Hungersnot droht Hunderttausende in Gefahr: Angriff auf Hafen im Jemen

Die aktuelle Nahrungskrise im Jemen könnte sich zu einer Hungersnot ausweiten, wenn die Hilfslieferungen ausbleiben. Foto: Mohammed Mohammed/XinHua/dpa

Schon jetzt bezeichnen die Vereinten Nationen den Krieg im Jemen als die weltweit schlimmste humanitäre Katastrophe. Mehr als 22 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Eine neue Militäroffensive zielt auf die "Lebensader" des Landes.

Sanaa - Der lang erwartete Angriff auf die für die Versorgung des Jemens zentrale Hafenstadt Hudaida hat begonnen. Die Befreiung der Stadt sei ein Meilenstein im Kampf, den Jemen von den Huthi-Milizen zurückzuerobern, teilte die international anerkannte jemenitische Regierung mit.

Zudem solle damit auch die Sicherheit in der Meerenge Bab al-Mandab widerhergestellt werden. Die Wasserstraße zwischen der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika zählt zu den wichtigsten Routen für Öltanker. Die Vereinten Nationen warnten vor dem Angriff vor verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung.

UN warnt vor einem Angriff auf den Hafen

Die Hafenstadt im Westen des Bürgerkriegslandes ist zentral für die Versorgung des Jemens. Über Hudaida laufen 70 Prozent der dringend benötigten Hilfslieferungen für den von den Huthi-Rebellen kontrollierten Norden des Landes. Auch die Stadt selbst wird von den Huthis kontrolliert. Hilfsorganisationen schätzen, dass rund 600.000 Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder, in und um Hudaida leben. Die UN warnten davor, dass 250.000 Menschen durch einen Angriff auf die Stadt alles verlieren könnten, inklusive ihrer Leben.

Die Offensive auf Hudaida habe mit Luftangriffen auf Ziele südlich der Stadt begonnen, hieß es aus jemenitischen Militärkreisen. Eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt die Offensive. Regierungstreue Milizen rücken am Boden vor. Landwirtschaftliche Gebiete und Bauernhöfe nahe der Stadt seien von den Huthi-Milizen in Militärstellungen umgewandelt worden, hieß es aus Militärkreisen.

Todesgefahr für unzählige Anwohner durch Luftangriffe

Berichte von vor Ort bestätigten die schlimmsten Befürchtungen, sagte der Generalsekretär der Hilfsorganisation Care Deutschland, Karl-Otto Zentel, am Mittwoch. Innerhalb von 30 Minuten habe es mehr als 30 Angriffe gegeben. Viele Menschen seien eingeschlossen oder würden aus ihren Häusern vertrieben. "Der Angriff bedeutet Todesgefahr für unzählige Anwohner. Zudem droht die Versorgung von Millionen von Jemeniten zusammenzubrechen."

Der UN-Sondergesandte Martin Griffiths hatte bis zuletzt versucht, den Angriff zu verhindern. Die UN bezeichnen die Situation im Jemen schon jetzt als größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart. Rund 22 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, dies entspreche Dreiviertel der Bevölkerung. Zuletzt hatte eine Cholera-Epidemie mit mehr als einer Million Fällen die Lage im Land verschlechtert.

Zehntausende Menschen mussten bereits aus ihren Häusern fliehen

Die jemenitischen Regierungstruppen hatten im Oktober zusammen mit ihren Verbündeten eine groß angelegte Militäroffensive gestartet, um auf den Seehafen von Hudaida vorzurücken. Sie werfen den Huthis zudem vor, vom Iran unterstützt zu werden. Die Kämpfe waren zuletzt nur noch wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge mussten Zehntausende Menschen wegen der Gewalt bereits aus ihren Häusern fliehen.

Im Gespräch mit der Denkfabrik International Crisis Group warnte ein Huthi-Offizieller die Angreifer vor dem Sturm auf die Stadt. Die Koalition werde beim Angriff auf Hudaida "die Hölle erwarten". Beobachter fürchten, dass sich der Kampf um die Hafenstadt lange hinziehen könnte.

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