Internationales Dokumentarfilmfestival Eröffnung des DOK.fest in München: "The Whale and the Raven"

"The Whale and the Raven" erzählt die Geschichte der Ureinwohner der kanadischen Westküste Kanadas und ihrer Beziehung zur Natur. Die Walforscherin Janie Wray blickt aufs Wasser. Foto: Dok.fest

Mit "The Whale and the Raven" eröffnet am Mittwoch das Internationale Dokumentarfilmfestival München, das bis zum 19. Mai geht.

 

München - Aus über 1.000 eingereichten und gesichteten Filmen hat das Dok.fest-München-Team 159 Filme destilliert und zum Programm des 34. Dok.fest München gemacht. Am Mittwochabend ist zur Eröffnung im Deutschen Theater (geschlossene Veranstaltung) "The Whale and the Raven" von Mirjam Leuze zu sehen.

Der Film entführt die Zuschauer in eine Gegend, wie man sie sich aussuchen würde, wenn man jeglicher Hektik entfliehen wollte: Er erzählt von den indigenen Bewohnern Britisch-Kolumbiens an der kanadischen Westküste, von ihrer innigen Beziehung zur Natur, vor allem zu den Walen, die in den malerischen Fjorden leben. Und er erzählt vom Einbruch des Geldes in diese paradiesische Region, in der es außer sehr, sehr viel sehr, sehr schöner Natur nicht viel gibt: Öl- und Gasgesellschaften wollen ihre Tanker durch die stillen Gewässer fahren lassen.

Naturidyll und Wirtschaft - Walgesänge gegen Schiffsschrauben

Die deutsche Filmemacherin Mirjam Leuze (Buch, Kamera, Regie) begleitet die beiden Walforscher Janie Wray und Hermann Meuter bei ihrem Einsatz gegen die Zerstörung dieses Idylls.

Was schon ein einziges durchfahrendes Schiff für die Wale bedeutet, zeigt gleich zu Beginn die Aufnahme eines Unterwasser-Mikrofons, während so ein Pott in der Ferne vorbeizieht: Das Schraubengeräusch nimmt den gesamten maritimen Raum ein, selbst als das Schiff schon längst wieder außer Sichtweite ist. Und das ist nur der Lärm eines einzigen Schiffs.

Von den durchdringenden Walgesängen, die bis zu diesem Augenblick den Soundtrack in der Unterwasserwelt geliefert haben, ist auf einen Schlag nichts mehr zu hören.

Ein Film über die indigene Bevölkerung und ihr Leben mit der Natur

Es geht Mirjam Leuze in "The Whale and the Raven" nicht so sehr darum, den Konflikt zwischen Natur und Wirtschaft als Gegner auf Augenhöhe herauszuarbeiten – die Wirtschaftsseite kommt im Film nur indirekt vor: in den Erzählungen der Walforscher, den Vertretern der indigenen Bevölkerung und der Lokalpolitiker, die natürlich Arbeitsplätze in ihrer Stadt schaffen wollen. Der Bürgermeister von Kitimat, wo die Tankerroute beginnen soll, sagt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Bau der Anlagen für den Gastransport beginne.

Auch über das Leben der Wale erfährt man in der Dokumentation nur eher nebenbei etwas. Im Zentrum des sehr ruhigen Dokumentarfilms steht das Leben der indigenen Bevölkerung und ihre spirituelle Beziehung zu der Natur, in der sie leben und von der sie leben.

Die Darstellung dreht aber nicht ins anstrengend Esoterische ab, sondern erklärt vielmehr sehr anschaulich: Wenn man sich von dem Land, auf dem man lebt, auch ernährt, dann geht man pfleglich und respektvoll mit ihm um. Dazu gibt es einen als Trickfilm eingebauten Beitrag von einem indigenen Geschichtenerzähler, der ebenfalls zu Respekt vor der Natur aufruft.

Hermann Meuter: Der Rabe im Walfilm

"The Whale and the Raven" passt also perfekt in die Zeit, in der Schüler massenhaft für den Klimaschutz auf die Straße gehen und in der das regionale Wirtschaften und Konsumieren gefeiert wird. Der Film macht es einige Zeit lang spannend, wer oder was sich hinter dem Titel verbirgt, vor allem, was denn bitteschön der Rabe in einem Walfilm zu suchen hat.

Dann aber erfährt der Zuschauer: Janie Wray und Hermann Meuter wurden in indigene Clans aufgenommen, aus Dankbarkeit für ihren Einsatz: Janie in den Clan der Killerwale, Hermann in den Clan der Raben.


Die Eröffnung des Dok.fests im Deutschen Theater ist eine geschlossene Veranstaltung. "The Whale and the Raven" wird wieder gezeigt am Freitag, 20 Uhr, im Rio und am Freitag, 17. Mai, 21 Uhr, Neues Maxim sowie am Schlusstag, Sonntag, 19. Mai, um 11.30 Uhr, in der HFF.


Dok.Fest vom 8. – 19. Mai .Vorverkauf, Karten, Kinos, Preise:

KARTEN: Online: www.dokfest-muenchen.de Telefon: Münchenticket, Tel.: 54 81 81 81 Kaufen: Festivalzentrum in der Hochschule für Fernsehen und Film (Gabelsbergerstraße/Bernd Eichiger Platz), Filmmuseum (Jakobsplatz), City Kinos (Sonnenstr. 12), Deutsches Theater (Schwanthalerstraße 13)
PREISE: Einzelkarte: 9,50 Euro, im Deutschen Theater: 10,90 Euro, morgens und mittags: 7,50 Euro, 5er-Ticket: 35 Euro, Festivalpass: 80 Euro, ermäßigt: 40 Euro Hauptorte /
KINOS: City / Atelier (Sonnenstraße 12), Deutsches Theater (Schwanthalerstr. 13), Filmmuseum (Jakobsplatz), Hochschule für Fernsehen und Film (Bernd-Eichingr-Platz), Gasteig (Carl-Amery-Saal), Neues Maxim (Landshuter Alle 33), Rio Filmpalast (Rosenheimer Str. 46)

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