Im Deutschen Theater "Let It Be"-Musical: Das Konzert, das es nie gab

Die Show "Let It Be" im Deutschen Theater. Foto: Julia Russell

Die Beatles gastieren noch bis Sonntag im Deutschen Theater – zumindest im Musical "Let It Be".

 

Da kommt noch was, sagt der Nachrichtensprecher aus dem Off. Auf den vier großen Bildschirmen vor der Bühne laufen grobkörnige Schwarz-weiß-Aufnahmen von 1963, und der Sprecher prophezeit: Die Geschichte dieser vier jungen Musiker aus Liverpool ist noch lange nicht zu Ende. Der Mann hatte Weitsicht: 55 Jahre später sind die Beatles noch immer die berühmteste Band der Welt. Und das Deutsche Theater ist bei der Premiere der Tribute-Show "Let It Be" ausverkauft.

Mit dem Ende des Nachrichtenbeitrags hebt sich der Bühnenvorhang, die Trommel wirbeln einen halben Takt und schon kommt der erste Refrain: "She Loves You, yeah yeah yeah!" Die Show, die am Londoner West End und am Broadway lief, verschwendet keine Zeit für eine gekünstelte Rahmenerzählung: Hier folgt einfach Song auf Song, yeah yeah yeah. Und ohnehin reichen die wechselnden Outfits, die Bühnenbilder und die Musik, um eine Story zu erzählen: Sie handelt von einer ununterbrochenen kreativen Explosion, von der musikalischen Entwicklung der Beatles zwischen 1963 und 1969. Los geht’s mit der "Royal Variety Performance", einem Auftritt vor der königlichen Familie in London. Die vier Darsteller sehen auf lustige Weise aus wie die Madame Tussaud-Figuren der Beatles, starkes Make-Up soll die nicht mehr blutjungen Musiker in die frühen Fab Four verwandeln.

In das Konzert von 1963 schmuggeln sie das spätere "Yesterday" ein, solo gespielt vom italienischen Paul-Darsteller Emanuele Angeletti. Der ist Rechtshänder und spielt die Akustikgitarre auch entsprechend. Aber für seine Bass-Parts hat er gelernt, wie McCartney zu spielen, also linkshändig.

Die zweite Station ist das New Yorker Shea Stadium 1965. Die vier tragen lohfarbene Jacketts im Militarystyle, auf der Bühne stehen Absperrungen, und über "I Feel Fine" und "Day Tripper" liegen mächtiger Stadion-Hall und Zuschauergekreische. Das Publikum im Deutschen Theater kreischt nicht, feiert aber bei "Twist and Shout" stehend, tanzend und singend.

Die nächste Umbau- wird zur Werbepause, auf den Bildschirmen laufen TV-Spots der Sechziger: Schwarz-weiße Menschen fragen ihre Nachbarn höflichst, ob sie angesichts unerwarteten Besuchs mit ein paar Flaschen Coca-Cola aushelfen könnten. Und das HB-Männchen garantiert, die Zigaretten seiner Marke könne man "frohen Herzens genießen". Nach diesen Werbespots aus einer vollends fremden Epoche geht es mit Musik weiter, die heute so frisch klingt wie damals.

Die psychedelischen Songs des Jahres 1967 gehören zu den Highlights der Show, "A Day In The Life" etwa und das düster funkelnde "Strawberry Fields Forever". Die Stücke lassen sich live nur spielen, weil jetzt der musikalische Leiter der Show, Michael Bramwell, die vier Männer in den Sgt.-Pepper-Uniformen am Keyboard unterstützt.

Diese Songs seien zwar aufwendig zu arrangieren, wird er im Gespräch nach der Show sagen, doch ungleich schwieriger sei es, Sound und Feeling der frühen Beatles-Phase zu treffen. Und tatsächlich: Auch wenn sich die vier bei Liedern wie "I Want To Hold You Hand" wacker geschlagen haben, viel lebendiger wird die Show in der mittleren und späten Beatles-Zeit.

Die spielt vor dem Abbey Road-Zebrastreifen, die vier tragen dieselbe Kleidung wie auf dem LP-Cover, Paul spielt im Anzug und barfuß, und der weißgewandete John fordert die Zuschauer bei "Get Back" auf, im Stehen zu rocken. Das Programm schließt passend mit "The End", die Band ist am Ende des Oeuvres angelangt. Doch jetzt ist erst Pause. Und nun?

Im zweiten Teil der Show spielt die Band ein fiktives Comeback-Konzert anlässlich John Lennons 40. und letztem Geburtstag im Oktober 1980: mit Album-Nummern wie "Because" und "Got To Get You Into My Life", mit einem krachenden Rock’n’Roll-Medley, mit "Here Comes The Sun", bei dem die Sonne aufgeht, und vor allem mit vielen Solo-Hits. Damit unterscheidet sich die "Let It Be"-Show stark von der Version, die 2014 im Circus Krone zu sehen war. Am meisten bejubelt wird George Harrisons Cover-Hit "Got My Mind Set On You", lustigerweise einer der wenigen Songs des Abends, die kein Beatle geschrieben hat.

Die Zugabe gehört dann allein Paul McCartney, mit "Back in The U.S.S.R.", "Let It Be" und "Hey Jude". Da kürzen die Musiker den A-Teil ab, damit die Zuschauer früher in den Endlos-Chorus einsteigen können. Der Song sei immer und überall der populärste, sagt Michael Bramwell hinterher.

Aber das Publikum ist auch schon vorher begeistert von dieser liebevoll arrangierten, gut gespielten und charmanten Show, die wohl auch in fünfzig Jahren noch funktionieren könnte.


Noch bis Sonntag, heute 19.30 Uhr, Sa 15 und 19.30 Uhr, So 14.30 und 19 Uhr, Karten: 089 55234444

 

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