kann.“ Wer eine Frage hat, ob er jenen Tarifbaustein braucht oder ob er diesen DSL-Tarif in seinem Ort nutzen kann, ruft beim Callcenter an. Und jemand an der Donnersbergerbrücke hebt ab.

Das bringt es dem Kunden

Check24 hat ein Rechenbeispiel zusammengestellt, wie viel Geld sich eine Münchner Familie – Vater, Mutter, zwei Kinder – pro Jahr sparen könnte, wenn sie jeweils den günstigsten statt den teuersten Anbieter wählt. In diesem Fall wäre es ein Potential von 7000 Euro: 4805 Euro bei Versicherungen (Haftpflicht, Kfz, Berufsunfähigkeit, Hausrat und einige mehr). 300 Euro bei Strom (5000 kWh Jahresverbrauch) und Gas (20 000 kWh). 2080 Euro für alle vier bei Handy und Festnetz. Noch nicht eingerechnet sind weitere Sparpotentiale, etwa Reisen: Dasselbe Hotel am Gardasee kostet bei einem Veranstalter 183 Euro pro Woche weniger.

 

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