In ARD mit Heino Ferch "Mein Sohn Helen": So wird der Film über Transgender

Langsam beginnt auch Tobias (Heino Ferch) sein Kind (Jannik Schümann) so zu akzeptieren, wie es ist und sein will. Foto: ARD Degeto / Britta Krehl

Der ARD-Film „Mein Sohn Helen“ ist eine rundum gelungene Tragikomödie zum Thema Transgender. Die Vorarb-Kritik der AZ über den Film mit Heino Ferch und Jannik Schürmann.

 

Tobias Wilke (Heino Ferch) ist nervös. Am Flughafen erwartet er seinen 17-jährigen Sohn Finn (Jannik Schümann), der gerade ein Highschooljahr in San Francisco verbracht hat. Finn weiß noch nichts von der neuen Freundin des Vaters, die dieser noch vor seinem Sohn verstecken möchte. Der Koch hat zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau endlich eine neue Lebensgefährtin gefunden. Doch als Finn schließlich vor ihm steht, ist es Tobias, der den Schock seines Lebens bekommt: Finn trägt Frauenkleidung, nennt sich jetzt Helen – und gesteht seinem Vater, er wolle von nun an als Frau leben.

„Das ist ‘ne Phase. Geht vorbei“, redet sich Tobias ein. Aber Helen ist sich sicher: Sie ist transsexuell, geboren im falschen Körper. Schon lange war ihr das klar, sagt sie. Tobias will zunächst nicht wahrhaben, was er bislang nicht einmal erahnt hatte.

Für Helen beginnt eine schwere Zeit. In der Schule wird das Mädchen gemobbt, Freunde äußern ihr Unverständnis. Das Jugendamt verlangt ein psychologisches Gutachten, um seine geschlechtliche Identität zu klären. „Die wollen mich in die Klapse stecken“, fürchtet Helen. In einer dramatischen Wendung erkennt Tobias, dass er jetzt die Entscheidung seines Kindes voll und ganz annehmen muss, um Schlimmeres zu verhindern.

Dass es kein richtiges Leben im falschen Körper gibt, erzählen Gregor Schnitzler (Regie) und Sarah Schnier (Buch) auf intelligente und sehr unterhaltsame Art. Ein qualitativ seltenes Fernsehereignis auf diesem oft seichten Schmonzetten vorbehaltenem Sendeplatz. Das ist vor allem das Verdienst von Jannik Schümann, der Finn/Helen absolut überzeugend spielt, seine Figur ernst nimmt und sie nie der Lächerlichkeit preisgibt. „Das Schwierigste für mich als Schauspieler war, nicht ungewollt ins Transige abzurutschen. Das ist so ein schmaler Grat, auf dem man sich da bewegt. Ich hatte richtig Angst davor, zu versagen“, sagt Schümann, der sich für den Film auch körperlich veränderte, fünf Monate auf Sport verzichtete und Muskelmasse abbaute.

„Ich war in seinem Alter noch weit davon entfernt, so professionell und eindringlich zu arbeiten. Jannik ist ein großes Talent“, lobt Heino Ferch. Das Zusammenspiel der beiden ist großartig. Ferch freut sich über die „sensible, ernsthafte Auseinandersetzung mit einem wirklichen Konflikt“ und ist auch überzeugt davon, dass „Mein Sohn Helen“ helfen kann, Vorurteile abzubauen. Autorin Sarah Schnier hat intensiv recherchiert und eng mit Betroffenen zusammengearbeitet. Nach einer Testvorführung vor Vertreten verschiedener Transgender-Organisationen und Eltern von Transgender-Kindern, wusste sie, dass der Film funktionieren würde. „Das war für mich ein ganz beglückendes Erlebnis. Dass die Resonanz so positiv sein würde, hätte ich nicht zu hoffen gewagt.“

Für ihren engagierten Film hat sich Schnier an ihre Arbeitsmaxime gehalten, die sie von Mary Poppins entlehnt hat: Mit ‘nem Teelöffel Zucker nimmst du jede Medizin. So entstand ein ernster Film mit Raum für komische Momente. Der 22-jährige Jannik Schümann war schon vor „Mein Sohn Helen“ einer der gefragtesten Schauspieler seiner Generation. Er bleibt auch im Erfolg bescheiden, was seine Zukunft angeht: „Ich bezeichne so eine Rolle als ein großes Geschenk. Und man kann nicht davon ausgehen, dass jeder Tag Weihnachten ist.“

ARD, Freitag, 20:15 Uhr

 

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