Interimscoach des TSV 1860 Keinem traut Ismaik mehr zu als Bierofka

Daniel Bierofka leitete schon am Dienstagvormittag das Training der Profis. Foto: Imago

Wieder muss Daniel Bierofka bei den Löwen als Retter einspringen. Investor Hasan Ismaik lässt durchblicken, dass er mit der 1860-Identifikationsfigur noch Großes vor hat.

 

München - Dienstag, der 22. November 2016, Punkt 10.30 Uhr war es soweit an der Grünwalder Straße. Zum zweiten Mal binnen eines halben Jahres stand Daniel Bierofka für eine erste Ansprache inmitten der Löwen-Profis. Als sei der 37-Jährige noch einer von ihnen.

Bierofka hat eine Mission

Es war eine kurze Ansprache, sie dauerte nicht viel länger als eine Minute. Deutlich waren seine Ansagen, als er während der Übungen zwischen den Spielern energisch hin- und herhechtete. Der frühere Mittelfeldspieler hat eine Mission bei Sechzig. Mal wieder. Schon wieder. Er, der seine Giesinger erst Ende vergangener Saison mit drei Siegen in drei Spielen vor dem Abstieg bewahrte, soll nun abermals der Retter sein. Zumindest bis zur Winterpause.

Auf diese Dauer grenzte Investor Hasan Ismaik die Interimslösung ein. Der Jordanier ließ bei seiner Brandrede nach der Entlassung von Chefcoach Kosta Runjaic keinen Zweifel: Bierofka ist einer, von dem er wirklich viel hält. Egal, welcher Chefcoach im Winter folge, „Bierofka wird Co-Trainer bleiben“, sagte der 39-Jährige.

Zimmermann spricht sich für Bierofka aus

Die Fans dürften erleichtert sein. Schließlich ist er einer von ihnen – und für viele die ideale Dauerlösung. Auch Stammkeeper Jan Zimmermann sprach sich für ihn aus. „Wenn ich irgendeinen erleben würde, der sagt, mir ist das egal und da kann ich nix dafür, würde ich durchdrehen“, meinte der Torhüter im Gespräch mit der AZ zur Entlassung von Runjaic, um dann für Bierofka zu werben: „Er wird uns seine Philosophie beibringen. Das hat letztes Jahr schon sehr gut geklappt. Es gibt halt das Dilemma mit seinen Lizenzen.“

Der 31-Jährige nannte damit das entscheidende Gegenargument. Bierofka hat mittlerweile zwar den A-Trainerschein, aber noch nicht den sogenannten Fußballlehrer. Erst der berechtigt zum permanenten Coachen von Profimannschaften. Der TSV 1860 muss deshalb eine Sondergenehmigung bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) beantragen, und diese hat erfahrungsgemäß eine Frist von 15 Werktagen.

Bierofka hat keinen Fußballlehrer

Bierofka wird deshalb am Sonntag bei Eintracht Braunschweig und am Spieltag darauf gegen Dynamo Dresden als Chef an der Seitenlinie stehen, danach wohl als vermeintlicher Assistent seines Co-Trainers Denis Bushuev, der besagten Fußballlehrer hat.

Zimmermann schwärmte indes schon nach dem ersten Training: „Biero ist vom Typ her nah an der Mannschaft dran, strahlt viel aus, ist ein Kampfer und Arbeiter.“ Er sei damit „sicherlich“ und „absolut“ eine dauerhafte Alternative, „leider ist er nur interimsmäßig Trainer“. Auch Kapitän Stefan Aigner äußerte sich positiv. „Ich habe lange mit ihm zusammengespielt. Als Spieler war Biero einer, der immer Vollgas gegeben hat. Da gab es immer nur ein Ziel, und zwar nach vorne“, meinte der 29-Jährige. Bezüglich Runjaics Entlassung, die der Spielführer bedaure, müssen sich nun alle Spieler hinterfragen, ob sie immer das Maximale aus sich herausgeholt hätten.

Bierofkas erste Maßnahme: Vier Tage Geheimtraining

Doch was sagte der viel Gelobte selbst? „Wir sind als Mannschaft in der Pflicht, dass wir in den nächsten Spielen alles raushauen“, erklärte er und meinte mit Blick auf das Auswärtsspiel in Braunschweig: „Auch wenn es gegen den Tabellenführer geht, müssen wir ohne Angst und zu viel Respekt hinfahren und an unsere Stärke glauben.“ Auf seine Mission nimmt er die Runjaic-Assistenten Andreas Menger als Torwarttrainer und Michael Sulzmann als Reha-Coach mit.

Ismaik baut auf Bierofka

So hat es der Mann entschieden, der wohl mehr Rückendeckung des Geldgebers als jeder andere hat. Dass Ismaik Bierofka unabhängig vom künftigen Cheftrainer unbefristet als Assistenten festzurrte, zeigt, was der Jordanier in Zukunft mit dem alten, neuen Interimscoach vorhat.
 

 

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