Internet-Riese verkauft jetzt auch Lebensmittel Pasta und Pampers von Amazon

Die Amazon Pantry Box. Foto: dpa

Mit dem Einkaufswagen durch die Gänge schieben – gehört das bald der Vergangenheit an? Wenn es nach dem Internet-Riesen geht, ja.

 

München - Vom Elektromarkt bis zur Modekette – der Online-Handel hat in den vergangenen Jahren eine Branche nach der anderen umgekrempelt. Doch ein Bereich zeigte sich bislang weitgehend resistent gegen die Konkurrenz aus dem Internet: der Lebensmittelhandel. Der Internetriese Amazon will das jetzt offensichtlich ändern und Supermarktketten wie Edeka oder Rewe verstärkt Konkurrenz machen. In diesem Monat startete der US-Konzern in Deutschland den Lebensmittel-Lieferservice „Pantry“.

Kunden des Amazon-Abo-Services „Prime“ können sich damit haltbare Lebensmittel, Waschmittel, Pflegeprodukte oder Tiernahrung für kleines Geld in haushaltsüblichen Mengen direkt an die Haustür liefern lassen. Experten rechnen schon bald mit den nächsten Schritten des Internetriesen auf dem Lebensmittelmarkt. Zwar liegt der Online-Anteil im Lebensmittelhandel nach einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Deutschland gerade einmal bei 1,2 Prozent. Doch man darf sich von der kleinen Zahl nicht täuschen lassen. Unterm Strich bedeutet das, dass die Bundesbürger im Jahr rund 2,6 Milliarden Euro für Lebensmittelkäufe im Internet ausgeben. Nach einer Prognose der GfK dürften Lebensmittel und Drogeriewaren in Zukunft zu den stärksten Wachstumstreibern im Online-Handel gehören.

Das Online-Geschäft mit Essen ist nicht nur für Amazon interessant

Die Studie geht davon aus, dass der Bereich Lebensmitel und Drogerie seinen Anteil am Gesamtumsatz im Online-Geschäft auf 16 Prozent im Jahr 2025 verdoppeln wird – und somit so stark wachsen wird wie kein anderer Sektor. Amazon ist aber nicht allein auf diesem Markt. Im Gegenteil: Mit ihrem Angebot sind die Amerikaner eher Nachzügler.

Rewe bietet heute schon in 72 Städten Deutschlands die Möglichkeit, Ware online zu bestellen und an die Tür geliefert zu bekommen – und offeriert dabei im Gegensatz zu Amazon nicht nur haltbare Produkte, sondern auch frisches Fleisch, Obst und Gemüse oder Tiefkühlpizza.

Die Supermarkt-Ketten zittern vor dem neuen Angebot

Konkurrent Edeka geht das Thema zwar etwas vorsichtiger an. Doch dafür ist die Post mit ihrem Online-Supermarkt Allyouneedfresh.de umso aktiver.

Die Drogeriemarktkette dm verkauft ihre gesamte Produktpalette im Internet. Und auch viele Newcomer wie lebensmittel.de oder Emmas Enkel versuchen, sich Marktanteile zu sichern. Dennoch blickt die Branche mit großer Aufmerksamkeit auf den US-Giganten. Denn alle wissen, wenn der Online-Riese mit seinen Datenschätzen über die Kundenvorlieben, seinem Logistik-Know-how, dem angesammelten Kundenvertrauen und seiner Marktmacht auf den Plan tritt, kann dies die Spielregeln drastisch verändern.

Amazon ist einerseits ein furchterregender Konkurrent für viele Wettbewerber. Andererseits kann der Riese aber vielleicht auch dem Online-Handel mit Lebensmitteln insgesamt zu größerer Beliebtheit verhelfen.

Der Internet-Konzern wird immer mehr zum „Rundumversorger“

Das neue Angebot Amazon Pantry passt nach Einschätzung des Geschäftsführers des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Kai Hudetz, in die Gesamtstrategie des US-Konzerns. „Amazon entwickelt sich immer mehr zum Rundumversorger für alles, was notwendig ist, aber keine großen Emotionen beim Einkauf weckt“, meint er.

Gerade bei lästigen Alltagsprodukten wie Sprudelkisten, Katzenstreu oder Waschmittel könne das Unternehmen „mit seiner Logistikkompetenz und seiner Serviceorientierung den etablierten Handelsketten Marktanteile abnehmen“. Doch auch die nächsten Schritte von Amazon scheinen schon vorgezeichnet. Zwar schweigt sich der Internetriese selbst zu den Zukunftsplänen im Lebensmittelhandel aus.

Nach Informationen des Fachblatts „Lebensmittel Zeitung“ treibt das Unternehmen aber die Vorbereitungen für den Start des Lebensmittel-Lieferdienstes Amazon Fresh in Deutschland zügig voran. Schon im nächsten Jahr könnte der US-Gigant demnach zumindest in einigen Großstädten auch Frische-Sortimente wie Obst und Gemüse, Fleisch oder Fisch bis an die Haustür liefern. „Das würde sicher noch deutlich Schwung in den Online-Markt für frische Lebensmittel bringen“, ist der Handelsexperte Hudetz überzeugt.

 

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