"Immer voller und gefährlicher" Diese Münchnerin will nicht mehr in die Innenstadt radeln

Zu voll, zu eng, zu wild: Ingrid O. aus Moosach radelt nur noch dort, wo’s ruhiger zugeht. Foto: Daniel von Loeper

Die Polizei meldet wieder mehr Unfälle mit Fahrrädern. In der AZ spricht eine 64-jährige Münchnerin, die nicht mehr in die Stadt radeln mag.

 

München - Frühlingshafte Temperaturen, die Bäume treiben, Blümchen blühen am Wegesrand: Der Frühling lockt die Münchner wieder zu Tausenden aufs Rad.

Doch nur die wenigstens Routen taugen für einen Zweirad-Ansturm. Die meisten Radwege sind nicht dafür ausgelegt, dass gemütlich dahin rollende Fahrer, Mütter mit Kinder-Lastenrädern und Biker, die ihre eigene Rekordzeit brechen wollen, problemlos aneinander vorbeikommen. Nicht zu vergessen die Radl-Rambos, denen offenbar alle Verkehrsregeln egal sind.

Münchnerin fuhr 45 Jahre mit dem Rad zur Arbeit

Vor allem ältere Münchner fühlen sich auf vielen Strecken nicht mehr sicher. Eine von ihnen ist Ingrid O.: Die Moosacherin (64) war immer sehr sportlich – und ist es noch. Als Mädchen gewann sie mit ihrem Schwimmverein viele Preise. Und bis heute geht die frühere Altenpflegerin täglich ins Dantebad, um 1.000 Meter zu schwimmen. Ein Auto kann sie sich nicht leisten, ihr Hauptverkehrsmittel war immer das Fahrrad. Damit fuhr die Altenpflegerin tagtäglich in die Arbeit – fast 45 Jahre lang. Doch heute traut sie sich oft nicht mehr: "Es wird überall immer voller und gefährlicher."

Die von vielen genutzten Radwege in die Innenstadt entlang der Dachauer oder Nymphenburger Straße meidet die 64-Jährige schon seit längerem. "Die Radwege sind zu schmal." Mittlerweile fährt sie gar nicht mehr mit dem Rad in die Stadt.

Rechts überholt – oder sogar gleichzeitig rechts und links – und dann auch noch geschnitten zu werden, all das hat die Rentnerin schon oft erlebt. Auch durch Geisterfahrer wurde sie schon gefährdet. "Oft sind es die jungen Männer", sagt sie.

"Ich bin im Laufe der Jahre sicher schon fünf Mal gestürzt. Aber bislang habe ich immer Glück gehabt." Heute fährt Ingrid O. nur noch dort regelmäßig, wo es ruhiger zugeht: etwas außerhalb, am Lußsee zum Beispiel.

Radsicherheit in München: Die neuen Unfallzahlen

Letztes Jahr war kein gutes Jahr für die Verkehrssicherheit in München und dem Landkreis: Mehr Unfälle, mehr Verletzte – so lautet die Nachricht in Kurzform. Mit 26 Toten gab es 2018 nur einen Verkehrstoten weniger als 2017, meldet das Polizeipräsidium München.

Besonders erschreckend: Senioren sind immer öfter in Unfälle verwickelt (ein Plus von 7,5 Prozent). Und die Zahl der Schulwegunfälle hat sich tragischerweise um beinahe 30 Prozent erhöht.

  • Überblick: Die Zahl der Verkehrsunfälle ist um 2,5 Prozent gestiegen. Die Münchner Polizei hat 2018 insgesamt 54 558 Verkehrsunfälle registriert.
  • Bei tödlichen Verkehrsunfällen starben 26 Menschen, darunter zwei Kinder im Alter von 9 und 11 Jahren.
  • Die, die schutzlos unterwegs sind, sind besonders gefährdet: 14 Verkehrstote waren Fußgänger und Radler. Sie stellen damit über die Hälfte der 26 Verkehrstoten 2018.
  • Zehn Senioren kamen letztes Jahr im Straßenverkehr ums Leben. Insgesamt 911 Senioren über 65 Jahren wurden bei Unfällen verletzt. Damit ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung alter Menschen gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Prozent auf insgesamt 4176 gestiegen.
  • Die Polizei teilt mit: Fast zwei Drittel der Unfälle, an denen Senioren beteiligt waren, sind von den alten Menschen verursacht worden.
  • Der schöne und lange Sommer 2018 könnte mit eine Ursache dafür sein: Stark gestiegen ist die Zahl der Motorrad-Unfälle. Um 7,7 Prozent sind die Unfälle auf 710 hochgeschnellt. 564 Motorradfahrer wurden dabei verletzt, fünf sind gestorben.
  • Abbiege-Drama: Bei jedem achten Unfall mit Radfahrern hat laut Polizei ein Auto oder Lastwagen beim Rechtsabbiegen das Radl übersehen.

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