Immer neue Enthüllungen ADAC: Mit Rettungsflieger in den Ägypten-Urlaub

Immer neue Enthüllungen: Der ADAC kommt nicht zur Ruhe. Foto: dpa

Der ADAC kommt nicht zur Ruhe: Jetzt wird berichtet, dass eine Ex-Führungskraft ihren Sohn im ADAC-Jet in den Ägypten-Urlaub schickte

München
- Die Personalie hatte vor einem Jahr schon intern für Fragezeichen gesorgt: Am 20. Februar 2013 war eine ADAC-Topmanagerin als Geschäftsführerin der ADAC-Service-Gesellschaft zurückgetreten. Die "Bild" hat jetzt enthüllt, warum:

 

Im August 2012 hatte der Sohn der Juristin mit seinem Freund den Abflug zum Tauchurlaub nach Ägypten verpasst. Die Managerin, zu deren Aufgaben auch der „Aero-Dienst“ gehört, organisierte dem Jungen kurzerhand zwei Plätze im ADAC-Rettungsflieger, einem mit Intensivmedizin-Geräten ausgerüsteten Ambulanz-Jet für schwere Notfälle, der normalerweise verletzte Urlauber aus dem Ausland in die Heimat zurückbringt.

Laut ADAC-Richtlinien ist das "ein schwerer Missbrauch von Rettungsgerät". Laut "Bild" flog der Managerinnen-Sohn Anfang August von Nürnberg aus rund 3392 Kilometer in den ägyptischen Badeort Sharm El-Sheik am Roten Meer. An Bord war neben dem Piloten auch ein Notarzt, der einen kranken Deutschen aus Ägypten abholen sollte. Die Jungen saßen auf Notsitzen, die im Flieger für Angehörige von Verunglückten vorgesehen sind. Ein Kollege verpetzte die Managerin, die Innenrevision ermittelte - und sie flog raus.

Auch der "Stern" wartet mit neuen Enthüllungen auf: Danach durfte nicht nur ADAC-Präsident Peter Meyer, sondern auch die 18 Vorsitzenden der ADAC-Regionalclubs die gelben Rettungshubschrauber zu Flügen nutzen - insgesamt seien es aber weniger als 30 Flüge des Präsidiums in den letzten zehn Jahren gewesen.

Auch andere PR-Flüge hat es offenbar gegeben: So startete laut "Stern" am 6. Oktober 2007 eine Maschine vom Flughafen Braunschweig, um dem Fotografen eines lokalen Wochenblattes Fotos aus der Luft zu ermöglichen. Mit an Bord war auch die Frau des Wochenblatt-Verlegers. Der war ein Parteifreund des damaligen Vorsitzenden des ADAC-Regionalklubs Niedersachsen Sachsen-Anhalt. Der ADAC bestätigte den Flug. Wer aber in der Maschine gesessen habe, sei dem ADAC nicht bekannt.

Die Enthüllungen über manipulierte Abstimmungen und Dienstflüge mit dem Rettungshubschrauber kratzen auch am bisher untadeligen Bild des ADAC. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" haben 46 Prozent der Deutschen eher geringes (29 Prozent) oder sehr geringes (17 Prozent) Vertrauen in den Automobilclub. Nur noch 44 Prozent äußern eher großes (33 Prozent) oder sehr großes (11 Prozent) Zutrauen in die über 100 Jahre alte Vertretung der Autofahrer. Ein Teil der rund 19 Millionen ADAC-Mitglieder möchte sogar persönliche Konsequenzen ziehen: Nach der Umfrage überlegen 7 Prozent, mithin gut 1,3 Millionen Mitglieder, den Pannendienst zu verlassen. 60 Prozent aller Befragten (und 54 Prozent der befragten ADAC-Mitglieder) wünschen, dass der Verein sich künftig überwiegend auf den Pannendienst konzentrieren soll.

Der Autoclub ADAC reagiert auf die anhaltende Kritik und will sich neu aufstellen. „Wir glauben, dass wir nur durch eine grundlegende Reform die aktuellen Schwachstellen beheben können“, teilte ADAC-Präsident Peter Meyer am Mittwoch in München mit. Die Struktur des Vereins und seiner wirtschaftlichen Aktivitäten werde daher überprüft. Die Mitglieder sollen mehr eingebunden werden. In einer außerordentlichen Hauptversammlung soll die Neuausrichtung beschlossen werden.

 

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