Idee Sommerstraße So kommen die neuen Münchner Parklets an

An der Schwanthalerstraße/Ecke Parkstraße wurden acht Parkplätze zu Parklets umgewandelt. Bei schönem Wetter sind viele Menschen auf der Straße unterwegs. Foto: Daniel von Loeper

Mehr Platz für Menschen – und weniger für Autos. Nicht alle Münchner begrüßen die neuen Erholungszonen.

 

München - Zwei Spaziergänger setzen sich mit Eis in der Hand auf den Bürgersteig der Schwanthalerstraße, Ecke Parkstraße. Neben ihnen steht ein riesiges Pflanzenbeet. Dort, wo noch vor wenigen Wochen zwei Parkbuchten waren.

Die Entscheidung über die Sommerstraßen war im Stadtrat Ende Juni gefallen: An der Schwanthalerhöhe sollten für zehn Wochen acht Parkplätze zu "Parklets" umgestaltet werden, um mehr Platz für Menschen zu schaffen. Angedacht waren die Parklets als eine Erweiterung der Bürgersteige – eventuell mit Sitzflächen.

Weniger Parklets als ursprünglich gedacht 

Beauftragt für die Umsetzung hatte die Stadt den Verein Green City. Zusammen mit Anwohnern hatten Green-City-Mitarbeiter die Parklets aufgebaut, darunter Katharina Frese. Diese berichtet der AZ, dass Anwohner schon vor Beginn des Projektes Bedenken hatten, dass es zu laut auf der Straße wird, wenn hier zu viele Sitzgelegenheiten entstehen.

In Absprache mit dem Baureferat habe man deshalb entschieden, nur vier Parkplätze à zwölf Quadratmeter als Aufenthaltsflächen umzubauen. Die anderen 50 Prozent der ursprünglich geplanten Fläche wurden zu Blumenbeeten und Fahrradstellplätzen umgestaltet.

Vorländer: "Ich finde die Umsetzung einfach super"

Noch immer bekommt Green City viel Feedback, berichtet Katharina Frese. "Und das ist ziemlich durchwachsen", sagt sie. Es gebe viele Fans, die das Projekt befürworten. Aber eben auch Menschen, die dagegen sind. Das Hauptargument der Kritiker? "Eindeutig der Lärm – oder, dass Parkplätze fehlen", erzählt Frese.

Kritik, die SPD-Stadtrat Christian Vorländer nicht versteht. Er sei oft abends privat in der Gegend. "Und ich finde die Umsetzung einfach super", sagt der Stadtrat. Egal ob Pflanzen oder Sitzgelegenheit, "die Parklets dort, wo einst Autos standen, erhöhen einfach die Aufenthaltsqualität im Viertel", fasst Vorländer zusammen. Die Lärm-Bedenken der Anwohner relativiert Vorländer: "Natürlich muss man den Sorgen Rechnung tragen, aber die Leute gehen an der Ecke so oder so auf die Straße."

Habenschaden kritisiert "zaghafte Umsetzung"

Gerade an der Ecke Schwanthalerstraße/Parkstraße befinden sich viele gut besuchte Szenekneipen und Bars, argumentiert der Stadtrat. Die Aufregung um zu viel Lärm sollte man also im Kontext sehen, findet er. Genauso wie Vorländer ist die Grüne OB-Kandidatin Katrin Habenschaden begeisterte Nutzerin der Parklets.

Im sozialen Netzwerk Twitter posiert sie auf einer der Sitzflächen an der Parkstraße in der Sonne. Sie schreibt dazu: "Durchatmen in der Stadtoase – und dann weiter machen! Genau das braucht unsere Stadt. Öffentlicher Raum gehört den Menschen im Viertel!"

Sie kritisiert im Gespräch mit der AZ jedoch die "zaghafte Umsetzung" der Stadt. "Das Projekt hätte viel ambitionierter angegangen werden können", sagt sie. In vielen weiteren Vierteln gebe es den Wunsch von Anwohnern, Parkplätze in Parklets zu verwandeln.

Merk wünscht sich weitere saisonale Parklets

Auch Christian Vorländer kündigt an: "Von der SPD-Fraktion wird noch ein Stadtratsantrag kommen, in der wir uns für 2020 Sommerstraßen in weitaus mehr Vierteln in der Stadt wünschen." Und Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) sagt der AZ: "Auch ich wünsche mir saisonale Parklets auf noch vielen weiteren Orten in der Stadt."

Fest steht: Egal, mit wem man über die Parklets spricht, sie polarisieren. Zu den Gegnern gehören nicht nur einige Anwohner. Mehrere Passanten erzählen der AZ, dass ein Kioskbesitzer bei heißem Wetter Wasser auf den Bürgersteig kippt, damit sich dort niemand hinsetzt. Als die AZ ihn darauf anspricht, streitet er dies ab.

Umfrage zu den Parklets rund um die Schwanthalerstraße

Gisela Breuer (Rentnerin, 72): "Für einen netten Ratsch sind die Parklets mit Sitzgelegenheiten schön. Allerdings gibt es hier in der Gegend schon sehr schöne Innenhöfe. Und zum Sitzen ist es ein bisserl hart. Außerdem liegt viel Unrat wie Zigarettenstummel dort rum."

Sebastian Pohl (Künstlerischer Leiter, 35): "An sich eine nette Idee, Betonwüsten in Lebensräume zu verwandeln. Aber warum in Stadtteilen, deren Mietpreise seit Jahren steigen? Und mehr Radstellplätze können an Bahnhöfen Sinn machen. Aber nicht in Wohngegenden, die über einen Hinterhof verfügen."

Annette G. (Architektin, 52): "Für unsere Straße geben die Parklets eine schöne Perspektive. Alle profitieren davon. Bäume mit Grünzone und Fahrradständern sollten eine Dauereinrichtung werden. Pflanzen sind gut für Insekten – und Bäume bringen zumindest geringfügige Kühlung und sind gut fürs Klima."

Martina Michalschik (Hausfrau, 59): "Ich bewundere diese Parklets. Es ist eine schöne Idee und dient der Aufwertung des Straßenbildes. Nett, wenn Menschen dadurch ins Gespräch kommen können. Es wirkt auf mich wie eine Ruheoase. Dass es dadurch weniger Parkplätze gibt, halte ich für sehr gut."

Anja Roxin (Anwältin, 51): "Diese Blumennischen bei den Parklets finde ich superschön. Die Parklets mit Sitzgelegenheiten in der Parkstraße finde ich allerdings nicht so toll. Die Parkplatznot ist riesig und es fehlen durch diese Maßnahme Parkplätze. Außerdem ist es nicht bequem, dort zu sitzen."

Heidi Thönges (Nachhaltigkeitscoach, 38): "Die Parklets sind großartig – und es sollte diese überall in der Stadt für immer geben. Ich sitze ganz oft dort mit meiner Familie und uns gefallen auch die Sitzgelegenheiten sehr gut. Wir haben kein Auto und sind dafür, dass Parkplätze wieder Lebensraum werden."    Umfrage: Daniel von Loeper

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zu den neuen Parklets

 

16 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading