Hundeführerschein könnte helfen Immer mehr Beißattacken von Hunden in Bayern

Bitte in Ruhe lassen: Ein Hund, der die Zähne fletscht (Symbolbild). Foto: Soeren Stache/dpa

Vorfälle mit aggressiven Hunden nehmen kontinuierlich zu – seit 2011 um fast das Doppelte. Helfen könnte ein Hundeführerschein.

 

München - Es sind nicht die Listenhunde, die im Freistaat für immer mehr Probleme sorgen: Laut Innenministerium nehmen vor allem Beißattacken von "ganz normalen" Hunden in Bayern immer mehr zu. Das berichtet der BR. Demnach gingen 94 Prozent der Beißattacken im Jahr 2018 auf das Konto von Schäferhund, Berner Sennenhund und Co. – wie die aktuellen Zahlen des Bayerischen Innenministeriums belegen.

Seit 2011 erhebt die Behörde alle Beißvorfälle im Freistaat – und stellt fest: Die Vorfälle haben in den letzten neun Jahren um fast 50 Prozent zugenommen. Von 870 Fällen (für 47 davon sind Listenhunde verantwortlich) auf 1.281 Fälle in 2018 (wovon 78 Fälle auf das Konto der Listenhunde gehen).

Mehr Hunde, mehr Hundebisse?

Allerdings hat sich in der Zeit auch die Anzahl der Hunde im Freistaat erhöht. Vor allem in München leben immer mehr Vierbeiner: Allein zwischen 2015 und 2018 sind knapp 2900 hinzugekommen. Waren im Jahr 2015 noch 34.439 Hunde angemeldet, waren es drei Jahre später schon 37.324.

Kein Wunder, dass die Forderungen nach dem sogenannten Hundeführerschein – ein Nachweis über bestandene theoretische und praktische Prüfungen zur Hundehaltung – immer lauter werden. Ein solcher würde dazu beitragen, dass sich potenzielle Halter vor einer Anschaffung eines Hundes intensiv mit der Hundehaltung auseinandersetzten und sich Gedanken machten, welche Verpflichtung sie eingehen, sagte etwa Sabina Gassner vom Tierschutzverein Augsburg dem BR. "Man trägt ja auch Verantwortung gegenüber anderen Tieren, Passanten, Joggern, Radlern und Kindern, die sich unbefangen bewegen wollen", so Gassner.

Das Problem liegt auf der menschlichen Seite der Leine 

Tatsächlich liegt die Ursache des Beiß-Problems eher auf der menschlichen Seite der Leine – und damit in der mangelnden Konsequenz bei der Erziehung der Vierbeiner. Die meisten Attacken ließen sich vermeiden, sind Experten überzeugt.

In Bayern ist der Hundeführerschein bislang freiwillig – im Gegensatz zu Niedersachsen, das als erstes Bundesland einen Sachkundenachweis für Hundehalter ab dem Jahr 2013 beschlossen hat. Mit Erfolg: Nur drei Jahre nach der Einführung seien die Vorfälle in dem Land nachweislich zurückgegangen, erklärt die Tierschutzorganisation Peta.

Auch die Stadt München setzt auf den Hundeführerschein – und versucht es mit finanziellen Anreizen: Wer nachweisen kann, dass sein Hund die Prüfung in einer Hundeschule bestanden hat, kann diesen für das nächste Jahr von der Hundesteuer befreien lassen. Das sind in München 100 Euro im Jahr, für einen Listenhund sind sogar 800 Euro fällig.

 

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