Impovising Symphony Orchestra Leichte Lockerung für Brahms

Eine nicht völlig geglückte musikalische Lockerung: Das Improvising Symphony Orchestra spielt Brahms. Foto: Roman Novitzky

Das Improvising Symphony Orchestra mit einer Performance nach der Symphony Nr. 3 von Johannes Brahms im Prinzregententheater

 

Der strenge Geschmack von Esoterik liegt in der Luft. Die dezent hippiemäßig gewandeten Musiker stehen um einen Schlagzeuger herum und summen minutenlang etwas, das ein wenig nach „Omm“ klingt. Barfuß sind sie auch noch, und mit geschlossenen Augen sehen sie aus, als befänden sie sich in Trance.

Dass im Prinzregententheater nun ausgerechnet Brahms folgen würde, legte allenfalls der mit einem Hashtag verzierte Name des Programms nahe: #freebrahms. Aber es gab wirklich Musik des Mannes mit dem Vollbart: Ein Geiger kam samt einer Melodie aus der Symphonie Nr. 3 auf die Bühne.

Dann sortierten sich die 26 Musiker des in Berlin beheimateten Stegreif.orchesters beziehungsweise The Improvising Symphony Orchestra zum Hauptthema und ein paar folgenden Takten, um sich sogleich im mehr oder weniger spontanen Spiel zu verlieren. Oder eher etwas sorgfältig geprobtem und choreografisch Ausgearbeitetem, das nur aussah wie eine Improvisation, aber leider steril wirkte.

Viel zu kunstfeierlich

Unter allen Klassik-Komponisten ist Johannes Brahms sicher derjenige, der eine Lockerung am ehesten nötig hat. Aber so recht erschließt sich nicht, wie die Improvisationen der Musiker mit der Vorlage zusammenhängen. Es bleibt recht beliebig innerhalb der Grenzen von Weltmusik und akademischem Jazz, was die Geige, eine singende Oboistin und andere spielen. Von etwas Geklopfe auf den Streicherkorpus einmal abgesehen, wagt nur der Klarinettist ein paar Geräusche. Und in die womöglich anarchisch-unkontrollierbare Sphäre kollektiver Improvisation wagte man sich gar nicht erst vor.

Zwischendrin sorgten kurze Momente aus der Symphonie für eine gliedernde Ordnung. Sätze lang verbreiteten die Musiker spaßbefreit verbissenen Kunstweihe-Ernst, bei dem sie dreinschauten, als sei Herbert von Karajans Geist persönlich in sie gefahren.

Höchstens ein Schwipschen

Die traurigen Gesichter mögen zwar zur gepflegten Melancholie des bärtigen Hamburgers passen. Aber wer darauf gehofft hatte, der von Arnold Schönberg gehütete avantgardistischen Funken von Brahms, dem Fortschrittlichen, würde hier neu entfacht, erlebte eine Enttäuschung. Kurz gesagt, es fehlte an jenem Schmutz, der laut Nikolaus Harnoncourt eigentlich das Beste an der Musik sein sollte.

Erst ganz zum Schluss, beim Finale, kam so etwas wie Lust auf. Da wurde erst getrommelt, dann kamen tanzwillige Zuschauer auf die Bühne. Aber es blieb beim Ansatz zu einem kollektiven Rausch, bestenfalls reichte es für ein Schwipschen. Dann verlor sich der Abend in einem Summchor.

Der Ansatz des Stegreif.orchesters ist löblich, ist aber nicht respektlos genug. Und wer einmal – beispielsweise – die Osttiroler Musikbanda Franuni mit Mahler und Schubert gehört hat, der weiß, dass es auch weniger brav und esoterisch angehaucht geht.

 

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