Immer mehr Rentner betroffen Die Angst vor der Altersarmut: So sorgen Sie vor!

Am Lebensabend nur wenig Geld zur Verfügung haben – diese Sorge treibt viele Senioren um. Foto: imago

Zwei von drei Deutschen glauben, dass ihnen das Geld im Ruhestand nicht reicht. Wen es tatsächlich trifft und wie Sie den Lebensstandard später halten können.

 

München - Es ist eine Zahl, die nachdenklich macht. Fast jeder dritte Berufstätige in Deutschland hat Angst, im Alter nicht mit dem Ersparten auszukommen. 61 Prozent haben laut Studie der Marktforschungsfirma Research Now Angst vor Altersarmut.

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Altersarmut: Die Betroffenen

Vor allem das Armutsrisiko der Frauen steigt signifikant. Während bei den Männern ab 65 Jahren die Quote mit 13 Prozent vergleichsweise niedrig ist, sind allein 18 Prozent aller Frauen ab 65 Jahren armutsgefährdet. Alleinstehende Frauen, Menschen ohne Berufsausbildung und Langzeitarbeitslose sind laut einer Studie, die auf Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) fußt, mit am stärksten betroffen.

Hinzu kommen Teilzeitkräfte, Minijobber sowie Selbstständige Ein-Mann-Unternehmer, die nie in die Rentenkasse eingezahlt haben. Vor allem aber trifft es Alleinstehende – hier ist jede dritte Person von Altersarmut bedroht. Die Armutsgefährdungsgrenze lag in Deutschland 2016 bei 1063,75 Euro pro Monat – das sind 60 Prozent des mittleren Einkommens.

Altersarmut: Die Ursachen

Fallen für Altersarmut gibt es viele – oft betroffen sind zum Beispiel Frauen, deren Ehe gescheitert ist oder die lange nur in Teilzeit gearbeitet haben. Unterbrechungen des Berufslebens, prekäre Arbeitsverhältnisse im Niedriglohnsektor sowie sinkende Renten sind die Hauptgründe für Altersarmut. Dazu kommen steigende Mieten in Ballungszentren wie München sowie immer höhere Preise für Lebensmittel und Kleidung. Ebenso ein Faktor: die Niedrigzinsen.

Altersarmut: Die Einsamkeit

Allein im Abwärtssog – vor allem aber bedroht Altersarmut immer mehr Einsame. Großbritannien hat sogar ein Regierungsposten gegen Einsamkeit eingerichtet. Ins Bewusstsein dringt auch, dass Einsamkeit krank machen kann. Der Bericht einer Einsamkeits-Kommission in London kam zu dem Schluss: Einsamkeit ist genauso gesundheitsschädigend wie täglich 15 Zigaretten.

Altersarmut: Die Politik

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, sagt, die Betroffenen hätten es sich häufig nicht selbst ausgesucht, alleinstehend zu sein. "Das verpflichtet die Gemeinschaft, diesen Menschen zu helfen." Wie weit reicht die Verantwortung der Politik? Die Abgeordneten haben zwar den Mindestlohn eingeführt, die abschlagsfreie Rente mit 63 sowie die Mütterrente auf den Weg gebracht und die Grundsicherung erhöht (aktuell 416 Euro für Alleinstehende) – große Schritte, um Altersarmut zu bekämpfen, sind das aus Sicht vieler Kritiker allerdings nicht.

Altersarmut: Die andere Sicht

Eine ganz andere (und wohl exklusive) Meinung zum Thema hat Franz Ruland, früher Geschäftsführer des Verbandes der Rentenversicherungsträger und Vorsitzender des Sozialbeirats der Regierung. Für eine Dramatisierung der Altersarmut bestehe "kein Anlass". Da die Renten bis 2030 um 34 Prozent stiegen und damit stärker als die Preise, werde durch den Kaufkraftanstieg der Renten "Altersarmut tendenziell eher abnehmen".

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Altersvorsorge: Tipps gegen Armut in der Rente

Zehn Tipps, wie Sie sich vor einer Armut im Alter schützen können:

1. Frühzeitig vorsorgen: Mit 30 Jahren haben viele andere Dinge als die Rente im Kopf. Trotzdem ist Altersvorsorge (AV) wichtig. Denn die Rente allein reicht oft nicht aus, um im Alter frei von Finanzsorgen leben zu können.

2. Bedarf ermitteln: Wollen junge Leute später den Standard halten, reichen laut Experten 80 Prozent des letzten Netto aus. So lässt sich auch die Rentenlücke ermitteln.

3. Puffer einplanen: Im Erwerbsleben können unerwartete Ereignisse wie Jobverlust eintreten. Als Puffer hierfür sind drei Monatsgehälter empfehlenswert.

4. Geld flexibel anlegen: Sparraten können so ausgesetzt werden. Und eine anfangs kleinere Rate lässt sich in der Höhe anpassen. Zu starre Produkte sind notfalls nur mit Verlusten kündbar.

5. Mehr Rendite heißt mehr Risiko: Keine Geschäfte mit Totalverlustrisiko eingehen! Wenn’s ein bisserl mehr sein soll, auf Fonds oder ETFs setzen. Sparpläne eignen sich ebenso. Unpassend sind aktuell Lebensversicherungen.

6. Staatliche Produkte nutzen: Frauen sollten mehr als nur den Mindestbetrag in der Riester-Rente ansparen.

7. Beim Arbeitgeber nachfragen: Etwa wegen vermögenswirksamer Leistungen oder einer Betriebsrente.

8. AV nicht kündigen: Hier geht Geld verloren, weil Kunden oft nur den geringeren Rückkaufswert erhalten. Besser: eine Beitragsfreistellung.

9. Auf Kosten achten: Bei vielen Produkten sind Gebühren und Ausgabeaufschläge hoch – das schmälert die Rendite.

10. Elternzeit teilen: Darauf sollten sich die Partner einigen. Dann muss keiner lange aus dem Beruf aussteigen.

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