Im Tal der Tränen Autohersteller stellen sich auf schwierige Jahre ein

PARIS Gute Miene zum bösen Spiel: „Wir sind Freunde“, knirschte Fiat-Chef Sergio Marchionne am Freitag, als er mit VW-Chef Martin Winterkorn für ein Foto posierte. Kurz zuvor hatten sich die „guten Freunde“ bei einer Sitzung des Autohersteller-Verbandes ACEA beharkt. Danach stand fest: Marchionne bleibt weiter ACEA-Chef, auch wenn VW öffentlich seinen Rücktritt verlangt hatte.

 

In der Autobranche liegen die Nerven blank – dies zeigt sich zurzeit auf dem Pariser Autosalon. Besonders die Massenhersteller leiden unter der Schuldenkrise. Fiat beispielsweise: Der Hersteller fuhr ohne die US-Tochter Chrysler bis Ende Juni einen Verlust von über 500 Millionen Euro ein. Der Kernmarkt des Herstellers ist Europa, und hier vor allem der Süden – genau die Region, die von der Schuldenkrise am härtesten getroffen wird. In seiner Not griff Fiat-Chef Marchionne Volkswagen an – durch eine ruinöse Preispolitik richte VW ein „Blutbad" an, holzte er.

Auch das Ford-Management ist nervös. Es rechnet im Europageschäft im laufenden Jahr mit über einer Milliarde Euro Verlust. Peugeot-Citroen will nach 819 Millionen Euro Verlust im letzten Halbjahr 8000 Stellen streichen und eine Fabrik schließen. Sparen muss auch Daimler – eine halbe Milliarde Euro soll nun unter anderem dadurch hereinkommen, dass in Sindelfingen nur noch eine Schicht gefahren wird. Dem Betriebsrat ist das gar nicht recht, denn er fürchtet um Nachtzulagen für die Beschäftigten.

Einigermaßen gut geht es dagegen Volkswagen. Allerdings stellen sich auch die Wolfsburger auf magere Jahre ein. „Wir fahren auf Sicht“, sagte Produkt-Vorstand Chistian Klingler. „Wir erwarten in den nächsten ein bis zwei Jahren keine fundamentale Verbesserung.“ Im Werk der VW-Tochter Audi in Neckarsulm, in dem unter anderem der A6 und der A8 produziert werden, sollen in der ersten Oktoberwoche die Bänder stillstehen. Offiziell weist Audi allerdings Berichte, die Betriebspause habe mit Absatzproblemen in Europa zu tun, zurück. Eine Audi-Sprecherin sprach von einem ganz normalen Vorgang. Es handle sich um eine „vorausschauende Fahrweise“.

Auf einer Insel der Seligen lebt dagegen BMW. Der Absatz der Münchner wuchs im September um über zehn Prozent. In Deutschland will der Konzern 3000 Mitarbeiter fest einstellen, vor allem aus den Reihen der Leiharbeiter. Vertriebsvorstand Ian Robertson erlaubt sich einen entspannten Blick auf den Markt: Die Sorgen in Europa verstellten den Blick auf den Rest der Erde, wo der Absatz gut laufe: „Die Welt erscheint düster, aber sie ist es nicht.“ sun

 

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