Infront steigt ein Netzer statt Ismaik - so retten sich die Löwen

Im Fokus: Löwen-Geschäftsführer Robert Schäfer. Foto: sampics

1860 schließt einen Vertrag mit der Agentur Infront, macht sich damit unabhängiger vom Investor und weist die Liquidität für die Lizenz nach. Helfen sollen fortan die Kontakte der Fußball-Legende

 

München - Es schwang unverhohlener Stolz mit in Robert Schäfers Stimme, er war sich sicher, einen Coup gelandet zu haben. „Das hat uns nicht jeder zugetraut”, sagte der 1860-Geschäftsführer am Mittwoch. Und Interims-Präsident Hep Monatzeder, nach fast einem Monat des Schweigens, auch mal wieder bei den Löwen aufgetaucht, sekundierte: „Während andere in der Öffentlichkeit nur blöde und provokative Äußerungen getätigt haben, haben wir hier beim TSV 1860 im Hintergrund intensiv gearbeitet. Und das hat sich gelohnt.” Und weiter: „Ich darf mitteilen, dass der TSV 1860 die nötigen Unterlagen zum Lizenzerhalt bei der DFL eingereicht und den dafür notwendigen Liquiditätsnachweis erbracht hat.”

Und das ohne weitere Gelder von Investor Hasan Ismaik. Mehr noch: Die Löwen glauben, sich durch den jetzt ausgehandelten Deal auch von den Launen des Investors (und seines Anwalts Michael Scheele, der im Laufe der Pressekonferenz einige Breitseiten abbekam von Schäfer und Monatzeder) emanzipiert zu haben.

Statt Ismaik hat die Löwen nun – vorerst und indirekt – Günter Netzer die Lizenz gerettet. Die Fußball-Legende der Siebziger ist Executive Director bei Infront Sports & Media, einer der größten Sport-Vermarktungs-Agenturen der Welt – und seit Dienstag auch Partner der Löwen. Man habe einen umfassenden Kooperations- und Beratungsvertrag abgeschlossen mit Infront, erklärte Schäfer. Die Löwen könnten künftig auf das „umfassende Netzwerk” der Agentur zugreifen, das ja vor allem auch von Netzer betrieben wird, und sich so etwa auf die Suche nach Sponsoren und weiteren Partnern machen. Obendrein zahlt Infront den Löwen für Abschluss des Vertrages eine so genannte „Signing Fee” – mit der 1860 nun bei der DFL den Liquiditätsnachweis erbringen können.

Ohne Gegenleistung gibt es das Geld natürlich nicht. Der TSV 1860 muss der Agentur regelmäßig eine Gebühr zahlen, um die Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Obwohl es in der Bilanz nicht so deklariert wird, kann man es durchaus so verstehen, dass Infront 1860 eine Art Darlehen gewährt hat.

Unbeantwortet blieb zunächst die Frage, wieso ein Global Player wie Infront bei 1860 einsteigt. Zumal Vermarkter HI2 (gehört Ismaik und Hamada Iraki) der exklusive Vermarktungspartner des Klubs bleibt – und somit auch für jeden Sponsoring-Vertrag eine Provision kassiert. Sollten die Löwen über das Infront-Netzwerk einen Sponsor finden, müssten sie nach AZ-Informationen also doppelt zahlen. An HI2 und dann noch mal - aus eigener Tasche - an Infront. „Der TSV 1860 ist für uns eine attraktive Marke, ein Traditionsverein im deutschen Fußball, den wir gerne in unser Portfolio aufnehmen wollten”, sagte Reinhardt Weinberger, der Geschäftsführer von Infront Deutschland, der AZ. Seine Firma wolle sich bei 1860 zudem ergänzend zu HI2 auf den überregionalen Sponsoring-Vertrieb konzentrieren. Bis Ismaik komplett aussteigt? 

 

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