In Niederbayern Ungewöhnliche Immobilie: Freistaat verkauft Kirche

Der Freistaat Bayern verkauft diese kleine Kirche. Foto: Rita Gilch

Der Freistaat bietet eine "Feldkapelle" im Internet an. Was hat es damit auf sich?

 

Niederwinkling - Das Kirchlein Sankt Koloman in Lenzing, einem Ortsteil von Niederwinkling im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen, sucht einen neuen Besitzer. Interessenten an dem spätbarocken Bau können bis 31. Mai ein Gebot abgeben. Ob es solche gibt, ist unklar. Das Baujahr der kleinen Kirche ist unbekannt; sie wurde um 1500 erstmals erwähnt.

Das nicht ganz alltägliche Immobilienangebot ist auf der Homepage der "Immobilien Freistaat Bayern" zu finden. Der Staatsbetrieb ist zuständig für die Verwaltung der meisten landeseigenen Immobilien. Sankt Koloman ist seit Januar 2016 im Eigentum des Freistaats, teilt Cornelia Ertl, stellvertretende Geschäftsführerin von Immobilien Freistaat Bayern, auf Anfrage mit.

Sankt Koloman: Kein Staatsbedarf

"Bei diesem Objekt handelt es sich um eine sogenannte Nachlassimmobilie, die sich bisher in Privatbesitz befunden hat." Sie sei aufgrund gesetzlichen Erbrechts dem Freistaat zugefallen. Dass der Freistaat die Feldkapelle behält, ist "nicht vorgesehen, da hierfür kein Staatsbedarf gegeben ist", sagt Ertl.

Ob sich Käufer gemeldet haben und was sie für die Kapelle auf dem 166 Quadratmeter großen Flurstück zahlen würden, darf sie nicht sagen. Klar ist aber, dass das Motiv für einen Kauf nicht im Profit liegen kann. Der denkmalgeschützte Bau darf nicht abgerissen werden.

"Das ist schon eine sehr große Kapelle"

Und: "Nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz sind Denkmaleigentümer verpflichtet, ihre Baudenkmäler instand zu halten, instand zu setzen, sachgemäß zu behandeln und vor Gefährdung zu schützen", heißt es in der Ausschreibung. Sie trägt die schlichte Überschrift "Feldkapelle in Lenzing" – zu schlicht für die, denen das Gotteshaus bekannt ist: "Das ist schon eine sehr große Kapelle", sagt beispielsweise Xaver Gilch, Kirchenpfleger in der Pfarrei Oberwinkling. Gilch weiß, wer die Geschichte von Sankt Koloman kennt: Josef Miksch, der die Gemeindechronik verfasst hat.

Unter der Überschrift "Die Nebenkirche St. Koloman in Lenzing" sind in der Chronik Bilder des Innenraums zu sehen mit dem Altar, in dessen Zentrum eine Koloman-Figur steht. Der irische Mönch hat einen Wanderstab in der Hand; er gilt als Schutzpatron der Reisenden, des Viehs, gegen Krankheit und Not. Eingerahmt ist der Altar von gedrehten Säulen, links und rechts daneben hängen die beiden Barockfiguren des heiligen Sebastian und des heiligen Florian.

Kirche war Markierungspunkt für Binnenschiffer

Die Chronik verweist auf zwei Artikel, die im "Straubinger Tagblatt" erschienen sind. Darin werden Lenzing und das Kirchlein näher beschrieben. So berichtet Paul Stahl, dass "im Hafen Lenzing" Holz aus der Englmarer Gegend verladen und nach Wien transportiert wurde. Laut Historiker Walther Zeitler war Sankt Koloman früher ein wichtiger Markierungspunkt für die Binnenschiffer. Wörtlich schreibt Zeitler: "Der alte Bayern-Lloyd-Kapitän Karl Ludwig aus Regensburg (1905 bis 1984) erzählte gerne, wie die Matrosen auf den Schiffen bei der Bergfahrt von Passau nach Regensburg immer sehnsüchtig nach Sankt Koloman Ausschau gehalten haben. Denn das Kircherl markierte genau die Hälfte der Stromstrecke zwischen Passau und Regensburg. Oft seien die Heizer extra an Deck gegangen, um sich zu bekreuzigen oder nur zu dem Kirchlein hinüberzuwinken, denn jetzt hatten sie die Hälfte der Plackerei hinter sich, welche das Heizen der dampfgetriebenen Zugschiffe einst bedeutete. (...)"

Diese Zeiten sind dank Dieselantrieb vorbei. Anspruchsvoll ist die Schifffahrt auf dem Donauabschnitt aber immer noch, weil die Pegelhöhe dort stark schwankt. In einem trockenen Sommer wie 2018 mag es sein, dass sich so mancher Kapitän göttlichen Beistand gewünscht hat ... Bleibt abzuwarten, ob sich ein Interessent für das Gotteshaus findet.

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