"Im Sozialismus gibt es kein Defizit" Waigels dunkle Erinnerung an Honeckers Finanzpolitik

Der frühere Finanzminister Theo Waigel (CSU) im historischen Rathaussaal in Passau Foto: dpa

Für den früheren Bundesfinanzminister Theo Waigel folgte der freudigen Maueröffnung vor 25 Jahren eine böse Überraschung: die Entdeckung der völlig maroden DDR-Finanzen.

 

München -  Waigel erreichte die Nachricht von der Maueröffnung am Abend des 9. November 1989 bei einer Wahlkreisveranstaltung im schwäbischen Illerberg. "Wir wussten nach der Grenzöffnung zwischen Österreich und Ungarn und den Ereignissen in der Prager Botschaft, dass die DDR-Führung etwas unternehmen musste", sagte Waigel. "Dass dann die völlige Freigabe kam, war eine Überraschung."

Zu dem Zeitpunkt habe er auch gewusst, dass ein ausgeglichener Bundeshaushalt im nächsten Jahr nicht mehr möglich sein würde. Aber niemand habe den Überblick über die wahre finanzielle Lage der DDR gehabt. Waigel berichtete, was ihm ein SED-Politiker damals erzählte: "Als Erich Honecker informiert wurde, dass im Staatshaushalt ein Loch von 12 Milliarden Ostmark klaffte, hat er gesagt: Das kann nicht sein, im Sozialismus gibt es kein Defizit." Die Lösung: "Deswegen wurden am nächsten Tag die Zahlen manipuliert, und Honecker hat gesagt: Na also, geht doch."

Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder habe ursprünglich damit gerechnet, dass die Betriebe der DDR 500 Milliarden Mark wert sein könnten. Wenige Monate später habe er dann gesehen, "dass die Treuhand damit ein Minus von über 200 Milliarden einfahren würde".

 

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