"Ich habe dich immer geliebt" Prozess in München: Mordversuch mit dem Auto

Mike G. wird zur Anklagebank geführt. Foto: Peter Kneffel/dpa

Eifersucht? Blinde Wut? Oder alles zusammen? Ein 33-Jähriger lenkt seinen Kleinbus in das Haus seiner Ex-Freundin. Fazit der Wut-Aktion: drei Verletzte und ein teilweise zerstörtes Haus. Schaden: 50.000 Euro.

 

München - Die Tat gibt Mike G. (33) zu. Dass er morden wollte, nicht. "Ich wollte nie jemandem etwas antun und jemanden umbringen", erklärt er zu Prozessbeginn am Dienstag. Ansonsten sagt er nicht viel, verfolgt mit gesenktem Kopf das Geschehen.

Der Kfz-Mechaniker bestätigt, am 14. Juni 2018 seinen VW-Transporter mit 50 Stundenkilometern in das Haus seiner Ex-Freundin Tanja H. (30) in Markt Indersdorf im Kreis Dachau gelenkt zu haben, nachdem er zuvor Zaun und Hecke des Anwesens niedergewalzt hatte. Die Frau und ihr neuer Partner Markus P. können von Glück reden, dass sie zu diesem Zeitpunkt im Badezimmer und nicht im Wohnzimmer oder auf der kleinen Terrasse davor weilten.

Angeklagter steigt aus und greift seine Ex an

Auch den Tod der vierjährigen Tochter seiner Ex hat er laut Anklage in Kauf genommen. Die war aber zu diesem Zeitpunkt – um 22 Uhr – nicht im Haus gewesen. Für die Staatsanwaltschaft hat sich Mike G. des versuchten Mordes, der vorsätzlichen Körperverletzung, Bedrohung, des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der Zerstörung von Bauwerken schuldig gemacht. Ein stattlicher Ausschnitt des Strafgesetzbuches.

Die Attacke war mit dem Loch in der Häuserwand nämlich noch nicht beendet. Mike G. stieg laut Anklage aus und griff seine Ex an. Die floh, wurde aber von ihrem ehemaligen Freund gestellt und zu Boden gebracht. Mit einer Hand am Hals fixierte er die Frau, mit der anderen Hand griff er ihr ins Gesicht. Er habe dann gesagt: "Ich habe dich immer geliebt", erinnert sich die 30-Jährige am Dienstag.

Nach der Liebeserklärung wollte ihr der Ex mit der linken Faust ins Gesicht schlagen. Doch dazu kam er nicht mehr. Markus P. nahm ihn von hinten in einen Würgegriff und zerrte ihn von der Frau weg. Der Angreifer drohte ihm laut Anklage: "Ich bring dich um, das war dein größter Fehler." Dann kam die Polizei.

Tanja H. nach dem Vorfall in Therapie

Fazit der Wut-Aktion: drei Verletzte und ein teilweise zerstörtes Haus. Schaden: 50.000 Euro. Tanja H. zog sich unter anderem eine Brustkorbprellung zu und ist nach dem Vorfall in Therapie. Auch beide Männer wurden leicht verletzt.

Die Vorgeschichte: Mike G. und Tanja H. waren von Januar 2016 bis Mitte Mai 2018 ein Paar. Doch dann kriselte es. Während sie sich zunehmend mit Freunden traf, sei er lieber für sich geblieben. In ihrer Zeugenaussage beschreibt die Frau den Angeklagten zwar als unauffällig und nie aggressiv. Er habe sich vor der Trennung aber stark auf sie fokussiert. Er sei wohl durchgedreht, vermutet sie. "Ich glaube, dass er sich da reingesteigert hat."

Am Tatabend wollte der 33-Jährige seinen Sky-Receiver zurück, berichtet das Opfer am Dienstag. Ihr Freund bot sich an, Mike G. den Receiver zu überreichen. Das machte den Angeklagten bei der Übergabe aber wohl eher wütend, da er gehofft hatte, mit seiner Ex noch mal reden zu können. Eine Viertelstunde später raste er ins Haus. Der Prozess wird fortgesetzt.

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