Im AZ-Interview EHC-Star Jaffray: "Das Feuer in mir brennt noch"

"Endlich fühle ich mich wieder wie ein Eishockeyspieler", sagt Jaffray nach seiner langen Verletzungspause. Foto: GEPA pictures/Ulrich Gamel

Jason Jaffray, Stürmerstar des EHC München, spricht exklusiv in der AZ über sein Comeback nach langer Verletzungspause, die Gedanken an ein Karriereende und seine neue Rolle in der Mannschaft.

 

München - Jason Jaffray (38) spielt seit 2015 beim EHC Red Bull München, holte drei Mal die Meisterschaft. Nach fast einjähriger Verletzungspause gab er kürzlich sein Comeback.

AZ: Herr Jaffray, schön, Sie wieder auf dem Eis beim EHC Red Bull München zu sehen. Wie oft haben Sie denn in Ihrer einjährigen Verletzungspause gedacht, das war es mit meiner Karriere?
JASON JAFFRAY: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass genau dieses Szenario nicht irgendwo immer in meinem Hinterkopf war – und ich würde auch lügen, wenn ich behaupten würde, dass diese Zeit einfach gewesen wäre. Es war physisch sehr herausfordernd, aber auch mental, emotional. Hüftverletzungen sind immer problematisch, besonders, wenn man dann auch 38 Jahre alt ist, der Körper regeneriert dann einfach nicht mehr so wie mit 20 oder auch mit 30. Irgendwann war einfach klar, dass ich unters Messer muss, dass mich monatelange Reha erwartet. Ich musste mir selber darüber klar werden: Will ich das überhaupt noch? Will ich mir all das antun, nur, um noch einmal wieder auf dem Eis zu stehen?

Die Antwort lautet offensichtlich ja.
Offensichtlich (lacht). Ich habe einfach festgestellt, dass ich immer noch jeden Tag Spaß habe, mit den Jungs in der Kabine zu sein, dass ich es immer noch liebe, auf dem Eis Schlachten zu führen. Ich habe festgestellt, dass dieses Feuer immer noch in mir brennt. Ich habe dann mit meiner Familie darüber gesprochen, denn es war klar, dass wir lange getrennt wären.

Sie haben Ihre Reha in Liefering gemacht, die Familie war in München. 
Ja. Wir haben uns dann entschieden, dass meine Familie erst einmal zurück nach Kanada geht, während ich mich voll auf die Reha konzentriere. Das war natürlich für uns alle sehr hart, und wir mussten alle viele Opfer dafür bringen. Ich kann auch gar nicht oft genug erwähnen, wie dankbar ich den Ärzten und Physios in Liefering bin. Sie haben mich nicht nur fit gekriegt, gerade mein Physio war wie eine Ersatzfamilie für mich. Er ist mit mir in die Berge gegangen, hat mich zu seiner Familie eingeladen. Er musste mich vier Monate fast jeden Tag ertragen. Ich glaube nicht, dass ich das Comeback ohne ihn überhaupt geschafft hätte.

EHC-Spieler Jason Jaffray: "Jetzt fühle ich mich endlich wieder wie ein Eishockey-Spieler"

Und dann das Comeback.
Das war für mich das allerschönste Weihnachtsgeschenk. Die Leute, die mich hier schon lange kennen, sagen, dass ich die ersten beiden Spiele dieses komische Grinsen einfach gar nicht aus meinem Gesicht gekriegt habe. Ich war einfach nur glücklich. Ich glaube nicht, dass ich dem Team anfangs wirklich weitergeholfen habe, aber ich war einfach nur froh. Aber jetzt fühle ich mich endlich wieder wie ein Eishockey-Spieler, endlich wieder wie Jason Jaffray.

Man hat das Gefühl, dass sich Ihre Rolle im Team etwas gewandelt hat, dass Sie noch mehr mit Physis vorausgehen?
Nun, ich habe es immer genossen, genau dort zu spielen, wo es auch wehtut und viele möglichst gar nicht erst hingehen. Ich sehe es so, die Stärke der Red Bulls war immer, dass wir auf der einen Seite unglaublich talentierte Spieler hatten, wir aber andererseits so gespielt haben, dass wir es dem Gegner immer extrem unangenehm gemacht haben, gegen uns zu spielen. Ich denke, dass dieser Aspekt in den letzten Spielen, in denen wir eine leichte Schwächephase hatten, etwas abhanden gekommen ist. Ich gehe jetzt voran, um dieses Element in unser Spiel zu bringen. Ich war immer einer, der nicht so viel geredet hat, aber mit seinen Taten ein Vorbild sein wollte. Ich will, dass sich jeder, der 20, 22 ist, sagen muss: Wenn ein 38-Jähriger es schafft, so zu spielen, warum dann nicht ich?

Beim Overtime-Sieg gegen Straubing dürften Sie der meistgehasste Mann auf dem Eis gewesen sein.
(lacht) So hat es sich angefühlt. Ich glaube, am Ende wurde ich fast von allen gejagt. Aber das hat Spaß gemacht. Ich liebe diese Schlachten, aber ich bin auch ein Typ, der dir danach die Hand schütteln wird und auch gerne mit dir danach zusammen ein Bier trinken wird.

Am Freitag gegen die Augsburger Panther steht das nächste emotionale Derby an.
Das wird ganz ähnlich. Gegen uns reißen die sich immer den Allerwertesten auf – und wir müssen dagegenhalten. Und wir werden dagegenhalten!

Wie sieht es denn um Ihre Zukunft aus? Ihr Vertrag läuft nach der Saison aus.
Ganz ehrlich: Ich habe mir darüber nicht viele Gedanken gemacht, weil meine Priorität war, überhaupt zurückzukommen. Wenn man mich hier weiter haben will, wäre das natürlich wunderbar. Aber im Moment genieße ich nur den Augenblick, die Zukunft kommt früh genug.

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