Hunderte Fälle München: Neue Zahlen! So viele städtische Wohnungen stehen leer

In der Papa-Schmid-Straße hat die Stadt eine Wohnung. Nur einen Mieter fand sie lange Zeit nicht. Foto: Daniel von Loeper

Es gibt in München doppelt so viel unbewohnte städtische Wohnungen wie noch vor einem Jahr. Auch eine Sozialwohnung in Bestlage konnte nicht vermietet werden.

 

München - Auf den ersten Blick lösen die Zahlen Alarm aus: 2017 waren es noch 156 städtische Wohnungen in München, die leer standen, zum Stichtag 31. Dezember 2018 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt: Jetzt sind es plötzlich 327 Wohnungen.

Leerstand: Stadt München relativiert

Generell gilt eine Wohnung für die Stadt als leerstehend, sobald sie mindestens sechs Monate unbewohnt ist.

Doch die stark gestiegenen Zahlen täuschen, warnt Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos). Sie erklärt: "Bei der Mehrzahl an Wohnungen, die rein statistisch leer stehen, liegt es an Sanierungsmaßnahmen – und dem damit teils verbundenen Abriss und Neubau." Derzeit gebe es 268 solcher Wohnungen, die aufgrund von Neubau oder Sanierung unbewohnt sind.

Dabei sinke die Anzahl an tatsächlich leerstehenden städtischen Wohnungen seit 2013 (damals waren es 647 Wohnungen) ständig.

Leerstand in München: Wegen Neubau und Sanierung

Eines der größeren Projekte ist die Siedlung an der Haldenseestraße in Ramersdorf-Perlach, die die GWG verdichten und modernisieren möchte. 93 Wohnungen stehen in der Bad-Schachener-Straße 68-84, beziehungsweise in der Haldenseestraße 1-21, bereits länger als sechs Monate leer (Stand 31. Dezember 2018). Die Mieter sind in benachbarte GWG-Gebäude umgezogen.

Der Grund für die Räumung ist ein Groß-Sanierungsprojekt der GWG, das im Juli 2015 vom Stadtrat beschlossen wurde. Die Kleinstwohnungen in der Siedlung aus den 1940er und 1950er Jahren werden abgerissen. Die Mietshäuser sollen schrittweise durch Neubauten ersetzt werden. Insgesamt sollen bis 2031 etwa 728 neue, familienfreundliche Wohnungen entstehen.

60 Prozent dieser neuen Wohnungen sollen laut Beschluss im geförderten Wohnungsbau entstehen. Derzeit befindet sich das Projekt in seiner zweiten Bauphase: 123 Wohnungen sollen in diesem Projektabschnitt für den Neubau von 156 zeitgemäßen Wohnungen weichen. Umgesetzt sein soll dieser Bauabschnitt bis zum Jahr 2024.

Ähnliche Maßnahmen sind zum Beispiel an der Schleißheimer Straße 450 (Abriss von 54 Wohnungen und Neubau von 67, derzeit stehen bereits 28 Wohnungen länger als sechs Monate leer), der Kämpferstraße (Abriss: 30; Neubau: 50; bereits leer: 19 Wohnungen) und der Gube-/Baubergerstraße (Abriss: 66; Neubau: 107; bereits leer: 41 Wohnungen) geplant. Zusammen mit weiteren, kleineren Sanierungs- und Modernisierungsprojekten kommt das Planungsreferat so insgesamt auf die 268 Wohnungen, die derzeit temporär jeweils mindestens sechs Monate leer stehen.

Kurioses Beispiel aus Glockenbachviertel

Und die restlichen 59 Wohnungen? Hier handelt es sich um Einzelfälle, die aus verschiedensten Gründen – teils für einen längeren Zeitraum – unbewohnt bleiben. Ein kurioses Beispiel ist eine Wohnung in der Papa-Schmid-Straße. Trotz der Top-Lage im Glockenbachviertel konnte für die städtische Wohnung, die im Hochparterre liegt, lange kein Mieter mit Anspruch auf gefördertes Wohnen gefunden werden. Die Wohnung wurde zum 1. Februar nun doch vermietet – nachdem sie bei Immobilienscout zur frei finanzierten Miete angeboten wurde.

Ein weiterer Fall: In der Hinterbärenbadstraße 65 werden zwei Senioren-WGs der Caritas derzeit aufgelöst. Der Grund: Das Angebot wurde doch nicht so gut angenommen wie erwartet. Jetzt sollen die Senioren nach und nach ausziehen, damit die insgesamt elf Apartments an einen Sozialträger vermietet werden. Den Bewohnern der WG sollen Ersatzwohnungen angeboten werden, allerdings zieht sich der Aus- und Umzugsprozess noch hin, sodass derzeit fünf Wohnungen leer stehen.

Doch die Gründe können auch ganz banal sein: Beispiel ist hier die Attenkofer Straße 9. Hier steht derzeit eine Wohnung wegen eines Wasserschadens leer.

Prognose: Wohnungsleerstände steigen an

Von den insgesamt 73.500 Wohnungen der städtischen GWG und Gewofag (9 Prozent des Gesamtbestandes in München) stehen mit 327 Wohnungen (inklusive denen, die modernisiert werden) relativ wenige Einheiten leer (Quote von 0,44 Prozent). Zum Vergleich: Auf dem privaten Wohnungsmarkt geht man in München davon aus, dass von rund 747.000 Wohnungen 39.000 leer stehen (Quote von 5,22 Prozent).

Obwohl die Bestrebung der Stadt natürlich sei, die Anzahl an leeren Wohnungen in Zukunft zu reduzieren, vermutet Merk, dass die Zahlen in den kommenden Jahren keinesfalls zurückgehen, sondern ähnlich bleiben – oder sogar weiter steigen. Der Grund, so die Stadtbaurätin: "Es gibt immer neue Sanierungsprojekte für die Wohnungen dann zeitweise leer stehen müssen."

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