"Ich habe keinem Menschen etwas getan" Ehefrau erdrosselt: Demenzkranker kann sich nicht erinnern

Der wegen Totschlags angeklagte Mann wird am Donnerstag von Justizbeamten in einen Gerichtssaal vom Landgericht in München geführt. Foto: Matthias Balk/dpa

Ein demenzkranker Münchner soll seine Ehefrau erdrosselt haben - scheint sich aber an nichts erinnern zu können. Nun muss das Landgericht entscheiden, ob er in die geschlossene Psychiatrie kommt.

 

München - Ein demenzkranker Rentner steht in München wegen Mordes an seiner Ehefrau vor Gericht. Allerdings geht es wegen der Erkrankung des 82-Jährigen nicht um eine Haftstrafe, sondern um eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie. Der Angeklagte sagte am Donnerstag beim Prozessbeginn vor dem Landgericht München I, er könne sich an nichts erinnern. "Ich würde alles sagen, aber ich weiß nichts mehr." Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hat der Rentner seine Frau im Streit niedergeschlagen und mit einem Strick erdrosselt.

"Ich habe keinem Menschen etwas getan"

Vor Gericht wurde deutlich, in welch schlechter Verfassung der Angeklagte ist. Der 82-Jährige brach immer wieder in Tränen aus und schien nicht zu verstehen, warum er vor Gericht sitzt. "Ich habe keinem Menschen etwas getan", sagte er. Fragen etwa zu seinen Eltern konnte er nicht beantworten. "Das weiß ich alles nicht mehr, weil mich der Schlag getroffen hat."

Seit einem Schlaganfall vor gut einem Jahr kümmerte sich die Ehefrau um den verwirrten Mann. Laut Staatsanwaltschaft fühlte er sich von ihr gegängelt, weil sie ihm vorgab, welche Termine er wahrzunehmen habe. Bei dem Streit am 27. August 2017 soll der frühere Boxer seine Frau im gemeinsamen Haus in München ins Gesicht geschlagen haben. Als sie zurückschlug, habe er sie zu Boden gebracht und stranguliert.

Der Sohn des Paares berichtete, dass sein Vater die Mutter in mehr als 45 Ehejahren nie körperlich angegriffen habe. Seit seinem Schlaganfall sei er jedoch aggressiv. Es sei nur noch darum gegangen, dass er Autofahren wolle und zum Friseur müsse. Der Sohn vermutet, dass seine Mutter den Vater am Tattag erneut vom Autofahren abhalten wollte. "Dann ist es passiert."

 

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