Idee an der Hochschule Münchner Studenten planen Shampooflaschen-Revolution

Die Hochschule an der Lothstraße 64. Foto: Nicolai Schneider

An der Hochschule München werden viele Start-ups gegründet. Warum das gut funktioniert - und welche Idee den Kosmetikhandel revolutionieren könnte.

 

München - In Klaus Sailers Büro steht eine Glasflasche in einer etwas ominösen Halterung. Es handelt sich dabei um einen Prototypen für einen Shampoo-Spender, mit dem man auch ohne Plastikverpackung für das Haarwaschmittel auskommt. Stattdessen könnte man die Glasflasche wiederverwenden. Aus dieser Idee könnte sich eines der rund 25 Start-up-Unternehmen entwickeln, die jährlich aus der Hochschule München (HM) heraus gegründet werden.

Der Gründungsradar zählt diese und zeichnet auf dieser Basis, zusammen mit anderen Faktoren, jährlich die deutschen Hochschulen aus. Auf dem ersten Platz liegt seit Jahren die TU. Und auch der zweite Platz geht nach München, an die HM als einziger Fachhochschule unter den großen in Deutschland.

Entwicklerinstitut unabhängig von der Hochschule

"Wir bewerten nach vier Dimensionen", erklärt Andrea Frank vom Gründungsradar, "Wie erreicht die Hochschule die Studierenden? Wie stark ist das Programm verankert? Welche Ressourcen können außerhalb des Lehrplans genutzt werden? Wie viele Gründungen gibt es aus der Hochschule heraus?" Dabei folgt die Jury einer Grundannahme: Je mehr die Schule tut, umso besser.

Den Umweltspender haben Studierende der Hochschule München, mit Unterstützung aus dem SCE – dem Strascheg Center for Entrepreneurship, das Klaus Sailer leitet, entwickelt. Von dem 2002 gegründeten Institut aus wird die Gründungsförderung der HM koordiniert und abgewickelt.

Das SCE ist ein Entwicklerinstitut, das rechtlich unabhängig von der Hochschule ist, aber dennoch zu ihr gehört und extra für die Studierenden da ist. "Ein Münchner Modell" nennt Klaus Sailer die Gründungen der flexibleren Entrepreneurship-Center für die Hochschulen. So funktioniert es beispielsweise auch mit der "UnternehmerTUM" der TU.

Forschung privat gefördert

Und so wie die "UnternehmerTUM" Susanne Klatten hat, steht hinter dem SCE der Unternehmer Falk Strascheg als finanzkräftiger Unterstützer. "Die starke Förderung durch Privatpersonen ist sicher ein wichtiger Faktor", sagt Andrea Frank. Denn hier liegen wichtige Ressourcen, um Infoveranstaltungen, Programme und Infrastruktur für die Studierenden zu schaffen.

Doch worauf kommt es dann eigentlich an? "Als erstes müssen wir die Studierenden zu dem Gedanken bringen, dass Gründen interessant ist", sagt Klaus Sailer. Neben der Leitung des SCE hat er auch eine Professur für Maschinenbau an der HM und bietet eine Vorlesung zum Thema Innovation und Start-up an, die für einige Studiengänge bereits Pflicht ist.

Lernen in der Praxis

"Dann müssen wir die richtige Ausbildung anbieten und denen, die dann noch dabei sind schließlich die nötige Beratung und Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Ideen geben." Am SCE sind das etwa Räumlichkeiten und Infrastruktur aber auch Coaches, die die Studierenden begleiten. Rund 1200 Studierende fangen jedes Jahr an der HM an, etwa ein Drittel erreicht das SCE, schätzt Sailer.

Wichtig seien aber nicht die Gründungen, sondern, den Studierenden Grundsätzliches zu vermitteln. "Sie lernen unternehmerisch zu denken, in interdisziplinären Teams zu arbeiten und mit Unsicherheiten zu leben und entwickeln Empathie, was ihre potenziellen Kunden eigentlich brauchen", sagt Sailer. In Zeiten des zunehmenden Bewusstseins für Müllvermeidung, zum Beispiel wiederbefüllbare Shampooflaschen.

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