Hongkong weiter angeflogen Lufthansa streicht alle Flüge von und nach China

Lufthansa hat alle Flüge von und nach China gestrichen. Foto: Bodo Marks/dpa/dpa

Ein Mann, der vor Kurzem in Wuhan war, hat zuvor in einem Flieger aus Frankfurt Symptome gezeigt. Passagiere und Crew werden untersucht und alle China-Flüge gestrichen.

 

Frankfurt/Main - Die Meldungen zum Coronavirus überschlagen sich. Täglich, stündlich, minütlich. Mehr Verdachtsfälle, mehr Vorsichtsmaßnahmen, mehr Angst.

Über 6.000 Menschen sind mittlerweile infiziert, die meisten in China. Außerhalb der Volksrepublik sind mehr als 80 Fälle nachgewiesen. Auch Finnland meldet gestern am frühen Abend die erste Infektion: eine Touristin (32) aus Wuhan. Damit ist das Virus nun neben Deutschland und Frankreich im dritten EU-Land angekommen.

Immer mehr Länder wie die USA oder Großbritannien wollen ihre Bürger aus dem Risikogebiet Wuhan ausfliegen. Auch Deutschland wird mit der Bundeswehr rund 90 Bürger in den nächsten Tagen aus der Provinz Hubei zurückholen, hieß es gestern.

Das Flugzeug der Bundeswehr soll in Frankfurt am Main landen. Die Passagiere aus China sollen dann in Quarantäne kommen, wie die stellvertretende Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums, Doris Berve-Schucht, bestätigt. "Das hängt natürlich zusammen mit der Inkubationszeit. 14 Tage Quarantäne, denke ich, das ist geplant."

Insgesamt wollen etwa 600 EU-Bürger aus 13 Staaten die Gegend um Wuhan so schnell wie möglich verlassen. Die EU-Kommission wollte im Rahmen ihrer Zivilschutz-Koordination noch diese Woche zwei Flugzeuge für Heimkehrer nach China schicken.

Ein möglicher Kranker an Bord – Crew und Passagiere im Fokus

Auch die Lufthansa zieht Konsequenzen und streicht zunächst bis 9. Februar alle Flüge von und nach China. Europas größte Fluggesellschaft mit ihren Töchtern folgt damit ihrem Konkurrenten British Airways und anderen Fluggesellschaften, wie das Unternehmen gestern bestätigt.

Zuvor hatte es beunruhigende Neuigkeiten von einer Lufthansa-Maschine gegeben: Der Flug LH780 von Frankfurt nach Nanjing hatte gestern einen Passagier an Bord, der von chinesischen Behörden als Risikofall eingestuft worden war. Der Chinese soll gehustet haben und zwei Wochen zuvor in der Metropole Wuhan gewesen sein. Noch ist unklar, ob sich der Verdacht einer Infektion bestätigen wird und er wirklich erkrankt ist.

Notfall-Ausschuss soll klären, wie weitere Ausbreitung verhindert werden kann

Unabhängig von der endgültigen Diagnose: Die Passagiere, die jeweils drei Reihen vor und hinter dem Mann saßen, seien von den chinesischen Behörden ebenso untersucht worden wie die Crew des Airbus A 340, sagte ein Lufthansa-Sprecher gestern.

Flugbegleiter und Piloten seien dann umgehend in die nächste Maschine nach Frankfurt umgestiegen, sie sollten noch am Abend landen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für heute erneut den Notfall-Ausschuss einberufen. Der Ausschuss berät die WHO in der Frage, ob eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen werden soll. Damit verbunden sind konkrete Empfehlungen, wie alle Länder der Welt einer weiteren Ausbreitung vorbeugen können.

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