Internationale Pressestimmen zu Griechenland Griechischer Schuldenstreit: Das sagt die Presse

Ein Bild mit Symbolcharakter: Dunkle Wolken hängen über dem griechischen Parlament in Athen. Foto: dpa

"Benehmen wie unangepasste Teenager", "kindischer Streit" - die internationale Presse hat wenig übrig für den Versuch, die eigenen Reformvorschläge in Europa durchzudrücken - aber es gibt auch Gegenstimmen.

Berlin - Der Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen europäischen Partnern nimmt an Dramatik weiter zu. Athen ist nach eigenem Eingeständnis in akuter Finanznot, doch den Geldgebern zufolge reichen die bisherigen Reformvorschläge nicht aus, um weitere Hilfen zu gewähren. Die Euro-Finanzminister stehen nur knapp zwei Wochen nach ihrer grundsätzlichen Einigung für eine Verlängerung des Hilfspakets vor neuen Konflikten mit Athen. Die Eurogruppe wollte von Montagnachmittag an in Brüssel über die Pläne beraten. Eine rasche Auszahlung von Hilfsgeldern der Europartner wird nicht erwartet.

Das hat am Montag ein unterschiedliches Echo in der europäischen Presse gefunden:

Italien:

"Corriere della Sera": "Vor allem hinterlässt die Regierung in Athen den Eindruck, und manchmal erklärt sie es auch, einen Wechsel des politischen Systems zu wollen, einen "regime change". Nicht nur in Griechenland, sondern auch im Rest von Europa. Das heißt, die Politik aufgeben, die 18 von 19 Ländern der Eurozone unterstützen."

Dänemark:

"Jyllands Posten": "Die Griechen - zumindest die Tonangebenden – benehmen sich wie unangepasste Teenager, obwohl sie schon vor langer Zeit das Erwachsenenalter erreicht haben sollten. Es wurde mehrfach gesagt: Es ist nicht die Schuld des Kapitalismus, des Internationalen Währungsfonds oder Rest-Europas, dass sich Griechenland nun seit Jahren am Rand des Bankrotts bewegt, und es ist auch nicht die Schuld Deutschlands. Vor allem nicht die von Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble, die von den Griechen immer noch gerne mit Nazis verglichen werden. Schäuble, wie auch die Kanzlerin, haben sich gegenüber Griechenland beispielhaft verhalten. Varoufakis hat ihn verspottet, Tsipras hat sich über ihn beschwert, und der deutsche Finanzminister hat nicht ein falsches Wort gesagt. Er behauptet sogar, Varoufakis habe sich immer korrekt verhalten, und das ist wirklich eine Dehnung der Wahrheit."

Schweiz:

"Neue Zürcher Zeitung": "Nach Ansicht von Athener Finanz-Fachleuten ist nicht ausgeschlossen, dass das laufende Hilfsprogramm völlig entgleist und Griechenland bald wieder Primärdefizite erwirtschaftet. Bis August wird Athen auch mit Verbindlichkeiten in Höhe von 20 Mrd. € konfrontiert, die unter diesen Umständen nicht refinanziert werden können. Obwohl die neue Regierung in Athen noch nichts davon hören will, macht die Entwicklung wohl ein neues Hilfspaket, verbunden mit harten Auflagen, unumgänglich."

Spanien:

"El País": "Die Behauptung des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, Spanien und Portugal hätten in konspirativer Weise versucht, seine Regierung zu Fall zu bringen, ist nicht akzeptabel. Solche Äußerungen sind für heimische Abnehmer bestimmt, aber sie sind nicht zu rechtfertigen. Allerdings geriet auch die spanische Reaktion auf den Vorwurf ziemlich ungeschickt.

Statt sich offiziell in Brüssel zu beschweren, hätte die Madrider Regierung es bei ironischen Worten belassen sollen. Wer die Europapolitik zu innenpolitischen Zwecken missbraucht, schadet am Ende sich selbst. Es ist nicht verwunderlich, dass Spanien in der EU weniger Einfluss hat als ein Land wie Polen. Madrid und Athen sollten ihren kindischen Streit nicht fortführen."

Frankreich:

Le Figaro": "Die Eurogruppensitzung der letzten Chance für Griechenland. Die Athener Regierung muss ihre Vorschläge von Brüssel abstempeln lassen, um die versprochene Finanzierung zu erhalten. Finanzminister Varoufakis dramatisiert, Europa zaudert."

"Le Nouvel Obs": "Im Kreuzzug gegen die Austerität liegt Tsipras vorne. Er wird der erste bleiben, der Brüssel wahnsinnig gemacht und die revolutionäre Romantik hat aufleben lassen. Aber der Spanier Pablo Iglesias wird ihm die Schau stehen, sollte er die Wahlen im November gewinnen. Spanien - 12 Prozent des BIP der Eurozone gegen 2 Prozent der Griechen - würde dann dem Rest Europas seine "Politik-Lektion" erteilen."

Bulgarien:

"Pressa": "Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis versuchte, die Westeuropäer vor dem Treffen der Eurogruppe zu überbieten, indem er andeutete, dass Neuwahlen und sogar ein Referendum über das Schuldenabkommen möglich wären."

"Standart": "Varoufakis macht Angst mit Neuwahlen"

"24 Tschassa": "(Der griechische Finanzminister Gianis) Varoufakis drohte mit einem Referendum oder mit vorgezogenen Wahlen, sollten Griechenlands Partnerstaaten in der Eurozone die Vorschläge der regierenden Linke zur Lockerung der Schuldenlast sowie Wachstum der Wirtschaft nicht akzeptieren."

Griechenland:

"Ta Nea": "Wenig Erwartungen - (Land im) Belagerungszustand".

"Ethnos": "Fieberhafte Unterredungen". Alle in Athen und der Eurogruppe suchen nach einer Lösung.

"Thessaloniki": "Keine Lösung in Sicht"

"Kathimerini": "Ohne Entscheidung für weitere Finanzierung" (wird das Ergebnis der Eurogruppentagung sein).

 

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