Immer weniger Tiere Wo sind die Fische vom Tegernsee?

Angler versuchen am Tegernsee ihr Glück. Momentan dürften sie es schwer haben, wie Tauchlehrer Nicki Groiss sagt. Fischarten wie die Aalrutten (kleines Bild) sieht er bei seinen Tauchgängen immer seltener. Foto: ho

Vor allem Hechte sieht man immer seltener im Tegernsee, klagen Taucher. Die Gründe sind rätselhaft. Die Wasserqualität ist sehr gut und Nahrung gibt’s im Überfluss.

 

Tegernsee - Bei seinen Tauchgängen im Tegernsee hat Nicki Groiss eine beunruhigende Beobachtung gemacht. Der Fischbestand im See beginnt sich offenbar zu verändern. Vor allem Hechte, Aalrutten und andere Raubfische werden seltener gesichtet.

Zwei bis dreimal die Woche steigt Tauchlehrer Nicki Groiss in den See. Doch unter Wasser ist er immer öfter alleine. Kein Fisch weit und breit. „Bei 50 Tauchgängen habe ich bis jetzt nur zwei kleinere Hechte und eine Schleie gesehen“, berichtet er. „Alle Stellen, die ich kenne, an denen man bis vor zwei oder drei Jahren garantiert immer einen Hecht traf, sind inzwischen leer.“

Die „Schweinebucht“ bei Rottach ist so ein Platz. Unter den Blättern von Seerosen lauerten dort bisher immer einige Hechte auf Beute. Ähnlich ist es am „Holz“, dem Seebereich nahe der Spielbank bei Bad Wiesee. „Hier hab’ ich früher immer Hechte beobachtet“, berichtet der Tauchlehrer.

Süßwasserkrebse sind bereits komplett verschwunden

Auch Seeforellen, Schleien und Aalrutten soll es im Tegernsee weniger geben. Süßwasserkrebse seien komplett verschwunden, erzählen Taucher. Dies könne mit dem großen Hochwasser 2013 zusammenhängen. Damals wurde Abwasser und auch Öl in den See geschwemmt.

Bei Raubfischen haben Experten allerdings keine Erklärung. „Am Wasser kann es nicht liegen“, sagt Gerhard Brandl, Sprecher des Landratsamts in Miesbach. „Der Tegernsee hat Trinkwasserqualität.“ Allerdings ist der See wegen der anhaltenden Hitze inzwischen relativ warm. Die Fische könnten in tiefere Bereiche gewechselt sein.

Am Nahrungsangebot kann es jedenfalls nicht liegen. „Kleine Fische gibt es jede Menge“, betätigt Nicki Groiss. Dafür sorgt auch die große Fischzucht am See. Jedes Jahr werden neue Jungfische ausgesetzt.

Woran liegt es also dann? „Das ist wie mit den Schwammerl im Wald. Im einen Jahr gibt es mehr, im anderen weniger“, sagt Christoph von Preysing, Fischereibeauftragter im Landkreis Miesbach. Alleine in diesem Jahr habe man 1,8 Millionen Jungfische im See ausgesetzt.

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Der Fachmann glaubt, dass sich die Fische in tiefere Regionen zurückgezogen haben. „Sogar Rotaugen fangen wir im Sommer auf rund 30 Meter“, berichtet Preysing. „Der Bestand an Renken und Hechten ist sehr gut, Seesaibling und Seeforelle ist im kommen.“ Gründe seien veränderte Wassertemperaturen und die Verbreitung von Fisch fressenden Vögeln wie dem Kormoran. „Es ist ein bisserl schwieriger geworden“, sagen Angler. Manch einer im Tal schiebt ihnen den schwarzen Peter zu. Es würden zu viele Lizenzen vergeben, kritisieren manche.

Im Landratsamt allerdings bestreitet man den Vorwurf, dass auf dem Tegernsee zu viele ihre Angel auswerfen.

 

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