Inhofer-Prozess in Augsburg Millionenbetrug? Möbel-Gigant weint vor Gericht

Spannender Prozess in Augsburg: Was wusste die Justizministerin von den Machenschaften beim Möbel-Giganten? Foto: dpa

Die Chefs der Inhofer-Kette stehen vor Gericht. Sie sollen den Staat um viel Geld gebracht haben. Beate Merk soll in den Fall verwickelt sein.

 

Augsburg -  Steuerhinterziehung und Sozialbetrug in Millionenhöhe – die Vorwürfe gegen die Führungsriege der schwäbischen Möbelhaus-Kette Inhofer wiegen an sich bereits schwer. Doch seit dem Wochenende hat der Prozess gegen sie, der  am Montag vor dem Landgericht Augsburg begonnen hat, eine besondere Brisanz erhalten: Europaministerin Beate Merk (CSU) soll in den Fall verwickelt sein.

Die Anklage: Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die beiden Seniorchefs August und Karl Inhofer, den Geschäftsführer Edgar Inhofer und Personalvorstand Peter Schorr, Möbelverkäufer als Scheinselbstständige beschäftigt zu haben. Damit soll sich das Unternehmen Sozialabgaben und Steuern in Millionenhöhe gespart haben. Um insgesamt rund 3,65 Millionen Euro soll die Inhofer-Gruppe dadurch den Staat gebracht haben. Die Angeklagten sollen zwischen Januar 1999 und Mai 2012 insgesamt 49 Mitarbeiter als freie Handelsvertreter oder Subunternehmer beschäftigt haben, obwohl es sich dabei um abhängige Beschäftigungen gehandelt habe.

Der erste Prozesstag: Tag eins im Prozess gegen die Inhofer-Chefs war bereits nach kurzer Zeit beendet. Seniorchef August Inhofer verlas eine Erklärung, worin er beschrieb, wie er sein Unternehmen aus einer kleinen Schreinerei aufbaute. Dabei brach er in Tränen aus.

Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht selbst, sondern ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass er in Personalangelegenheiten nicht involviert gewesen sei, gestand jedoch ein, dass er eine gewisse Verantwortung trage. Auch der aktuelle Geschäftsführer, Edgar Inhofer, verlas eine Erklärung. Danach war der erste Prozesstag auch schon wieder vorbei.

Beate Merk und der Fall Inhofer: Besonders pikant wird der Prozess durch die Vorwürfe gegen Europaministerin Beate Merk. Die ehemalige bayerische Justizministerin soll sich Ende 2012 per Telefon bei der zuständigen Oberstaatsanwältin für die Freilassung von zwei Seniorechef des Möbelhauses Inhofer eingesetzt haben.

Laut Recherchen der „Augsburger Allgemeinen“ sollen die Verdächtigen wenige Tage später aus der Untersuchungshaft entlassen worden sein. Beate Merk hat den Vorwurf am Montag in einer persönlichen Erklärung zurückgewiesen.

In einer dienstlichen Erklärung an Ministerpräsident Horst Seehofer berichtete sie, dass einer der Beschuldigten damals wegen des Strafverfahrens sprechen wollte. Sie habe sich aber „geweigert, mit ihm den Sachverhalt auch nur anzudiskutieren“, schrieb sie. „Auch bei zwei späteren persönlichen Begegnungen habe ich darauf hingewiesen, dass ich über den fraglichen Sachverhalt nicht sprechen kann und will.“ Die Oberstaatsanwältin soll allerdings wie auch Merk eine Erklärung abgegeben haben, dass es kein Telefonat gegeben hat.

 

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