"In Flüchtlingsunterkünften werden sie beschimpft" Geflüchtete LGBTI: Bündnis setzt sich für mehr Wohnraum ein

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
"Ohren auf! Herzen auf! Türen auf!": Unter diesem Slogan sucht ein breites Bündnis Wohnungen und Wohngemeinschaften für LGBTI*-Geflüchtete. Foto: Mark Kamin

Geflüchtete Lesben, Schwule und Trans begegnet in Heimen oft Hass. Eine Kampagne will Vermieter motivieren, an sie zu vermieten.

 

München - Eine Wohnung in München zu finden ist schon für den Normalverdiener mit münchnerischem Dialekt schwer. Für Geflüchtete ist es noch um ein vielfaches schwerer, dabei leiden sie oft besonders unter ihrer Wohnsituation und sie leiden noch mal mehr, wenn sie lesbisch, schwul, bi, trans oder inter (LGBTI*) sind.

Deshalb hat ein breites Bündnis aus LGBTI*-Trägern und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern eine Kampagne mit Plakaten, Postkarten und Briefen an Hausverwaltungen gestartet, um Wohnraum für geflüchtete LGBTI*, also Queere, zu finden.

Von 250 Geflüchteten hat keiner eine Wohnung in München gefunden

"Queere Geflüchtete erfahren enorm viel Diskriminierung und Gewalt in den Unterkünften", sagt Irena Wunsch von der Trans*Inter*Beratungsstelle. Die Menschen flüchten teils schwer traumatisiert aus ihren Heimatländern, doch in den Camps dreht sich die Spirale der Gewalt weiter. Gundula Brunner von der Initiative für Münchner Mädchen sagt: "In den Unterkünften werden beispielsweise Frauen, die keinen Männerbesuch haben, als Lesbe beschimpft."

Wenn die Frau wirklich eine Lesbe ist, hat sie in ihrer Heimat oft schon genug Schreckliches erlebt. Brunner berichtet von sogenannten Korrekturvergewaltigungen, von Prügel und von Frauen, denen ihre Kinder weggenommen wurden.

Von den etwa 250 Geflüchteten, die in den Münchner Beratungsstellen betreut werden, hat keiner oder keine bisher eine Wohnung oder ein Zimmer gefunden. Einzelne Fälle von Geflüchteten, die in den Landkreis gezogen sind, fallen den Beratern ein.

Brunner: "Die Menschen wollen ein integriertes Leben führen"

"Die Hilfestellen sitzen alle in München, deshalb ist es für die Menschen auf dem Land besonders schlimm", sagt Irena Wunsch. "Viele erfahren Unterstützung aus der Community und schlafen wochenlang auf Sofas, aber das ist keine Dauerlösung."

Dabei haben die Geflüchteten einen großen Antrieb, Teil der Gesellschaft zu werden. "Die Menschen wollen hier ein gutes, integriertes Leben führen – für sich und ihre Kinder", sagt Gundula Brunner.

Mit der Kampagne hoffen die Organisationen nun, Vermieter oder Wohngemeinschaften mit Herz zu erreichen, die LGBTI*-Geflüchteten helfen wollen. Wer Wohnraum für einen queeren Geflüchteten hat, findet mehr Informationen unter www.lgbti-wohnen-paritaet.de. "Wir glauben, dass wir hier Menschen haben, mit denen man gerne zusammenwohnt", sagt Karin Majewski vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Und Kai Kundrath vom schwulen Kulturzentrum Sub ergänzt: "Wohnen ist für anerkannte Geflüchtete der nächste Schritt in die Integration." Dass diese gelingt, daran hat eine Stadtgesellschaft Interesse.

Eigene Tochter darf nicht mit in Flüchtlingsunterkunft

Sarah Achen (41) aus Uganda: "Solange ich in einer Flüchtlingsunterkunft lebe, darf ich meine 13 Jahre alte Tochter nicht zu mir holen – das schreibt das Gesetz vor. Vor zwei Jahren bin ich als queere Frau aus Uganda nach München geflüchtet, war acht Monate lang im Kirchenasyl, dann im Flüchtlingscamp und jetzt lebe ich mit anderen geflüchteten Frauen in einem Kloster.

Ich habe ein eigenes kleines Zimmer mit einer Dusche, aber es ist mir nicht erlaubt, dass meine Tochter bei mir leben darf oder überhaupt nach Deutschland kommen darf. Dafür brauche ich eine Wohnung. Jetzt ist sie noch bei meiner Mutter in Uganda. In München fühle ich mich wohl, ich habe hier Menschen kennengelernt, die mich unterstützen. Deshalb würde ich gerne in der Stadt bleiben. Jetzt, wo ich meinen Berufssprachkurs abgeschlossen habe, möchte ich gerne eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin machen."

Wegen Homosexualität: "Im Camp bin ich eine Außenseiterin"

Antoinette Batamuliza (39) aus Uganda: "In zwei Monaten werde ich meinen Deutschkurs hoffentlich erfolgreich beenden. Dann möchte ich U-Bahn-Fahrerin werden. Ich bin als Geflüchtete anerkannt, aber lebe immer noch in einem Camp. 2017 bin ich nach Deutschland gekommen und wir waren hier bis zu sechs Frauen in einem Zimmer. Jetzt lebe ich nur noch mit einer Frau zusammen, aber wir verstehen uns nicht besonders gut. Im Camp bin ich eine Außenseiterin. Die anderen wissen, dass ich lesbisch bin und deshalb will niemand etwas mit mir zu tun haben.

Zur Toilette ist es von meinem Zimmer ein sehr weiter Weg – und oft, wenn ich aus dem Zimmer gehe, dann reden die anderen Campbewohner über mich. Sie reden auch so, dass ich sie hören kann. Sie sagen nie etwas Nettes über mich.
Ich hätte gerne ein Zuhause, in dem ich mich frei bewegen kann, ohne beschimpft zu werden."

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