Gärtnerplatzviertel Diese Mieterin kämpft um ihre Wohnung

Mieterin Sylvia Berger vor ihrem Haus. Foto: AZ

Seit zehn Jahren schon kämpft eine Mieterin im Gärtnerplatzviertel um ihre Wohnung. Alle früheren Nachbarn sind ausgezogen. Nun fürchtet auch sie ihr Zuhause zu verlieren.

 

München - Sylvia Berger (Name geändert) muss tief durchschnaufen: "Ich bin jetzt die Letzte hier", sagt sie und meint damit ihr Wohnhaus im Gärtnerplatzviertel. Alle früheren Nachbarn der Münchnerin sind ausgezogen. Berger muss fürchten, dass auch sie ihr Zuhause verlieren könnte. Seit zehn Jahren kämpft sie um ihre Wohnung, ihr Heim, und die Möglichkeit, in der Umgebung alt zu werden, in der sie ihr ganzes Leben verbracht hat.

Berger wohnt in der Fraunhoferstraße 10 und das, seit sie zwölf Jahre alt war. 1958 zog sie mit ihrer Mutter und Schwester hier ein. 50 Jahre später wurde das Anwesen an der Ecke Jahnstraße vom damaligen Besitzer an Rainer Beck verkauft, ab da änderte sich für die Mieter alles.

Kampf um Wohnung: Werden Mieter gezielt vertrieben?

Modernisierungen wurden angekündigt und in den Räumen einer ehemaligen Pension im Haus auch rasch begonnen. Den Mietern wurden Aufhebungsverträge vorgelegt oder Abfindungen angeboten. Das Haus wurde zur Dauerbaustelle: Wände im Treppenhaus wurden aufgerissen, Keller ausgeräumt, wurde eine weitere Wohnung frei, ging es auch dort mit den Bauarbeiten weiter. Staub, Lärm und Dreck über Jahre im ganzen Haus, die Mieter hatten alsbald den Verdacht, dass sie gezielt vertrieben werden sollten.

Die Zimmer der fertiggestellten Wohnungen wurden damals über ein Internet-Portal für Wohngemeinschaften weiter vermietet. Heute über eine Seite für edle Business-WGs. Im Schnitt für um die 600 Euro das Zimmer – da kommt einiges zusammen.

Mieterin soll aus Wohnung geklagt werden

Die AZ hatte 2012 über die damals letzten drei Mietparteien im Haus berichtet und das, was sie aushielten. Viele weitere Medien griffen die Berichterstattung auf, sogar das Fernsehen. Etwa über das Ehepaar H., das seit über 50 Jahren in dem Haus gelebt hatte und die Wohnung einst selbst hergerichtet hatte – vom Parkettboden, über die Heizung, bis zur Einbauküche. Als Hugo H. starb, hielt seine Frau dem Druck nicht mehr stand. Sie zog ins Altenheim.

Oder Danica P. und ihr Mann, in deren Wohnung plötzlich ein Loch in der Wand klaffte, Bauarbeiter waren durchgebrochen. Es dauerte zwei Monate, bis der Schaden behoben war. 2017 sind auch sie ausgezogen. Die Miete war endgültig nicht mehr bezahlbar. Nun ist von den Altmietern nur noch Sylvia Berger übrig. Der Vermieter erhöht den Druck auf sie mit gerichtlichen Schritten, will sie aus der Wohnung klagen.

Alteingesessene Mieter stören

Unabhängig davon, wie ihr Fall ausgeht, das Haus Fraunhoferstraße 10 ist für den Mieterverein ein Musterbeispiel für die Methode Beck: Kaufen – bevorzugt in innenstadtnahen Vierteln, wie der Isarvorstadt, Schwabing, Isarvorstadt, Neuhausen oder Giesing, dann Modernisieren, dann teuer weitervermieten. Alteingesessene Mieter wie Sylvia Berger stören da nur.

 

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