Im Sommer könnte Ayre übernehmen Löwen-Sportdirektor: Der Problem-Posten

„Wir verlassen uns auf den Trainer“, meint Vereinsboss Cassalette (l.). In puncto Transfers hat Pereira das letzte Wort. Foto: sampics/Augenklick

Noch immer ist das Amt des Sportdirektors beim TSV 1860 unbesetzt. Der neue Trainer Pereira und Geschäftsführer Power kümmern sich um diese Aufgaben. Im Sommer könnte Ayre übernehmen.

 

München - Am 5. Dezember nahm das Theater in Giesing seinen Lauf. Der TSV 1860 trennte sich von Thomas Eichin, der vorher schon vom Sportchef und Geschäftsführer zum Sportdirektor degradiert worden war. Was sich nach dessen Demontage durch Investor Hasan Ismaik tagelang angedeutet hatte, wurde Realität. Seither ist das Büro im rechten Flügel der Geschäftsstelle nicht mehr besetzt. Zumindest nicht mit einem neuen Sportdirektor.

Böse könnte man meinen, dass der, der diese Arbeitsräume bezieht, sich auch keine große Mühe mit der Innenausstattung machen müsste. Lange waren die Engagements nie, sechs Sportdirektoren verschlissen die Löwen in ebenso vielen Jahren. Aktuell ist die Stelle also vakant.

Und soll es laut Sechzig-Präsident Peter Cassalette auch bleiben. Vorerst. Denn der neue Coach Vitor Pereira hat in einem Interview dezent Ansprüche angemeldet, künftig mit einem (wohl eher gleichgestellten) Funktionär zusammenarbeiten zu wollen. Bis dahin weitet er seine Kompetenz auch auf Transferfragen aus.

„Wir verlassen uns da auf den Trainer“, meinte Vereinsboss Cassalette kürzlich im Gespräch mit muenchen.tv. „In der jetzigen Konstellation brauchen wir nicht einen Sportdirektor, wie wir sie in der Vergangenheit hatten. Ich sage es mal auf Deutsch: Das Geld können wir uns sparen.“

Deswegen ginge Sechzig einen anderen Weg und lasse „das ganz eng vom Trainer machen“. Die Abwicklung, Verträge und so weiter, könne Pereira jedoch nicht übernehmen, erzählte Cassalette, „da haben wir andere Leute dafür“.

Pereira rekrutiert, Power handelt die Arbeitsbedingungen aus

Mit „anderen Leuten“ ist wohl Interims-Geschäftsführer Anthony Power gemeint. Der US-Amerikaner hat, von vielen wegen seiner angeblichen Nicht-Kompetenz im Fußballgeschäft belächelt, zuletzt nicht den allerschlechtesten Job gemacht.

Er realisierte die Deals mit Abdoulaye Ba (vom FC Porto ausgeliehen), Leihspieler Lumor und verpflichtete den Brasilianer Amilton fest bis 2020 (beide Portimonense SC). Alle drei sind Wunschspieler seines portugiesischen Trainers, der im Interview mit dem „Kicker“ unmissverständlich „mehr Qualität“ gefordert hatte. Benennt man die Arbeitsteilung, so ist Pereira wohl fürs Rekrutieren zuständig, Power handelt die Arbeitsbedingungen aus.

„Ich teile meine Wünsche Hasan Ismaik mit und spreche nicht mit den Spielern oder den Beratern direkt. Alle weiteren Schritte regelt der Verein“, erzählte der 48-jährige Trainer. „Es wird allerdings kein Spieler kommen, den ich nicht will.“ Sein großes Selbstvertrauen ist hinlänglich bekannt.

Pereira fordert Professionalisierung 

Dennoch reicht es offenbar nicht so weit, sich zu viele Aufgaben aufzubürden. Pereira, Trainer und Sportdirektor in Personalunion? Von diesem Gedanken wird man sich wohl verabschieden müssen. Denn der Portugiese sagte auch: „Ein Verein, der groß werden will, darf nicht nur sagen, dass er groß werden will. Er muss sich professionalisieren. Das versuchen wir in jedem Bereich.“ Ein eindeutiger Fingerzeig.

Ba, Amilton, Lumor: Schon mitten unter den Löwen

Der Posten soll wohl am liebsten mit dem Engländer Ian Ayre besetzt werden, der zum Sommer seine Arbeit als Vorstandsvorsitzender des FC Liverpool beendet. Der 53-Jährige, der aktuell mit dem ehemaligen Dortmunder Jürgen Klopp zusammenarbeitet, wäre wohl genau einer aus der Kategorie, wie sich Ismaik seine Führungskraft vorstellt.

Es ist ein mögliches Planspiel, das der Jordanier nie verneinte. Ob er nun auch ihn von seinem Projekt in Giesing überzeugen kann? Patrick Mayer

 

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